Standpunkt

Impulse für eine neue Innovationskultur

Die Abschlussvereinbarung aus dem „Branchendialog Chemie“ mit dem Bundeswirtschaftsministerium hat eine klare Marschroute: Politik, Unternehmen, Arbeitgeber und Gewerkschaft müssen in den kommenden Monaten an einem Strang ziehen, um das Ziel eines dauerhaft starken Chemie- und Industriestandortes zu erreichen. Die Ergebnisse fließen auch in das übergeordnete „Bündnis Zukunft der Industrie“ ein – eine Allianz, von der wichtige Impulse für eine neue gesellschaftliche Innovationskultur ausgehen sollen.

VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers © Bayer AG
VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers © Bayer AG

Eine innovative und wettbewerbsfähige Chemie ist entscheidend für die Stärke des Industrielands Deutschland. Mit diesem grundlegenden Verständnis einigten sich die Vertreter des Wirtschaftsministeriums und der Branche in den Verhandlungen der vergangenen Monate auf gemeinsame Positionen und Ziele, die dazu beitragen sollen, dass Deutschland einer der wichtigsten Chemie-Standorte weltweit bleibt. Den Unterschriften auf der Vereinbarung wird nun ein Umsetzungsprozess mit Erfolgskontrolle folgen, damit die Vereinbarung nicht in einer Schublade oder zwischen Aktendeckeln liegen bleibt. Ausdrücklich festgehalten wurde deshalb: In zwölf Monaten ziehen wir Bilanz.

Politik, Unternehmen, Arbeitgeber und Gewerkschaft müssen deshalb in den kommenden Monaten an einem Strang ziehen. Die Branche sieht sich hierbei mit ihren Organisationen als zuverlässiger Partner der Bundesregierung. Auch Bundeswirtschaftsminister Gabriel setzt auf diese Partnerschaft. Allen Beteiligten ist klar: Nur gemeinsam lässt sich das Ziel eines dauerhaft starken Chemie- und Industriestandortes erreichen.

Denn der Handlungsbedarf ist groß: Seit Jahren schwindet die Stärke des Standorts im Vergleich zu den wichtigen globalen Wettbewerbern. Niedrige Energiepreise in den USA und die wachsende Innovationskraft in Ostasien beschleunigen diese Entwicklung. In Deutschland hingegen steigen die Energiekosten, die Steuerbelastung nimmt zu und die allgemeine Skepsis gegenüber neuen Technologien wird in der Gesellschaft größer. Das ist fatal für die Chemie, die für die industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland so etwas wie der Innovationsmotor ist.

Deshalb hat das Wirtschaftsministerium zugesagt, sich für wettbewerbsfähige Strompreise und für eine stabile Energie- und Klimapolitik einzusetzen. Die Besondere Ausgleichsregelung für energieintensive Unternehmen soll erhalten bleiben und die Eigenversorgung dauerhaft geregelt werden. Im Aufgabenheft des VCI steht eine Studie, die bis Herbst unternehmensinterne und -externe Innovationshemmnisse unter die Lupe nimmt und Vorschläge zur Überwindung dieser Hürden auflistet.

Die vereinbarten Ziele aus dem Branchendialog Chemie fließen auch in das übergeordnete „Bündnis Zukunft der Industrie“ ein. Dort setzen sich neben dem VCI 14 Partner aus Wirtschaft, Politik und Gewerkschaft dafür ein, die Bedingungen für die industrielle Produktion in Deutschland zu verbessern. Hierzu gehört nicht zuletzt auch gesellschaftliche Offenheit und Wertschätzung für neue Technologien und Produkte. Denn nicht nur die Chemie, sondern die gesamte deutsche Exportwirtschaft lebt von diesen Innovationen. Ich bin überzeugt, dass von dieser Allianz wichtige Impulse in Richtung einer neuen gesellschaftlichen Innovationskultur ausgehen werden.

Dr. Marijn E. Dekkers,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner
dialog@vci.de

Zum chemie report 03/2015 mit Leitartikel zum Branchendialog zwischen Chemie und Bundeswirtschaftsministerium

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