Deal zwischen den USA und China

Atempause im Handelsstreit

Mitte Januar haben die USA und China einen Schritt zur Entschärfung ihres Handelsstreits getan: Die beiden Länder unterzeichneten einen ersten Teilvertrag. Die Regelungen umfassen unter anderem eine Ausweitung chinesischer Importe von US-Produkten, besseren Schutz vor erzwungenem Technologietransfer und den Verzicht auf einige Zölle. Der Großteil der Zusatzzölle bleibt aber vorerst bestehen. Auch viele grundsätzliche Probleme sind noch ungelöst.

US-Präsident Trump (r.) und der chinesische Chefunterhändler Liu He (l.) haben Mitte Januar im Weißen Haus in Washington ein Teilhandelsabkommen unterzeichnet. - Foto: © AP Photo
US-Präsident Trump (r.) und der chinesische Chefunterhändler Liu He (l.) haben Mitte Januar im Weißen Haus in Washington ein Teilhandelsabkommen unterzeichnet. - Foto: © AP Photo

Der US-chinesische Handelskonflikt hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch die damit verbundene Unsicherheit für Lieferketten auf die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie ausgewirkt. Der VCI sieht daher die Handelsvereinbarung grundsätzlich positiv, aber auch mit einer deutlichen Portion Skepsis – weitere Schritte sollten folgen. Gut ist, dass es jetzt erst einmal eine Atempause gibt und die USA und China im Gespräch bleiben.

Aber es ist bei Weitem nicht alles Gold, was glänzt. Begrenzte Teileinigungen zu ausgesuchten Produktbereichen gehen durch das Umlenken von Warenströmen fast zwangsläufig zulasten Dritter. Auch Industrieunternehmen, für die China ein wichtiger Exportmarkt ist, könnten das Nachsehen haben, da sich das Land zum zusätzlichen Import von Industriegütern aus den USA im Wert von 77 Milliarden US-Dollar verpflichtet haben soll. Derartige Mini-Deals außerhalb des Regelwerks der Welthandelsorganisation WTO dürften den internationalen Handelsrechtsrahmen auf längere Sicht weiter aushöhlen.

Unsicherheit bleibt

Auch die grundsätzliche Unsicherheit ist nicht verschwunden, da fundamentale Probleme im Wettbewerb mit China, wie etwa staatliche Subventionen, nicht angegangen wurden.

Zudem ist zu befürchten, dass die USA und China ihre Volkswirtschaften weiter voneinander entkoppeln – vor allem in der digitalen Welt. Damit müssen sich Unternehmen, die mit beiden Regionen handeln, auf unterschiedliche, zum Teil unvereinbare, Regelungen einstellen. Gerade für die Chemiebranche, für die die USA und China die größten Handelspartner außerhalb Europas sind, ist das ein Problem.

Insgesamt bleibt die Hoffnung, dass die US-chinesische Einigung ein Startsignal ist und die beiden Großmächte jetzt aus dem Konflikt- in den Kooperationsmodus schalten. Die EU sollte diese Chance nutzen und in Gesprächen mit den USA und Japan einerseits sowie China andererseits auf eine Modernisierung und Stärkung der Welthandelsorganisation WTO drängen. Dazu muss sich die EU über ihre eigenen geo- und handelspolitischen Interessen im Klaren sein und geeinigter und strategischer auftreten als bisher.

Dieser Artikel stammt aus dem chemie report 1+2/2020.

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Ansprechpartner

Dr. Matthias Blum

E-Mail: mblum@vci.de