Neue Einblicke in den Sevilla-Prozess – Bericht und Vorträge

Erfolgreiche Infoveranstaltung von VCI und Umweltbundesamt zum Stand des WGC-BREF

Bei der Informationsveranstaltung zum Stand des WGC-BREF am 25. Juni 2019 beim VCI in Frankfurt haben die Teilnehmer eine tieferen Einblick in die Mechanismen des Sevilla-Prozesses und des BREF bekommen. In reger Diskussion konnten die verschiedenen Positionen ausgetauscht und detaillierter besprochen werden. Insgesamt war die Veranstaltung ein voller Erfolg und ließ die rund 70 Teilnehmer aus den Mitgliedsunternehmen des VCI mit einem besseren Gefühl und aktuellstem Wissen in Bezug auf die künftigen Anforderungen an die Abgasreinigung in der chemischen Industrie nach Hause gehen.

Reges Interesse und hohen Diskussionsbedarf gab es bei den rund 70 Teilnehmern der Informationsveranstaltung von VCI und Umweltbundesamt zum Stand des WGC-BREF. Kein Wunder, denn hier geht es um die künftigen Anforderungen und Luftgrenzwerte für die Abgasreinigung in der chemischen Industrie. - Foto: © VCI/Wiechmann
Reges Interesse und hohen Diskussionsbedarf gab es bei den rund 70 Teilnehmern der Informationsveranstaltung von VCI und Umweltbundesamt zum Stand des WGC-BREF. Kein Wunder, denn hier geht es um die künftigen Anforderungen und Luftgrenzwerte für die Abgasreinigung in der chemischen Industrie. - Foto: © VCI/Wiechmann

„Die Datensammlung war ein voller Erfolg“. Mit diesem Worten eröffnete Christoph Moritz von der BASF die von Umweltbundesamt und VCI gemeinsam organisierte Infoveranstaltung zum Stand des WGC-BREF. Der WGC-BREF, auch Merkblatt zur Abgasreinigung in der chemischen Industrie genannt, hat einen sehr hohen Einfluss auf die Beschreibung zum Stand der Technik.

Die Bedeutung für die chemische Industrie erläuterte Stefan Drees von Cefic in seinem Vortrag. Allein in Deutschland werden fast 1600 Anlagen von diesem Merkblatt abgedeckt. Durch die hohe Betroffenheit war es auch selbstverständlich, dass sich die Betreiber der deutschen Chemie-Anlagen bei der Datensammlung so engagierten. Fast 380 Fragebögen wurden ausgefüllt und werden nun vom zuständigen Büro in Sevilla ausgewertet.

Auch Birgit Brahner vom Umweltbundesamt (UBA) kam in ihrem Vortrag nicht umhin, die Kooperation zwischen UBA und VCI zu loben. Gleichzeitig betonte sie auch, dass die Mitarbeit von Genehmigungs- und Überwachungsbehörden im bisherigen Prozess so gut wie bei keinem anderen BREF war.

Ein Highlight der Veranstaltung war sicherlich der Vortrag des „Autors" des WGC-BREF: Klaus Daginnus vom Europäischen IVU-Büro (European IPPC Bureau) referierte zu ersten Eindrücken und Ergebnissen der Datenauswertung. Gleichzeitig musste er dabei auf die großen Herausforderungen hinweisen. Es gibt fast 200 Kombinationen von Abgastechniken. Eine sinnvolle Aussage über Techniken und erreichbare Emissionswerte zu machen, ist daher eine schwierige Aufgabe.

Dies zeigte auch die Auswertung der deutschen Daten, erstellt durch den Auftragnehmer des Umweltbundesamtes, der ÖKOPOL GmbH, und vorgestellt durch Christian Tebert.. Eine reine Darstellung von Durchschnitts- oder Maximalwerten zeigt nur die halbe Wahrheit und muss daher um weit mehr Informationen ergänzt werden. Leider leidet dadurch aber auch manchmal die Übersichtlichkeit.

Im zweiten Teil der Konferenz stand der so genannte „Sevilla-Prozess“ und seine Mechanismen im Fokus der Vorträge. Anja Behnke vom Bundesumweltministerium erläuterte in Ihrem Vortrag den deutschen Umsetzungsprozess und einige Probleme während der Umsetzung. Eigentlich soll innerhalb einer Jahres nach Veröffentlichung eines BREF die Gesetzesgrundlage fertig sein. Beim Kraftwerks-BREF aber auch bei einem Chemikalien-BREF wird diese Frist gerissen. An der Optimierung des Prozesses wird daher verstärkt gearbeitet.

