Standpunkt

Europa erneuern mit einer starken Industrie

Die Chemiebranche setzt sich dafür ein, den Zusammenhalt in der Europäischen Union zu stärken und die EU fit für die globalen Herausforderungen zu machen. Dabei spielt aus Sicht von VCI-Präsident Kurt Bock auch eine wettbewerbsfähige Industrie eine wichtige Rolle, denn sie schafft Wohlstand, Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten für Europas Jugend.

VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE
VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE

Vor 60 Jahren wurden die Römischen Verträge unterzeichnet, vor 25 Jahren richtete der Vertrag von Maastricht die damalige Europäische Gemeinschaft auf eine wirtschaftliche und politische Union aus. Heute steht die EU vor ihrer bislang schwersten Bewährungsprobe. Das europäische Projekt hat unserem Kontinent politische Stabilität und wirtschaftliche Kraft verliehen. Dennoch wächst die Skepsis gegenüber der europäischen Idee. Der Brexit zeigt die Vertrauenskrise überdeutlich.

Was tun? Europa sollte sich auf seine Wurzeln besinnen. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und des Wandels ist es notwendig, dass sich unsere Gesellschaft die Vorteile von Freizügigkeit, Binnenmarkt, gemeinsamer Währung und einheitlichen Standards bewusst macht. Vorbildhaft gehen Bürger im Rahmen der Initiative „Pulse of Europe“ für diese Werte inzwischen in über hundert europäischen Städten auf die Straße.

Auch die Industrie spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Europa neuen Schwung zu verleihen. Wir brauchen und unterstützen den gemeinsamen Binnenmarkt und setzen uns für eine starke EU ein. Eine wettbewerbsfähige Industrie schafft Wohlstand, Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten für Europas Jugend. Das gelingt umso besser, je mehr die Innovationskraft der Unternehmen gestärkt wird. Daher sollten sich die Regulierungen für eine innovative Chemie 4.0 – also etwa auf den Gebieten der Digitalisierung, der Bio- und Nanotechnologie und der Kreislaufwirtschaft – weniger an der momentanen Stimmung in Teilen der Gesellschaft und mehr an den wissenschaftlichen Fakten orientieren.

Eintreten für Europa heißt nicht, den Status quo zu zementieren. Die EU muss transparenter, agiler und effizienter werden. Die Diskussion, welchen Weg die EU zukünftig einschlagen soll, hat die Kommission jetzt mit ihrem Weißbuch angestoßen. Dabei steht für die Chemie außer Frage: Wir müssen das europäische Projekt weiterentwickeln, gerade mit Blick auf die Globalisierung.

Europa ist nicht nur der Heimatmarkt für die deutsche chemische Industrie. Europa repräsentiert auch die Werte und Ideale, die wir teilen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den Zusammenhalt in der EU zu stärken und die EU fit für die globalen Herausforderungen zu machen.

Dr. Kurt Bock,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de

Zum chemie report 05/2017 mit Leitartikel zur Zukunft der Europäischen Union


Die Chemie- und Pharma-Branche ist überzeugt: Gute und nachhaltige Industriepolitik ist nicht nur für die betroffenen Unternehmen relevant – sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Deshalb regen wir einen Diskurs über die industriepolitischen Aspekte der Bundestagswahl am 24. September 2017 an: Mehr auf unserer Seite www.vci.de/btw17