Standpunkt

Zur Kreislaufwirtschaft mithilfe der Chemie

Mit ihrem Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft verfolgt die EU-Kommission das Ziel, in der gesamten Wirtschaft geschlossene Stoffströme herzustellen, um Ökosysteme und Ressourcen zu schonen. Die deutsche Chemie ist mit ihrem Prinzip der Verbundproduktion hier schon weit fortgeschritten und hat eine hohe Ressourceneffizienz verwirklicht. Mit neuen Verfahren und recyclingfreundlichen Werkstoffen kann sie auch andere Branchen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft voranbringen.

VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG
VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers - Foto: © Bayer AG

Es ist ein großes Ziel, das sich die EU-Kommission gesetzt hat. Sie möchte die gesamte Wirtschaft in den Mitgliedstaaten in den kommenden Jahrzehnten schrittweise in ein Kreislaufsystem überführen. Mehr Vermeidung und Verwertung von Abfällen bilden einen zentralen Baustein in ihrer Strategie für das Schließen von Stoffströmen. Das Ökodesign von Produkten und höhere Recyclingquoten sollen konkret dazu beitragen.

Bei ihrem Aktionsplan lässt sich die Kommission nicht nur von nachvollziehbaren ökologischen Motiven leiten. Es ist ihr auch ein Anliegen, Europa weniger abhängig von Rohstoffimporten zu machen. Rohstoffe effizienter zu nutzen, erfordert erhebliche Innovationsanstrengungen von den Unternehmen. Das ist der Kommission bewusst. Sie will deshalb künftig innovative Konzepte und Projekte besonders fördern.

Das Ziel ist zwar eindeutig definiert, der Weg aber weit – und alles andere als einfach. Es sind viele Schritte nötig, um eine Kreislaufwirtschaft in der EU zu realisieren. Die Bereiche Lebensmittel, Bauwesen und Verpackungen spielen aus Sicht der Kommission dabei eine besondere Rolle. Ihr Vorschlag thematisiert hier eine große Zahl von Maßnahmen für die Abfall-, Produkt-, Stoff- und Umweltpolitik.

In der deutschen Chemie ist die Kreislaufwirtschaft bereits heute weit fortgeschritten. So stellen viele Unternehmen ihre Produkte nicht in isolierten Anlagen her. Wo immer möglich, sind Anlagen zu einem Verbund verknüpft. Denn bei einer chemischen Reaktion entstehen neben dem gewünschten Produkt oft weitere Stoffe oder Abwärme, die für andere Produktionsverfahren eingesetzt werden können. Das sorgt für eine hohe Ressourceneffizienz.

Dieser Effekt kommt besonders an großen Standorten und in den 37 Chemieparks in Deutschland zum Tragen. Verbundmöglichkeiten und Synergien verbessern sowohl die wirtschaftliche als auch die ökologische Bilanz der Unternehmen, die dort produzieren. Was stofflich nicht verwertbar ist, wird als Abfall der energetischen Verwertung zugeführt, um Ressourcen zu schonen. Das hat die EU-Kommission inzwischen auch als Teil der Lösung für das künftige System akzeptiert. Für die Verwertung und Beseitigung von Abfällen hat die Branche eine eigene, moderne Entsorgungsinfrastruktur etabliert.

Die Strukturen in der Chemie lassen sich nicht auf andere Wirtschaftszweige übertragen. Mit neuen Verfahren und recyclingfreundlichen Werkstoffen wird die Chemie aber viel zum Weiterkommen anderer Branchen in Richtung Kreislaufwirtschaft beitragen können. Die Erkenntnis in Brüssel wächst, dass die Stärkung der Innovationsfähigkeit der Industrie dem Erreichen dieses Ziels mehr nützt als zu detaillierte Auflagen und Verbote.

Dr. Marijn E. Dekkers,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner
dialog@vci.de

Zum chemie report 03/2016 mit Leitartikel über das Maßnahmenpaket der EU zur Kreislaufwirtschaft