VCI-Veranstaltung im Europäischen Parlament

Handel im Wandel

Die Welt des internationalen Handels wird derzeit von Misstönen durcheinandergebracht. Dazu gehören die Handelskonflikte der USA mit China und der EU, die Schwäche der Welthandelsorganisation WTO sowie der Brexit. Bei einer Mittagsveranstaltung im Europäischen Parlament diskutierten VCI-Vertreter Ende April mit Europaabgeordneten über mögliche Schlussfolgerungen für die EU-Handelspolitik.

Quo vadis Welthandel? Weltweit nehmen protektionistische Maßnahmen seit einigen Jahren zu. Seit 2017 stellen die USA ihre Bindung an internationale Verträge in Frage. China wird im Welthandel immer wichtiger, greift aber wieder stärker planerisch in seine Wirtschaft ein. - Foto: . © stadtratte/stock.adobe.com
Quo vadis Welthandel? Weltweit nehmen protektionistische Maßnahmen seit einigen Jahren zu. Seit 2017 stellen die USA ihre Bindung an internationale Verträge in Frage. China wird im Welthandel immer wichtiger, greift aber wieder stärker planerisch in seine Wirtschaft ein. - Foto: . © stadtratte/stock.adobe.com

Welche Folgen haben protektionistische Maßnahmen für den europäischen Wohlstand und was kann die EU ihnen entgegensetzen? Diese und weitere Fragen diskutierten für den VCI Henrik Follmann, Vorsitzender des Ausschusses selbständiger Unternehmer im VCI und geschäftsführender Gesellschafter der Follmann Chemie GmbH, sowie der VCI-Handelsexperte Matthias Blum mit Europaabgeordneten und deren Mitarbeitern. Zu den rund 30 Gästen gehörten auch Vertreter der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU sowie von politischen Stiftungen.

Gastgeber der Veranstaltung waren die Europaabgeordneten Angelika Niebler (CSU) und Bernd Lange (SPD).

Lange bezeichnete die Stabilisierung des regelbasierten Welthandelssystems als die zentrale Herausforderung in der aktuellen Phase: „Hier muss die EU aktiv den Dialog mit den USA und China suchen. Sinnvoll wäre auch, wenn das Europäische Parlament direkt mit dem US-Kongress in Kontakt tritt.“

Bernd Lange MdEP: „Das Europäische Parlament sollte das direkte Gespräch mit dem US-Kongress suchen." - Foto: © VCI/Udwari

Auch Niebler sagte darauf aufbauend: „Konflikte müssen im Rahmen des vorhandenen Regelwerks der WTO gelöst werden.“ Lange und Niebler unterstrichen die Bedeutung eines einigen EU-Auftritts in der Handelspolitik. Blum regte daraufhin an, dass das Europäische Parlament ein Signal der Unterstützung für die WTO senden könne. Dies könne etwa eine parteiübergreifende Resolution sein.

Angelika Niebler MdEP: „Beim Brexit brauchen wir vor allem klare Ansagen der Briten." © VCI/Udwari

Henrik Follmann sagte in der Diskussion, dass für ihn offene Märkte essenziell sind: „Wir sind in vielen Bereichen nicht nur von ausländischen Märkten, sondern auch von Vorprodukten aus dem Ausland abhängig. Die zunehmende Unberechenbarkeit der internationalen Handelspolitik und beim Brexit bereitet mir daher schlaflose Nächte.“ Er machte auch deutlich, dass sich Probleme mit stockenden Lieferketten in der Chemieindustrie schnell auch bei den weiterverarbeitenden Unternehmen und damit in der ganzen Industrie bemerkbar machen.

Henrik Follmann: „Das wichtigste Handelsabkommen ist für mich immer noch die EU." - Foto: © VCI/Udwari

Der Brexit ist natürlich auch für die Europaabgeordneten ein großes Thema. Niebler betonte: „Jetzt ist erst einmal entscheidend, dass die Briten klare Ansagen machen, was sie eigentlich wollen. Beim Thema Zollunion mit der EU zum Beispiel ist das völlig unklar.“ Lange sagte aber auch: „Grundsätzlich sind zügige Verhandlungen möglich. Wenn beide Seiten es wollen, geht es auch.“

Trotz aller Herausforderungen: Die Abgeordneten sehen in den aktuellen Entwicklungen aber auch Chancen für die EU. Niebler zählte die EU-Freihandelsabkommen mit Japan und Mexiko dazu, bei denen es eine schnelle politische Einigung gab, und sagte: „Im letzten Jahr wurde in der EU-Handelspolitik mehr entschieden als in den zehn Jahren davor.“


Dieser Bericht ist in modizierter Form im chemie report 05/2018 erschienen.

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Dr. Matthias Blum

E-Mail: mblum@vci.de