Diskussionsveranstaltung von Friedrich-Ebert-Stiftung und VCI zur Zukunft der Industrie

Wer Erfolg haben möchte, muss auch Risiken eingehen

Wie sieht eine gute Industriepolitik für den Wirtschaftsstandort Deutschland aus? Um Antworten auf diese Frage rangen die Teilnehmer auf der Diskussionsveranstaltung „Zukunft der Industrie – Jetzt die Weichen richtig stellen!“ von Friedrich-Ebert-Stiftung und VCI. Rund 80 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Verbänden waren der Einladung nach Berlin gefolgt.

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann (zweiter von rechts) plädierte für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Industrieland Deutschland. Dazu gehört für ihn vor allem ein neues Finanzierungsmodell der Energiewende. Die jetzige Finanzierung müsse umfassend überarbeitet werden, damit nicht noch mehr Investitionen ins Ausland abwandern, - Foto: © VCI/Brigitte Hiss
VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann (zweiter von rechts) plädierte für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Industrieland Deutschland. Dazu gehört für ihn vor allem ein neues Finanzierungsmodell der Energiewende. Die jetzige Finanzierung müsse umfassend überarbeitet werden, damit nicht noch mehr Investitionen ins Ausland abwandern, - Foto: © VCI/Brigitte Hiss

Wohlstands-Erhalt setzt Ausbau von Standort und Infrastruktur voraus

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Gute Rahmenbedingungen für die Energiewende, Stärkung von Innovationen, Förderung von Kreativität in der Ausbildung und mehr Investitionen von öffentlicher Hand und privatem Bereich sind für Thorsten Schäfer-Gümbel die wichtigsten Zutaten, damit die Industrie hierzulande auch künftig eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat. „Deutschland darf keine Mauern aufbauen. Wir müssen die Globalisierung gestalten“, machte der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende und Vorsitzende der SPD in Hessen mit Blick auf den rasant wachstenden internationalen Wettbewerbsdruck deutlich. Sorge bereitet ihm die fehlende Akzeptanz der Bevölkerung für neue Technologien. „Akzeptanz ist zum Teil eine größere Herausforderung als die Finanzierung“, betonte er. Und warnte weiter: „Wenn es uns nicht gelingt, in einem überwiegend gesättigten Wohlstand den Standort und die Infrastruktur auszubauen, dann ist es nicht sicher, dass wir diesen Wohlstand halten können.“ Umso wichtiger ist für ihn, dass auch die Politik demonstrativ Position bezieht. Seiner Auffassung nach helfe es nämlich nicht weiter, schwierigen Debatten – etwa beim Ausbau der Infrastruktur – auszuweichen.

Reformmüdigkeit in Deutschland

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„Erfolg hängt auch davon ab, dass man Risiken eingeht“, ergänzte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Er hält deshalb das weitgehende Gefühl von Zufriedenheit für gefährlich und beklagt eine gewisse Reformmüdigkeit in Deutschland: „Wir verschlafen diese Weichenstellung zu sehr.“ Gleichzeitig plädierte er für mehr Wettbewerb – auch in Sachen Energiewende. Der DIW-Präsident prognostizierte weiter, dass die traditionelle Industrie schrumpfen und die Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Digitalisierung steigen werde.

Dem widersprach Oliver Heinrich, der Landesbezirksmeister Nordost der Industriegewerktschaft Bergbau, Chemie, Energie ist. Heinrich sieht die Industrie auch künftig als Basis des hiesigen Wohlstands.

Hohe Kosten der Energiewende benachteiligen Standort Deutschland

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. - Foto:
VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. - Foto: © VCI/Brigitte Hiss
Der Gewerkschafter erhielt Unterstützung von VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann, der ein engagiertes Plädoyer für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Industrieland Deutschland hielt. Dazu gehört für ihn vor allem ein neues Finanzierungsmodell der Energiewende. Die jetzige Finanzierung müsse umfassend überarbeitet werden, damit nicht noch mehr Investitionen ins Ausland abwandern, forderte Tillmann. Denn die Zahlen belegen: Seit 2012 investieren die Chemieunternehmen stärker im Ausland. 2015 waren es 8,6 Milliarden Euro, verglichen mit 7,2 Milliarden im Inland. Vor allem energieintensive Produktionsanlagen würden zunehmend im Ausland errichtet, erläuterte Tillmann. Hier machten sich die hohen Kosten der Energiewende in Deutschland unmittelbar als Standortnachteil bemerkbar.

Weiter verwies Tillmann darauf, dass nach wie vor ein Wagniskapitalgesetz und auch eine steuerliche Forschungsförderung fehle. Beide Instrumente, so seine Meinung, stimulieren die Innovationskraft und damit die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

Die Diskussion zeigte: Die Teilnehmer waren sich einig, dass der industrielle Kern des Wirtschaftsstandortes durch geeignete Rahmenbedingungen gestärkt werden müsse. Nur dann könne Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter erfolgreich sein.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Monika von Zedlitz

E-Mail: zedlitz@vci.de