Standpunkt

Freier Welthandel stellt Weichen für Wachstum

Die Export- und Industrienation Deutschland ist auf offene Märkte angewiesen. Die Politik muss daher Handelshemmnissen und der Tendenz zum Protektionismus entgegenwirken - nicht nur, aber besonders auch im transatlantischen Verhältnis.

VCI-Präsident Dr. Karl-Ludwig Kley © Merck KGaA, Darmstadt Deutschland
VCI-Präsident Dr. Karl-Ludwig Kley © Merck KGaA, Darmstadt Deutschland

2013 gilt es die Weichen für Wachstum zu stellen – nicht nur in der Innen-, auch in der Außenpolitik. Denn der freie Welthandel ist und bleibt die Voraussetzung für eine robuste Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Als Exportnation und Industrieland sind wir auf offene Märkte in der Welt angewiesen. Die Außenpolitik in Berlin und Brüssel muss dem Rechnung tragen. Dass die EU jetzt Freihandelsgespräche mit Japan aufnehmen will, ist ein wichtiger Schritt. Weitere sollten folgen.

Der mit Abstand wichtigste Handelspartner für die deutsche Chemie außerhalb Europas sind nach wie vor die USA. Das wird auch der Bedeutungsgewinn Chinas auf absehbare Zeit nicht ändern. Unsere Branche hat 2011 Erzeugnisse im Wert von elf Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten exportiert. Im Gegenzug führten die Unternehmen Chemiewaren aus US-Produktion im Wert von knapp zwölf Milliarden Euro ein. Auch innerhalb der USA ist die deutsche Chemie stark vertreten.

Beides – sowohl ein dichtes Handelsnetz als auch eine starke Präsenz im Markt selbst – wollen die deutschen Chemieunternehmen ausbauen. Damit das gelingt, brauchen sie die Unterstützung der Politik. Zwar versucht die EU seit 1990, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA zu vertiefen, vorwiegend durch die Angleichung technischer Vorschriften. Diesem Versuch ist aber der Erfolg versagt geblieben. Im Gegenteil: Der transatlantische Graben im Warenverkehr hat sich für die Chemie noch vertieft – zum Beispiel durch die EU-Chemikalienverordnung REACH.

Ein weiteres Problem im transatlantischen Verhältnis sind die Zölle. Zwar sind die Industriezölle zwischen den USA und der EU relativ gering. Wegen des großen Handelsvolumens führen aber auch niedrige Zölle zu hohen Kosten: Nach Schätzung des VCI haben europäische Chemieunternehmen 2010 fast 700 Millionen Euro in die US-Staatskasse gezahlt. Gut eine Milliarde Euro führten die USA ihrerseits nach Brüssel ab. Insgesamt werden heute auf exportierte Chemieprodukte aus Deutschland zwei Milliarden Euro an Zöllen erhoben. Diese sind zum Großteil von den Unternehmen zu zahlen.

Handelshemmnisse und die Tendenz zum Protektionismus finden in der öffentlichen Diskussion wenig Beachtung. Das muss sich ändern – drohen sie doch, der Exportnation Deutschland die Grundlage für weiteres Wachstum zu entziehen. Dafür müssen wir als Branche die Politik noch stärker sensibilisieren.

Dr. Karl-Ludwig Kley,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner
dialog@vci.de

Zum chemie report 12/2012