Standpunkt

Europa braucht einen neuen Aufbruch

VCI-Präsident Hans Van Bylen ermuntert dazu, in Europa jetzt die richtigen Weichen zu stellen. Die europäische Politik sieht er gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Investitionsimpulse in der Industrie auslösen. Dann könne das Jahr 2020 der Aufbruch zu einer nachhaltigen Zukunft werden – für die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft in Europa.

VCI-Präsident Hans Van Bylen - © Henkel AG & Co. KGaA
VCI-Präsident Hans Van Bylen - © Henkel AG & Co. KGaA

Die öffentliche Debatte rund um die Europawahlen hat gezeigt: Europa bewegt die Menschen. Das ist gut so. Die Bürger und die Wirtschaft in Europa brauchen eine starke, handlungsfähige EU mit einer klaren politischen Agenda für die Zukunft. Die schwierigen Verhandlungen um den Brexit sowie der Wahlkampf haben viel Zeit gekostet. Dabei gibt es sehr viel zu tun. Wenn die Erwartungen der Menschen in Europa nicht enttäuscht werden sollen, braucht die EU den Willen zum Aufbruch.

Die Mitgliedstaaten der EU stehen vor der komplexen Aufgabe, die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen. Und das in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: mit Blick auf die Umwelt, auf soziale und gesellschaftliche Fragestellungen sowie in wirtschaftlicher Hinsicht.

Denn nur durch wirtschaftlichen Wohlstand und Wachstum entstehen die Innovationen und technologischen Fortschritte, die zur Bewältigung der großen Aufgaben im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes erforderlich sind. Gleiches gilt im sozialen Kontext, zum Beispiel für die Förderung von Chancengleichheit, gesellschaftlicher Teilhabe und der Angleichung der Lebensverhältnisse – all das ist ohne eine global wettbewerbsfähige und wachsende Wirtschaft nicht möglich.

Nur ein attraktiver Industriestandort Europa wird eine Entwicklung gewährleisten, die Wohlstand, Arbeitsplätze und Lebensqualität sichert und es Europa ermöglicht, im globalen Wettbewerb auch in Zukunft zu bestehen. Tragfähige Lösungen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz entstehen in komplexen industriellen Wertschöpfungsnetzwerken. Dies gilt es bei allen politischen Entscheidungen zu bedenken.

Das EU-Parlament und die Kommission stehen daher in ihrer neuen Legislaturperiode vor großen Herausforderungen. Das regulatorische Rahmenwerk muss so gestaltet werden, dass die Treibhausgasneutralität für die EU bis 2050 erreicht wird und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie erhalten bleibt.

Unsere Industrie bietet mit ihren innovativen Produkten, Verfahren und neuen Produktionstechnologien zahlreiche Lösungen, um dieses wichtige Klimaziel zu erreichen. Fortschritte bei der Treibhausgasreduktion und der Kreislaufwirtschaft können nur gelingen, wenn Klima- und Industriepolitik ineinandergreifen. Ein offener Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, bei dem die Chancen und Risiken mit konstruktiven Ansätzen und verantwortungsvoll diskutiert werden, ist daher wichtiger denn je.

Wir haben jetzt die Möglichkeit, die richtigen Weichenstellungen für eine erfolgreiche Zukunft vorzunehmen. Die europäische Politik ist daher jetzt gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Investitionsimpulse in der Industrie auslösen. Dann kann das Jahr 2020 der Aufbruch zu einer nachhaltigen Zukunft werden – für die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft in Europa.

Hans Van Bylen,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de