Messeauftakt in Zeiten von Strafzöllen

Plädoyer für freien Welthandel

Mitte Juni hat in Frankfurt fünf Tage lang die internationale Leitmesse der Prozessindustrie stattgefunden. Die ACHEMA 2018 wartete mit 3.737 Ausstellern aus 55 Ländern und und rund 145.000 Besuchern aus aller Welt auf. Digitalisierung war einer der Themenschwerpunkte. Der Messeauftakt stand aber ganz im Zeichen des aktuellen Handelskonflikts zwischen den USA und der EU.

Eröffnungspressekonferenz der ACHEMA 2018 mit Kathrin Rübberdt, Pressesprecherin der DECHEMA, Jürgen Nowicki, Vorsitzender des ACHEMA-Ausschusses, VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann und Rainer Diercks, DECHEMA-Vorsitzender (v.l.). - Foto: © DECHEMA e.V. / Jose Poblete
Eröffnungspressekonferenz der ACHEMA 2018 mit Kathrin Rübberdt, Pressesprecherin der DECHEMA, Jürgen Nowicki, Vorsitzender des ACHEMA-Ausschusses, VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann und Rainer Diercks, DECHEMA-Vorsitzender (v.l.). - Foto: © DECHEMA e.V. / Jose Poblete

Am ersten Tag der ACHEMA war der Eindruck des zurückliegenden Wochenendes noch sehr frisch. Die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen hatten sich im kanadischen Charlevoix getroffen. US-Präsident Trump hatte den Gipfel nicht nur vorzeitig verlassen, sondern auch später seine Zustimmung zur Abschlusserklärung zurückgezogen. Bei der Eröffnungspressekonferenz der ACHEMA stand daher neben Fakten zur Messe vor allem die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit im Mittelpunkt.

Jürgen Nowicki, Vorsitzender des ACHEMA-Ausschusses, sagte, dass internationaler Handel nicht nur für den Austausch von Waren und Dienstleistungen wesentlich sei, sondern auch für Innovationen. Er hielt ein „starkes Plädoyer für freien Welthandel, für eine Wirtschaftspolitik ohne Barrieren und gegen protektionistische Bestrebungen jedweder Art“.

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann konnte auf die gute wirtschaftliche Lage der Chemiebranche in Deutschland verweisen, warnte aber vor möglichen Faktoren mit konjunkturdämpfender Wirkung: „Die geopolitischen Risiken für Rückschläge der Weltwirtschaft haben zuletzt wieder zugenommen. Für Unsicherheit sorgen vor allem die USA mit ihrer protektionistischen Handelspolitik. Aber auch die industriepolitische Strategie in China ist nicht unproblematisch.“

Der DECHEMA-Vorsitzende Rainer Diercks wies seinerseits darauf hin, dass Handelskriege nur Verlierer kennen: „Handelsbarrieren und Strafzölle treffen gerade bei den Innovationsführern immer beide: den Produzenten, dessen Marktzugang erschwert wird, aber auch den Kunden, der gerade bei den hochspezialisierten Produkten keine adäquate Alternative findet.“

Freier Austausch für die Wissenschaft

Diercks unterstrich die Notwendigkeit zur internationalen Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung. Wissenschaft und Innovationen lebten vom freien Austausch von Informationen, von Menschen und Technologien. Wer diesen Austausch ohne guten Grund einschränke, setze die Zukunft der Entwicklung des Planeten aufs Spiel. Denn die Prozessindustrie arbeite an Fragestellungen, die jeden Menschen auf der Welt betreffen: vom Klimawandel über Gesundheitsversorgung bis zu Energie und Mobilität.

Utz Tillmann - Foto:
Utz Tillmann - Foto: © DECHEMA e.V. / Jose Poblete
Tillmann forderte seinerseits die Einführung eines einheitlichen Kohlendioxid-Preises in den 20 größten Industrie- und Schwellenländern (G20). Er sagte: „Zumindest für die Länder der G20-Staaten sollten in der Klimapolitik einheitliche Bedingungen gelten. Denn die G20 verursachen 80 Prozent der globalen CO2-Emissionen.“

Ein gemeinsamer CO2-Preis könne über ein Emissionshandelssystem wie in der EU oder als einheitliche CO2-Steuer politisch festgelegt werden. Eine solche internationale Vereinbarung zu erzielen, sei im derzeitigen Umfeld mit dem Ausscheiden der USA aus dem Pariser Klimaabkommen und dem Ausgang des aktuellen G7-Gipfels schwierig. Trotzdem sollten die Staaten auf dieses Ziel gemeinsam hinarbeiten.


Dieser Artikel ist im chemie report 06/2018 erschienen.

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