Brexit-Vorbereitungen aus Sicht eines Chemie-Mittelständlers

Schwierige Planung mit offenem Ende

Ende März 2019 wird Großbritannien aus der EU ausscheiden, aber die Details des Brexits sind weiter ungeklärt. Der chemie report sprach mit Henrik Follmann darüber, wie sich Follmann Chemie auf die Zukunft vorbereitet.

„Der Brexit bedeutet viel Mehraufwand und eine enorme Unsicherheit für alle Unternehmen.“ (Henrik Follmann, Follmann Chemie, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Selbständiger Unternehmer) - Foto: © Follmann Chemie
„Der Brexit bedeutet viel Mehraufwand und eine enorme Unsicherheit für alle Unternehmen.“ (Henrik Follmann, Follmann Chemie, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Selbständiger Unternehmer) - Foto: © Follmann Chemie

cr: Wie wichtig ist der Brexit für Ihr Unternehmen?

Henrik Follmann: England ist Produktions- und Vertriebsstandort sowie ein sehr wichtiger Absatzmarkt für uns. Wir haben dort 10 Prozent unserer Belegschaft und viele Hausaufgaben durch den Brexit.

Wie bereiten Sie sich aktuell auf den Brexit vor?

Es ist natürlich Pflicht, sich auf das Worst-Case-Szenario mit dem Verhandlungsergebnis „No Deal" einzustellen. Wir haben aber noch kein Szenario parat, falls die REACH-Verordnung ab April 2019 in England nicht mehr gelten sollte. Der Brexit bedeutet in jedem Fall viel mehr Aufwand und eine enorme Unsicherheit für alle Unternehmen. Was Importe aus England angeht, besprechen wir verschiedene Strategien mit unseren Lieferanten.

Wie sieht das konkret aus?

Momentan haben wir tägliche und sehr zuverlässige Lieferungen aus und nach England. Kurzfristig wird es möglicherweise zu einer Unterbrechung der Lieferströme kommen. Mittelfristig rechnen wir mit längeren Lieferwegen. Wir sehen das heute schon in der Schweiz. Der Schweizer Zoll bestimmt mit seiner Arbeit die Liefergeschwindigkeit. So wird es irgendwann auch mit England sein. Dort müssen aber erst die notwendigen Kompetenzen aufgebaut werden, zum Beispiel für den Umgang mit REACH. Und das alles unter dem Zeitdruck, dass es bis Ende des Jahres fertig sein muss. Das ist sehr schwierig.

Was ist Ihr Wunsch an die Verhandlungsparteien?

Die Welt ist schon kompliziert und schwierig genug. Warum bekommt die Wirtschaft dann noch ein Thema wie den Brexit dazu? Mein Wunsch wäre, dass am Ende ehrlich bilanziert wird, was der Brexit gekostet hat, sowohl monetär als auch menschlich. Dann wird wahrscheinlich herauskommen, dass die EU doch die bessere Wahl für England ist.


Das Gespräch führte Oliver Claas. Dieses Interview ist im chemie report 10/2018 erschienen.

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