Großbritannien und die EU

Harter Brexit bleibt möglich

Boris Johnson und seine britischen Konservativen haben die Unterhauswahl Mitte Dezember gewonnen. Der britische Premierminister hat danach angekündigt, dass das Vereinigte Königreich das Austrittsabkommen mit der EU ratifizieren und Ende Januar 2020 aus der EU ausscheiden wird. Ein harter Brexit wäre aber auch damit leider nicht vom Tisch.

Ende Januar 2020 möchte Großbritannien aus der EU ausscheiden. - Foto: © veneratio/stock.adobe.com
Ende Januar 2020 möchte Großbritannien aus der EU ausscheiden. - Foto: © veneratio/stock.adobe.com

Darauf weist auch Pierre Gröning, Leiter des VCI-Europabüros hin. Er sagt zur Unterhauswahl im Vereinigten Königreich: „Mit dem deutlichen Wahlergebnis läuft alles auf einen baldigen Brexit im Januar 2020 hinaus. Es ist jetzt wichtig, dass das britische Parlament und die europäischen Entscheidungsträger zügig Klarheit schaffen, so dass die Verhandlungen mit der EU über das zukünftige Verhältnis unverzüglich beginnen können.“

Auch ein Brexit mit Austrittsabkommen würde jedoch nur eine relativ kurze Phase der Sicherheit bringen: Die Übergangsphase, in der Großbritannien faktisch EU-Mitglied bleibt, endet bereits Ende 2020. Bis dahin müssen nach aktuellem Verfahrensstand die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ausgehandelt werden. In diesem Zusammenhang betont Pierre Gröning: „Das Abkommen über die zukünftigen Beziehungen bereits bis Ende 2020 fertig zu verhandeln kommt einer Herkules-Prüfung gleich. Aus Sicht der deutschen Chemieindustrie muss das Vereinigte Königreich auch weiterhin möglichst eng mit dem europäischen Binnenmarkt verzahnt bleiben. Verhandlungen in einer solchen Größenordnung dauern aber erfahrungsgemäß Jahre.“ Gröning betont in diesem Zusammenhang, dass der VCI zeitnah mit seinen Mitgliedsunternehmen und dem europäischen Chemieverband Cefic eine Position zu den Verhandlungen über das zukünftige Verhältnis abstimmen wird.

Wenn sich die EU und das Vereinigte Königreich nicht rechtzeitig auf ein Abkommen oder eine Verlängerung der Übergangsfrist einigen können, würde der ungeregelte Brexit Anfang 2021 Realität. Gröning warnt daher: „Ein ungeregelter Brexit wäre trotz intensiver Vorbereitungen unserer Unternehmen ein schwerer Schlag für die Branche. Das Vereinigte Königreich ist der achtgrößte Handelspartner und einer der wichtigsten Märkte in der EU für die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie. Die Verflechtung ist sehr groß, nimmt seit 2015 aber ab. Exporte und Direktinvestitionen sind rückläufig, die Bedeutung als Produktionsstandort nimmt ab. Dagegen steigerte Großbritannien seine Direktinvestitionsbestände in der deutschen Chemie – vielleicht als Vorbereitung, falls der Zugang zum EU-Binnenmarkt in Zukunft schwieriger werden sollte.“

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Ansprechpartner

Jürgen Udwari

E-Mail: udwari@vci.de