Wie Chemie und Industrie 4.0 zusammenpassen

„Fail early, but cheaply!“

Die Digitalisierung ist der nächste große Schritt der Industrialisierung. Das zeigten die Vorträge und eine Podiumsdiskussion auf der 17. Handelsblatt Jahrestagung Chemie Mitte April in Frankfurt. Bei der Umsetzung gibt es in der Branche aber Unterschiede.

„Digitalisierung als Chance sehen" - von links: Stefan Cornelissen, Evonik Industries AG; Ernst Stöckl-Pukall, Bundeswirtschaftsministerium; Dr. Frithjof Netzer, BASF SE; Dr. Thorsten Poetter, Bayer Technology Services GmbH; und Moderator Dr.Günter von Au, Clariant, bei der Podiumsdiskussion zum Thema. - Foto: © EUROFORUM DEUTSCHLAND SE / Foto Vogt GmbH
„Digitalisierung als Chance sehen" - von links: Stefan Cornelissen, Evonik Industries AG; Ernst Stöckl-Pukall, Bundeswirtschaftsministerium; Dr. Frithjof Netzer, BASF SE; Dr. Thorsten Poetter, Bayer Technology Services GmbH; und Moderator Dr.Günter von Au, Clariant, bei der Podiumsdiskussion zum Thema. - Foto: © EUROFORUM DEUTSCHLAND SE / Foto Vogt GmbH

Die Hälfte der deutschen Chemieunternehmen hat offenbar noch nichts in Richtung Digitalisierung unternommen. Das ist ein Ergebnis einer CHEMonitor-Umfrage unter Führungskräften der Branche im vierten Quartal 2015. Sie wurde von Sven Mandewirth von der Beratungsfirma Camelot auf der diesjährigen Handelsblatt Jahrestagung Chemie vorgestellt. In der Umfrage gaben 44 Prozent der Teilnehmer an, sie würden die Entwicklungen beim Thema Digitalisierung in der Industrie nur beobachten. 6 Prozent schrieben dem Thema keine Bedeutung für das eigene Unternehmen zu.

Auf der Seite der Aktiven gaben 6 Prozent an, als Innovatoren neue Entwicklungen voranzutreiben. 23 Prozent setzen digitale Technologien im eigenen Unternehmen ein. 21 Prozent entwickeln nach eigenen Angaben aktiv Konzepte für die Nutzung digitaler Technologien. Mandewirth bescheinigte der Chemiebranche daher eine gewisse Wahrnehmung der Digitalisierung: „Aber es gibt noch eine Umsetzungslücke.“ Wichtig sei, das Thema als Wachstumstreiber und nicht als Selbstzweck zu verstehen. Mit Hilfe von Digitalisierung könnten vorhandene Firmendaten besser genutzt, Logistikprozesse verbessert und mehr Effizienz in der Produktion erlangt werden.

Digitalisierung schreitet voran

Bei der folgenden Podiumsdiskussion über Digitalisierung und Industrie 4.0 war sich Stefan Cornelissen, Evonik, sicher, dass Erfolge in diesem Bereich früher oder später zum Differenzierungsmerkmal von Chemieunternehmen werden. Aus diesem Grund schaue sich Evonik Produkte, Prozesse, Geschäftsmodelle und die Bedeutung der Digitalisierung für die Menschen systematisch an. Auch die BASF beschäftigt sich aktiv mit dem Thema, wie Frithjof Netzer erläuterte. Er plädierte seinerseits dafür, nach dem Motto „Fail early, but cheaply" von der Mentalität digitalisierter Unternehmen zu lernen. Hier sei Deutschland nicht weltweit führend. „Wir sind zu fantasielos, was die Veränderung von Geschäftsmodellen in der Chemie angeht“, bestätigte Thorsten Poetter von Bayer Technology Services. Es werde noch lange ein paralleles Miteinander von neuer und bewährter Technik in den Chemieunternehmen geben. Die beiden Welten könnten sich aber treffen.

Aus dem Publikum merkte ein Teilnehmer an, dass die Vernetzung von Produktionsanlagen grundsätzlich positiv sei, es in Deutschland aber die nötige Infrastruktur noch nicht gebe. Einen Lkw-Fahrer mit Smartphone zur Überwachung der Ladung könne er sich wegen der vielen Funklöcher noch nicht vorstellen. Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referats Digitalisierung im Bundeswirtschaftsministerium, verwies daher auf die Anstrengungen der Bundesregierung beim Ausbau der digitalen Infrastruktur. In Deutschland müsse beispielsweise der Ausbau des Glasfaserkabelnetzes vorangetrieben werden. Ein Teilnehmer fasste die Stimmung im Saal zusammen: „Irgendwie fühle ich den Grundkonsens, dass wir etwas tun müssen.“ Er plädierte dafür, den Trend nicht zu verpassen und das Handeln beim Thema Digitalisierung nicht anderen zu überlassen.

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Ansprechpartner

Dipl.-Pol. Oliver Claas

E-Mail: claas@vci.de