Aus dem chemie report 01/2011

Erfolgsfaktoren für den Industriestandort Deutschland optimieren

VCI-Präsident Engel fordert von Berlin eine industriepolitische Gesamtstrategie für Deutschland ein, um den Wirtschaftsstandort zukunftsfähig zu machen.​​​

Auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes Mitte Dezember hat VCI-Präsident Dr. Klaus Engel zentrale Erfolgsfaktoren für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland benannt. „Mit einer industriepolitischen Gesamtstrategie der Bundesregierung, bezahlbarer und zuverlässiger Energieversorgung sowie durch mehr gesellschaftlichen Dialog für die Realisierung von Großprojekten kann Deutschland wettbewerbsfähig bleiben und dabei nachhaltiges Wachstum generieren“, erklärte Engel in Frankfurt. Planungssicherheit sei eine unabdingbare Voraussetzung für Investitionen und somit für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland. Das Industrieland Deutschland brauche eine industriepolitische Gesamtstrategie, um den Standort fit für die Zukunft zu machen, betonte Engel. „Es muss jetzt stärker als bisher darum gehen, eine Politik für die ganze Industrie zu machen.“
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hatte im November 2010 ein Konzept vorgelegt, das nach Ansicht des VCI den richtigen Weg zeigt. In Deutschland müsse demnach vor allem die Forschung intensiviert, die Bildung verbessert und die Infrastruktur modernisiert werden. Mit Blick nach Berlin sagte Engel: „Jetzt wäre gut, wenn aus der Initiative des Wirtschaftsministers eine Gesamtanstrengung der Bundesregierung würde.“ Der VCI-Präsident erinnerte außerdem daran, dass eine bezahlbare und sichere Energieversorgung für die chemische Industrie als energieintensive Branche unverzichtbar sei. Das Energiekonzept der Bundesregierung würdigte er als ersten Schritt für den Umbau des Systems hin zu erneuerbaren Energiequellen. „Es fehlt aber eine Roadmap, wie die Infrastruktur dafür aufgebaut werden soll. Ohne Speichertechnik und zusätzliche Leitungsnetze kann es keine stabile Energieversorgung mit Wind- und Solarstrom geben. Außerdem brauchen wir einen realistischen Finanzierungsplan“, mahnte Engel. Da es zusätzlich bislang keine grenzüberschreitende Energie-Infrastruktur gebe, begrüßte er die Pläne von EU-Kommissar Oettinger, mit denen Hindernisse und Engpässe im europäischen Energiebinnenmarkt beseitigt werden sollen. „Schließlich brauchen wir mehr gesellschaftlichen Dialog, um Deutschland für die Zukunft zu rüsten“, schloss Engel die Benennung der Erfolgsfaktoren für einen zukunftsfähigen Industriestandort Deutschland ab. Es müsse mehr Konsens in der Gesellschaft für die Projektierung von Großanlagen der Industrie, der Energiewirtschaft und für die Modernisierung der Infrastruktur geben. Hier seien die Industrie, die Gewerkschaften und die Politik gefordert. „Verweigerung und Blockaden sind keine Lösung“, so der VCI-Präsident. „Ohne technischen Fortschritt werden wir unser Wohlstandsniveau in Deutschland nicht halten können.“

Freier Welthandel für die Chemie enorm wichtig

Dazu leisteten die deutschen Chemieunternehmen 2010 mit 43 Milliarden Euro Exportüberschuss erneut einen erheblichen Beitrag. Auf die Branche geht damit rund ein Viertel der positiven Leistungsbilanz Deutschlands im Außenhandel zurück. „Die Zahlen zeigen, wie wichtig ein freier Handel für die Chemie ist”, sagte Engel. Er sprach in diesem Zusammenhang der Bundeskanzlerin den ausdrücklichen Dank der Branche aus: Merkel hatte auf dem G20-Gipfel in Seoul im November letzten Jahres eindeutig Position für offene Märkte bezogen, weil die Vereinigten Staaten im Vorfeld des Treffens die Einführung von Exportquoten forderten. Die Gemeinschaft der führenden Industrienationen der Welt, so Engel, dürfe nicht ohne Widerspruch zusehen, wenn aus ihrer Mitte protektionistische Tendenzen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik aufleben, die zu einer weiteren Reglementierung statt Liberalisierung des Welthandels führen würden. „Die Exportüberschüsse Deutschlands sind das Ergebnis einer hohen Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie. Unsere Produkte werden rund um den Globus wegen ihrer Qualität geschätzt.” Um in Deutschland das Ungleichgewicht zwischen Im- und Exporten zu verringern, müssten Investitionen im Inland mobilisiert werden. Dann würden sich die Binnenkonjunktur und die Nachfrage im Inland automatisch verstärken.

Fotos: Frank Darchinger
Grafiken: Christian Bünger, Manfred Ritz

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