Debattenbeitrag

Werkstoff des 21. Jahrhunderts: Kunststoff kann's

Kunststoffe sind leistungsfähig, langlebig, effizient und vielfältig einsetzbar und daher aus den meisten Bereichen des modernen Lebens nicht mehr wegzudenken. Doch obwohl sie passende Lösungen für viele wichtige Anwendungsbereiche liefern und zudem häufig der energie- und ressourceneffizienteste Rohstoff sind, stehen Kunststoffe als Symbol der Wegwerfgesellschaft in der Kritik.

Kunststoffe in Rohform - Aus den Granulaten werden Produkte mit einem großen Anwendungsspektrum: Sie sind leistungsfähig, langlebig effizient und vielseiteig einsetzbar. - Foto: © mrmrsmarcha1/stock.adobe.com

Kunststoffe erfüllen wesentliche Funktionen, wenn es zum Beispiel um Hygiene, Schutz und längere Haltbarkeit von Lebensmitteln sowie hoch innovative Lösungen im medizinischen Bereich oder klimaschonende Technologien im Fahrzeug- und Flugzeugbau geht. Auch leistungsstarke Windräder oder Photovoltaikanlagen wären ohne Kunststoffe undenkbar. Darüber hinaus bestehen auch nach der Nutzung wertvolle Verwertungsmöglichkeiten: sei es als recycelter Rohstoff oder als Energielieferant.

Worum geht es in der aktuellen Debatte?

  • Es geht vor allem darum, faktenbasiert über den Nutzen von Kunststoff für eine nachhaltige Entwicklung zu diskutieren und diese anzuerkennen statt einzelne Anwendungen und Produkte pauschal zu stigmatisieren.

Auf politischer Ebene geht es außerdem darum,

  • die EU-Kunststoffstrategie vom Januar 2018 so zu gestalten, dass die Potenziale von Kunststoffen am besten ausgeschöpft werden.
  • ein nachhaltiges Abfallmanagement weltweit anzugehen. Die von Deutschland angestoßene G20-Initiative weist hierzu den richtigen Weg.
  • einen optimalen Mix der vielfältigen nachhaltigen Abfallverwertungsmöglichkeiten für Kunststoffe zu fördern. Deutschland dient hier anderen Ländern und Regionen als Vorbild und als Vorreiter, um die weitere Vermüllung der Meere zu stoppen.

Kunststoff kann’s: Lösungen für heute und morgen

Kunststoff gilt als der Werkstoff des 21. Jahrhunderts. Die daraus entstehenden Produkte helfen, natürliche Ressourcen zu schonen, die Ernährung und die Trinkwasserversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen, weniger Energie aufzuwenden und die medizinische Versorgung zu verbessern.

INFOGRAFIK: Vielfalt in der Anwendung

Anteile der in Deutschland verarbeiteten Kunststoffe nach Branchen, 2016, in Prozent; Quelle: PlasticsEurope

2016 wurden in Deutschland 12,2 Millionen Tonnen Kunststoffe verarbeitet. Davon entfielen auf die Verpackungsbranche 35 Prozent, gefolgt von der Bau- und der Automobilwirtschaft. - Klick auf die Grafik vergrößert sie!
2016 wurden in Deutschland 12,2 Millionen Tonnen Kunststoffe verarbeitet. Davon entfielen auf die Verpackungsbranche 35 Prozent, gefolgt von der Bau- und der Automobilwirtschaft. - Klick auf die Grafik vergrößert sie!

Fünf exemplarische Anwendungsfelder für Kunststoffprodukte:

Verpackungen

Der verschwenderische Umgang mit Nahrungsmitteln ist weit mehr als ein ethisches Problem. In Schwellenländern verdirbt rund die Hälfte der Lebensmittel, bevor sie den Verbraucher erreichen. Kunststoffe können dem entgegenwirken: Verpackungen aus Kunststoff schützen Lebensmittel effizient vor Umwelteinflüssen und vereinfachen die Lagerung und den Transport.

Mobilität

Der Mobilitätssektor zählt zu den klimapolitischen Sorgenkindern. Während Energiewirtschaft und Industrie ihre Treibhausgasemissionen bereits massiv gesenkt haben, legte der Verkehr hierzulande zu. Umso wichtiger sind innovative Kunststoffe, die besonders bei Autos und Flugzeugen das Gewicht und damit die CO2-Emissionen deutlich senken. So verbraucht der moderne Airbus A350, dessen Struktur zu mehr als der Hälfte aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen besteht, etwa 25 Prozent weniger Treibstoff als das Vorgängermodell.

Medizin

Kunststoffe revolutionieren den medizinischen Fortschritt: Neue Hüftgelenke oder Kontaktlinsen wären ohne Kunststoff nicht denkbar, ebenso innovative künstliche Herzklappen. Der 3-D-Druck mit Kunststoffen eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die individualisierte Medizintechnik. Auch abseits der Hightech-Medizin sind Kunststoffe unverzichtbar, beispielsweise für Blutbeutel oder sterile Verpackungen.

Bau

Rund 35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf den Gebäudebereich, insbesondere für Heizung und Warmwasser. Damit einher geht ein erheblicher CO2-Ausstoß. Noch: Die Bundesregierung will bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand realisieren. Kunststoffe, ob zur Wärmedämmung, für Fensterrahmen oder moderne Haustechniksysteme, tragen dazu bei, Energie zu sparen und Emissionen zu senken.

Landwirtschaft

Klimaveränderung und Wasserknappheit stellen Landwirte vor erhebliche Herausforderungen. Mittlerweile sind Kunststoffe so unentbehrlich wie Traktoren und Landmaschinen: Kunststoffrohre zur Beregnung und Düngung verhindern die Verschwendung von Wasser und Nährstoffen, Regenwasser kann in Behältern aus Kunststoff gesammelt werden. Folien werden genutzt, um Unkräuter einzudämmen, die Bodentemperatur zu erhöhen und Böden feucht zu halten. Schon heute erlauben Kunststoffe den Anbau von Kulturpflanzen auch in die Wüstenregionen. Nicht zuletzt eröffnet Produktion und Nutzung von Biokunststoffen weitere spannende Handlungsoptionen.

© VCI
„Der Umwelt verpflichtet" - VCI-Kurzüberblick zur Debatte um Kunststoffabfälle in der Umwelt PDF 41 Kb













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Foto: © VCI/Schuppenies
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