Großbritannien stimmt über Verbleib in der EU ab

Ein Brexit schadet allen

Am 23. Juni 2016 findet jenseits des Ärmelkanals das Referendum über den weiteren Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union statt. Der britische Premierminister David Cameron hatte die Abstimmung im Jahr 2013 angekündigt. Der Austritt hätte neben gravierenden politischen Konsequenzen auch wirtschaftliche Auswirkungen.

Bleibt Großbritannien in der EU? Die Abstimmung über diese Frage findet am 23. Juni 2016 statt. - Foto: © Stockninja - Fotolia.com
Bleibt Großbritannien in der EU? Die Abstimmung über diese Frage findet am 23. Juni 2016 statt. - Foto: © Stockninja - Fotolia.com

Die Diskussionen, dass Großbritannien die Europäische Union wieder verlassen solle, sind so alt wie die EU selbst. Bereits seit Mitte der 1990er-Jahre gab es immer wieder entsprechende Bestrebungen auf der Insel. In den vergangenen Jahren zeigte sich in den Meinungsumfragen eine immer größer werdende EU-skeptische Grundstimmung. Zuletzt hat insbesondere das Thema Immigration an Bedeutung gewonnen. Allerdings bestimmen auch Themen wie die wirtschaftliche Lage, Arbeitslosigkeit und Staatsschulden die politische Debatte in Großbritannien. Auf einem EU-Gipfel im Februar 2016 konnte David Cameron gegenüber der Staatengemeinschaft weitreichende Zugeständnisse erreichen. Großbritannien wird bei einem Verbleib in der Union unter anderem die Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Souveränität zugesichert.

Genaue Konsequenzen ungewiss

Der VCI rechnet aus heutiger Sicht nicht mit einem Austritt, allerdings würde der sogenannte Brexit ein signifikantes Risiko darstellen. Eine mindestens zweijährige Verhandlungsphase über ein Austrittsabkommen mit der EU würde folgen. Die Ergebnisse der Verhandlungen sind derzeit nicht abzusehen. Dabei steht für beide Seiten viel auf dem Spiel. In jedem Fall würde diese Zeit große wirtschaftliche und politische Unsicherheiten mit sich bringen.

Unsicherheit vor dem Referendum: Bereits seit Mitte 2014 sinkt der Wechselkurs des britischen Pfunds im Vergleich zum US-Dollar. Bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU ist eine weitere Abwertung wahrscheinlich. - Quelle: Feri
Unsicherheit vor dem Referendum: Bereits seit Mitte 2014 sinkt der Wechselkurs des britischen Pfunds im Vergleich zum US-Dollar. Bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU ist eine weitere Abwertung wahrscheinlich. - Quelle: Feri

Für Großbritannien stehen neben wirtschaftlichen Konsequenzen, wie etwa dem Verlust des Zugangs zum freien Binnenmarkt der EU, auch innenpolitische Folgen im Raum, da mögliche Abspaltungstendenzen in Schottland wieder Aufwind erhalten könnten.

Die Europäische Union würde hingegen rund 10 Prozent ihres Gesamtbudgets verlieren, da Großbritannien ein bedeutender Nettozahler ist. Der Verlust eines internationalen Finanzplatzes würde ebenfalls schwer wiegen, wenngleich ein Teil sicherlich von anderen Standorten wie Frankfurt, Paris oder Madrid kompensiert werden könnte.

Viel gravierender wären aber die politischen Konsequenzen: Die politische Statik in der EU könnte sich zugunsten zentralistischer Kräfte verschieben. Auch separatistische Tendenzen könnten Auftrieb erhalten. In Summe würde die EU deutlich an außenpolitischem Gewicht im internationalen Kontext verlieren.


Dieser Bericht ist im chemie report 04/2016 erschienen. Im Original-Layout finden Sie ihn im Download-Bereich im Kopf dieser Seite.

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Dipl.-Volksw. Christian Bünger

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