Veranstaltung der „Denkwerkstatt“ von Evonik und VCI in Brüssel

„Industrie 4.0 – Reine Worthülse oder echte Zäsur?“

Am 24. Februar haben Evonik und der VCI in Brüssel eine „Denkwerkstatt“ zu „Industrie 4.0 – Reine Worthülse oder echte Zäsur?“ veranstaltet. Vertreter der chemischen Industrie haben mit Vertretern der Politik und anderer Branchen die Relevanz und Potenziale digitaler Technologien für die Branche beleuchtet und die Frage diskutiert, ob entscheidende politische Weichenstellungen erforderlich sind, und ob die Politik in punkto Regulierung nicht eher Zurückhaltung üben sollte, bis sich die Konturen der Wirtschaft 4.0 stärker abzeichnen.

Die "Denkwerkstatt" von Evonik und VCI hatte am 24. Februar nach Brüssel eingeladen: zum Austausch zwischen Unternehmen, Verbänden und Politk über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die chemische Industrie © pixel_dreams - Fotolia.com
Die "Denkwerkstatt" von Evonik und VCI hatte am 24. Februar nach Brüssel eingeladen: zum Austausch zwischen Unternehmen, Verbänden und Politk über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die chemische Industrie © pixel_dreams - Fotolia.com

Die Diskussion über die digitale Transformation der Industrie nimmt an Fahrt auf. Ihr wird in Europa, aber insbesondere in Deutschland ein hoher Stellenwert eingeräumt, da hier der Industrialisierungsgrad vergleichsweise hoch ist. Gleichzeitig ist angesichts der die Digitaldiskussionen prägenden großen US-amerikanischen Unternehmen wie Facebook, Google, Amazon, Apple, Twitter, Airbnb und der dortigen starken Startup-Szene in der öffentlichen Wahrnehmung die Ansicht verbreitet, dass Deutschland und Europa den technologischen Anschluss an die Digitalisierung generell verpasst haben könnten.

Unter dem Begriff „Industrie 4.0“ werden daher von Bundesregierung, Politik, Verbänden, Wissenschaft und Medien Strategiediskussionen darüber geführt, wie herkömmliche Wirtschaftsprozesse, Wertschöpfungsketten und Produkte digital transformiert werden können. Dies ist wichtig, damit die deutsche Industrie ihre globale Position auch im digitalen Zeitalter behaupten bzw. ausbauen kann. Die zentrale Frage hierbei ist, ob und inwieweit sich neben Wirtschaftsprozessen und Wertschöpfungsketten auch Güter und Produkte digitalisieren lassen, oder ob diese eher durch Services in neue, digitale Wertschöpfungsprozesse integriert werden.

Ziel des Workshops war es, zu eruieren, welche Digitalisierungsoptionen für die chemische Industrie bestehen und welche politischen und strategischen Überlegungen dabei vorgenommen werden müssen - auch im Hinblick auf die bestehende Strategie der Bundesregierung zu Industrie 4.0.

Die „smart production“ ist für die chemische Industrie keine Herausforderung mehr, sondern längst Realität. Digitalisierungsoptionen wie „smart products“, die in den Industrie 4.0-Strategien als Weiterentwicklung und Ergänzung der „smart production“ eine Rolle spielen, sind für die chemische Industrie im Zuge der Digitalisierung allerdings weniger relevant. Viel wichtiger ist das Angebot von Geschäftsleistungen, wie „smart services“, „smart business models“ und „smart offers“ bzw. hybride Geschäftsmodellen.

Übereinstimmendes Petitum der Workshop-Teilnehmer war eine möglichst ausdifferenzierte Betrachtung ihrer spezifischen Wertschöpfungsketten. Für die chemische Industrie gibt es nicht ein digitales Geschäftsmodell. Eine klare Antwort auf die Frage, wo welche veränderten Geschäftsmodelle implementiert werden sollen, ist schwierig. Um diese sehr unterschiedlichen Ansätze für neue, hybride Geschäftsmodelle umsetzen zu können, müssen sich jedoch auch die internen Strukturen der Unternehmen ändern. Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter den „mind shift“ mittragen und weitertreiben. Dies bedeutet eine Einbindung von „digital natives“ ins Unternehmen, Aus-und Weiterbildung der Mitarbeiter („digital skills“), sowie eine Anpassung der (Entscheidungs-) Geschwindigkeiten und internen Kommunikation.

Grundsätzliche Bedenken angesichts der neuen ökonomischen Bedingungen digitalisierter Märkte rief die Neigung der Digitalpolitik hervor, frühzeitig vorsorgliche Regulierungen zu beschließen, die sich möglicherweise später als hinderlich für Innovation und Wachstum herausstellen. Hier blieb die Frage offen, ob ex-ante- oder ex-post-Regulierungen der Vorzug zu geben sei. Einigkeit bestand darin, dass die Geschwindigkeiten von technischer Entwicklung und Politik nicht zusammenpassen.

Den Vortrag des Moderators Cornelius Wendel von POLICYNAVIGATION auf dem Workshop finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (PDF, 12 Seiten).

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Matthias Blum

E-Mail: mblum@vci.de