Standpunkt

Die Wirtschaft braucht endlich Klarheit beim Brexit

VCI-Präsident Kurt Bock ist überzeugt: Nur die EU kann Grundlage einer guten Zukunft in Europa sein. Geopolitisch braucht die EU eine gemeinsame Linie, um langfristig gute Wege gerade auch mit internationalen Partnern zu finden. Bei den Brexit-Verhandlungen ist es für die Chemieindustrie auf beiden Seiten des Kanals von größter Bedeutung, dass sich die Chemikalienregulierung nicht auseinanderentwickelt.

VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE
VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE

Die Zeit drängt, denn noch immer ist keine Einigung bei wichtigen Fragen in Sicht. Davon hängt jedoch ab, ob die geplante knapp zweijährige Übergangsfrist zur Abmilderung der Brexit-Folgen überhaupt in Kraft treten kann. Wird keine Einigung erzielt, gibt es für beide Seiten eine Bauchlandung.

Die Unsicherheit bei den Unternehmen ist auf beiden Seiten des Ärmelkanals groß. Für die Verhandlungspartner muss es daher jetzt darum gehen, Planungssicherheit und Klarheit zu schaffen. Die EU sollte mit Blick auf die Interessen der EU-27 verhandeln. Ihr Ziel sollte aber auch sein, dass Großbritannien ein starker Partner bleibt, mit dem sie die Herausforderungen der Zukunft angehen kann. EU und Großbritannien werden weiterhin gemeinsame Werte und Interessen haben.

Ein Beispiel ist die zukünftige Chemikalienregulierung in Großbritannien: Für die Chemieindustrie auf beiden Seiten des Kanals ist es von größter Bedeutung, dass sich die regulatorischen Bestimmungen nicht auseinanderentwickeln. Großbritannien muss eng an die Europäische Chemikalienagentur ECHA angebunden bleiben, um doppelte Produkt-registrierungen zu vermeiden.

Die Brexit-Verhandlungen binden auch wichtige Ressourcen, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. Die Welt dreht sich auch ohne Europa weiter – und zwar schneller denn je. Wie schwierig gewachsene Beziehungen zu internationalen Partnern werden können, zeigt aktuell das Verhältnis mit den USA. Auch hier wird es künftig darauf ankommen, trotz Differenzen gemeinsame Wege zu finden. Vor allem, da mit China ein internationaler Akteur heranwächst, der uns politisch, wirtschaftlich und technologisch auf die Probe stellt.

Die EU braucht daher eine gemeinsame Linie und eine einigende Vision, um langfristig tragende Antworten auf die geopolitischen Fragen zu finden. Spielt sie eine wichtige Rolle auf der Weltbühne, kann sie ihre Interessen besser vertreten. Klar ist: Nur die EU kann Grundlage einer guten Zukunft in Europa sein.

Dr. Kurt Bock
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de