Aber nicht nur national gibt es einige zu tun. Der Sevilla-Prozess selber ändert sich über die Jahre hinweg auch. Das führt natürlich manchmal zu Schwierigkeiten, die ebenfalls auch wieder beseitigt werden müssen. Franz-Willi Iven vom Wirtschaftsministeriums Nordrhein-Westfalen teilte seine Erfahrung und Empfehlungen zur Verbesserung des Prozesses mit den Teilnehmern. Beispielsweise sei ein Beauftragter der Wirtschaft nötig, der alle BREFs begleitet.

Zu guter Letzt gab Bernd Serr vom Regierungspräsidium Freiburg und ehemaliger Autor des OFC-BREF („Manufacture of Organic Fine Chemicals") einen Ausblick auf zukünftige BREFs. Dabei stand die Frage im Raum, ob man beim nächsten BREF-Revisionszyklus die gleichen Techniken und Schadstoffe abbildet oder ob man sich nicht vielmehr auf Klimaschutz, Energieeffizienz oder Ressourcenschutz fokussieren sollte.

Insgesamt beleuchtete die Tagung alle wesentlichen Aspekte der BREF-Bearbeitung. Auch wenn es sicherlich noch viel Optimierungspotenzial gibt, so ist es doch sehr erfreulich, dass die Zusammenarbeit von Industrie, Vertretern der Mitgliedstaaten und auch NGOs durchaus positiv ist. An einer Folgeveranstaltung im nächsten Jahr wird schon gedanklich gearbeitet.

Materialien zur Veranstaltung

Die Vorträge der Veranstaltung finden Sie - einzeln als PDF-Dateien und zusammengefasst als zip-Datei - im Download-Bereich im Kopf dieser Seite - und per Klick auf den jeweiligen Vortragstitel auch hier:

  1. Rückblick auf die Arbeiten der nationalen und erweiterten Expertengruppe
    Diplom-Ingenieurin Birgit Brahner, Umweltbundesamt (Umfang: 8 Seiten)
  2. WGC BREF - Betroffenheit der europäischen Chemie
    Stefan Drees, Cefic BREF Manager (Umfang: 20 Seiten)
  3. Stand der Arbeiten und erste Datenauswertung
    Dr. Klaus Daginnus, Europäisches IVU-Büro / European IPPC Buereau (Umfang: 31 Seiten)
  4. Ergebnisse der deutschen Datenauswertung -ein kleiner Einblick in die Gesamtdaten
    Dipl.-Ing. Christian Tebert, ÖKOPOL GmbH – Institut für Ökologie und Politik (Umfang: 26 Seiten)
  5. Nationale Umsetzung von BVT - Schlussfolgerungen in Deutschland
    Anja Behnke, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Arbeitsgruppe IG I 2 Anlagenbezogener Immissionsschutz (Umfang: 17 Seiten)
  6. Optimierungsvorschläge für den Sevilla-Prozess
    Franz-Willi Iven, Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW, VIA 2 / TEA NRW
  7. BREF im Wandel der Zeit
    Bernd Serr, Regierungspräsidium Freiburg

Hintergrund

Die beste verfügbare Technik zur Reduzierung von Umweltschadstoffen in Europa wird in sogenannten BREFs beschrieben. BREF steht für „Best Available Techniques Reference Document“. Im Deutschen wird der Begriff „BREF“ stellvertretend für ein BVT-Merkblatt (Merkblatt zu den „besten verfügbaren Techniken") verwendet. Die BREFs werden in Sevilla verhandelt, weswegen dieser Prozess auch „Sevilla-Prozess" genannt wird. Der VCI bekennt sich klar zu diesem Prozess.

Derzeit wird der sogenannte WGC-BREF erarbeitet – ein Referenzdokument zur Regulierung der Abluftreinigung in der chemischen Industrie, über den neue Emissionsanforderungen bzw. Luftgrenzwerte festgeschrieben werden. Der WGC-BREF wird den besten Stand der Technik für die Abgasbehandlung in Chemieanlagen festlegen. WGC ist die Abkürzung für „Common Waste Gas Treatment in the Chemical Sector“.

Der WGC-BREF wird die künftigen Anforderungen an Emissionen in die Luft für Chemieanlagen im Rahmen der europäischen Industrieemissionsrichtlinie (IED) 2010/75/EU regeln. Mit einer Veröffentlichung ist Anfang 2021 zu rechnen. Die Anforderungen müssen dann rechtsverbindlich in den nationalen Immissionsschutzgesetzen umgesetzt werden, was beispielsweise eine Anpassung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) zur Folge hat und eine Anpassung der bestehenden Genehmigungen nach sich ziehen wird.

Mehr zum Thema

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Benjamin Wiechmann

E-Mail: wiechmann@vci.de