Handelspolitik wird Top-Thema im VCI

Für freien Handel und fairen Wettbewerb

Das handelspolitische Umfeld in der Welt hat sich für die deutsche Chemie über die Jahre stetig verändert: Die Risiken für global aktive Chemie­unternehmen haben sich deutlich erhöht. Die US-Handelspolitik unter Präsident Trump ist nur das lauteste Signal. Der Aufstieg Chinas und die Schwäche der WTO beeinflussen die Welthandelsordnung ebenfalls massiv. Angesichts dieser Herausforderungen hat das VCI-Präsidium Handelspolitik zu einem Top-Thema des Verbandes gemacht.

Mit dem Megaprojekt „Neue Seidenstraße“ will China seinen internationalen Einfluss ausbauen. Dabei entstehen neue Straßen, Häfen und Bahnlinien entlang der Handelsrouten nach Europa und Afrika. – Foto: © dpa
Mit dem Megaprojekt „Neue Seidenstraße“ will China seinen internationalen Einfluss ausbauen. Dabei entstehen neue Straßen, Häfen und Bahnlinien entlang der Handelsrouten nach Europa und Afrika. – Foto: © dpa

Nach dem Ende des Kalten Krieges entstand eine liberale Weltordnung. Handelspolitisch gehören die Gründung der Welthandelsorganisation WTO, die Vertiefung und Erweiterung der EU sowie zahlreiche bilaterale Abkommen dazu. Die neue Ordnung und technischer Fortschritt führten dazu, dass die Welt zusammenwachsen konnte und der weltweite Wohlstand zunahm.

Erfolg dank Globalisierung

Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie hat die Chancen und neuen Regeln nach 1990 erfolgreich aufgegriffen. Die Ex- und Importe der Branche haben sich nach 1995 nahezu vervierfacht. Sie hat ihre Produktions- und Forschungskapazitäten im Ausland ausgebaut, ohne die Wertschöpfung in Deutschland zu reduzieren. Die Branche ist Teil internationaler Wertschöpfungsnetze, beliefert weltweit Kunden, kauft global ein und kooperiert mit internationalen Partnern. So konnte sie ihre führende Rolle im Weltchemiemarkt trotz Belastungen am Heimatstandort – wie hohe Energiekosten oder Rohstoffmangel – behaupten.

Globale Risiken nehmen zu

Der Aufbruch der 1990er-Jahre ging nicht ungebrochen weiter: Die WTO konnte ihr Regelwerk nicht weiterentwickeln und nur punktuell Liberalisierungserfolge erzielen. Infolge der Finanzkrise 2008/2009 nahm der Protektionismus schleichend zu: China und andere Schwellenländer setzen weiter auf wettbewerbsverzerrende staatliche Praktiken. Seit 2016 sind die Herausforderungen noch einmal deutlich gewachsen. Der Brexit droht innereuropäische Wertschöpfungsnetze zu zerreißen. Die USA setzen unter Präsident Trump auf neue Zölle und eine Schwächung der WTO statt auf den Schutz und die Weiterentwicklung der liberalen Handelsordnung. Auch die Hoffnungen auf eine weitere Liberalisierung Chinas erhielten unter Präsident Xi Jinping heftige Dämpfer. Das Land verfolgt stattdessen offensive technologie- und geopolitische Strategien.

VCI regiert auf Herausforderungen

Das VCI-Präsidium hat im September den gewachsenen globalen Herausforderungen Rechnung getragen und die Handelspolitik zu einem „Top-Thema“ des Verbandes gemacht. Schwerpunkte der politischen Arbeit sollen der Marktzugang in und die Wettbewerbsbedingungen mit China, der Handelskonflikt mit den USA, inklusive Entwicklung einer neuen gemeinsamen Agenda, sowie eine WTO-Reform sein.

Europa kann China und den USA nur geschlossen auf Augenhöhe begegnen. Daher ist der Einsatz für eine einheitliche EU-Handelspolitik ein weiterer wichtiger Baustein der Verbandsarbeit. Erfolge wird der VCI dabei nur im Zusammenspiel mit Allianzpartnern wie dem BDI und dem europäischen Chemieverband Cefic, mit der Unterstützung seiner Mitglieder und mit einem guten Draht nach Berlin und Brüssel erzielen können. Der VCI wird sich im Sinne der Unternehmen noch vehementer für einen regelbasierten Welthandel mit offenen Märkten einsetzen.


Dieser Artikel ist im chemie report 11/2018 erschienen.

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Ansprechpartner

Dr. Matthias Blum

E-Mail: mblum@vci.de