US-Steuerreform

Standortwettbewerb nimmt weiter zu

Der Standortwettbewerb zwischen den USA und Deutschland hat sich durch die jüngste US-Steuerreform verschärft. Bessert die kommende Bundesregierung nicht nach, dürften Entscheidungen über künftige Investitionen verstärkt zugunsten Amerikas ausfallen.

Die seit dem 1. Januar 2018 wirksame amerikanische Steuerreform bietet mit ihren Regelungen einen großen Wettbewerbsvorteil insbesondere für den Forschungsstandort USA. - Foto: © Andrea-Izzotti/Stock.Adobe.com
Die seit dem 1. Januar 2018 wirksame amerikanische Steuerreform bietet mit ihren Regelungen einen großen Wettbewerbsvorteil insbesondere für den Forschungsstandort USA. - Foto: © Andrea-Izzotti/Stock.Adobe.com

Das einstige Hochsteuerland USA hat zum Jahresauftakt nachjustiert. Mit der Verabschiedung im Kongress und mit seiner Unterzeichnung hat Präsident Donald Trump Ende Dezember 2017 die größte Steuerreform in den USA seit 30 Jahren auf den Weg gebracht. „Es geht bei der US-Steuerreform vor allem darum, Unternehmenssubstanz, insbesondere in Forschung und Entwicklung, aus dem Ausland in die USA zu holen“, analysiert Berthold Welling, Abteilungsleiter Recht und Steuern, Nachhaltigkeit im VCI, die neuen Regelungen. Sie gelten seit dem 1. Januar 2018.

Aus Sicht der deutschen Wirtschaft sind vor allem folgende Regelungen relevant:

  • Die Körperschaftsteuer wird von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Insgesamt kommen in den USA ansässige Unternehmen dann auf eine durchschnittliche nominale Steuerbelastung von 25,7 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die durchschnittliche nominale Steuerbelastung bei 31,6 Prozent und ist damit um 23 Prozent höher als in Amerika.
  • Die USA begünstigen Innovationen mit einer steuerlichen Forschungsförderung – unabhängig von Unternehmensgröße und Mitarbeiterzahl. Dieser Anreiz für Forschung und Entwicklung (FuE) fehlt in Deutschland völlig.
  • Unternehmen können Investitionen ab sofort in voller Höhe abschreiben. Auch hier gerät Deutschland ins Hintertreffen, denn Investitionen über 800 Euro müssen hierzulande über mehrere Jahre hinweg abgeschrieben werden.
  • Neue Sondersteuer „BEAT“: Die US-Steuer „Base Erosion and Anti-Abuse“ (BEAT) belegt die Zahlungsflüsse aus den USA künftig über die Staatsgrenze hinaus mit einer Sondersteuer, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen. US-Tochtergesellschaften, die an ihren deutschen Mutterkonzern also Lizenzgebühren zahlen, müssen künftig darauf die neue Steuer zahlen.

Die Steueregelungen in den USA und Deutschland im Vergleich:

Nach der US-Steuerreform: Die Regelungen in den USA und Deutschland im Vergleich - Klick auf's Bild führt zu einer vergrößerten und druckfähigen Fassung! - Grafik:
Nach der US-Steuerreform: Die Regelungen in den USA und Deutschland im Vergleich - Klick auf's Bild führt zu einer vergrößerten und druckfähigen Fassung! - Grafik:

Wie groß die Auswirkungen von BEAT sein können, zeigt das Beispiel der Chemie- und Pharmaindustrie. Wer künftig in den USA forscht und dort seine Forschungsergebnisse verwertet, kann nicht nur die steuerlichen Vergünstigungen wie die steuerliche FuE-Förderung und Sofortabschreibungen nutzen, sondern bleibt auch von der BEAT-Sondersteuer verschont. Im Ergebnis ist daher die Belastung in Deutschland künftig um über 40 Prozent höher als in den USA.

Der Steuerwettbewerb nimmt also Fahrt auf: Ein Unternehmen in den USA steht künftig steuerlich günstiger da als eine Firma in Deutschland. Daher mahnt Welling: „Die Bundesregierung in spe ist gefordert und sollte zügig eine Steuerreform auf den Weg bringen, die unseren Standort stärkt. Denn die amerikanische Steuerreform bietet mit ihren neuen Regelungen einen großen Wettbewerbsvorteil für den Forschungsstandort.“

Dieser Artikel ist im chemie report 01+02/2018 erschienen.

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