Das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungsystem der chemischen Industrie in der Praxis

TUIS-Einsatzbericht: Umfüllen von Ethylenoxid aus verunglücktem Tankcontainer in Ungarn

In unregelmäßigen Abständen geben die TUIS-Werkfeuerwehren einen Einblick in ihre praktische Arbeit. Im vorliegenden Fall geht es um einen in Ungarn verunglückten Lastzug, der einen Tankcontainer mit Ethylenoxid geladen hatte. Mit der Spezialausrüstung einer Chemie-Werkfeuerwehr für den Notumschlag dieses Produkts gelang die sichere Bergung.

Praktische Hilfe vor Ort durch das Spezialequipment der Chemie-Werkfeuerwehren: Mit einem Notumschlag-System wurde das Ethylenoxid aus dem verunglückten Tanklaster umgefüllt; nur eine Restmenge musste abgefackelt werden. - Foto: © InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG
Praktische Hilfe vor Ort durch das Spezialequipment der Chemie-Werkfeuerwehren: Mit einem Notumschlag-System wurde das Ethylenoxid aus dem verunglückten Tanklaster umgefüllt; nur eine Restmenge musste abgefackelt werden. - Foto: © InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG

Lage:

Komplizierte Lage in Tuzser (Ungarn) 20 Kilometer vor der Grenze zur Ukraine. Dort lag im Juli 2017 ein Lastzug kopfüber mit dem Führerhaus in einem Graben. Das Fahrzeug hatte einen Tankcontainer mit 22.540 Kilogramm Ethylenoxid (UN 1040) geladen. Es war nicht klar, wie stark der Container beschädigt war. Produkt war offenbar nicht ausgetreten

Die örtliche Feuerwehr sperrte zunächst den Bereich ab und sorgte für den Brandschutz. Sie suchte dann fachkundige Hilfe in Ungarn, Russland und in der Ukraine, um die Lage zu sichten und zu klären, wie sie weiter vorgehen sollte. Auch die betroffene Spedition arbeitete mit, entsprechende Hilfe in den östlichen Staaten zu organisieren. Allerdings ebenso vergeblich wie die lokale Feuerwehr-Einheit.

Schließlich forderte die Spedition bei der Werkfeuerwehr der InfraServ Gendorf Hilfe an. Diese Chemie-Werkfeuerwehr verfügt über die entsprechende Spezialausrüstung: ein Notumschlag-System zum Umfüllen von Ethylenoxid.

Hilfe:

Die Werkfeuerwehr InfraServ Gendorf entsandte unverzüglich einen TUIS-Fachberater zum knapp 1.000 Kilometer entfernten Unfallort. Gleichzeitig stellte sie die benötigte Mannschaft zusammen und bereitete das Notumfüllsystem für den Transport vor.

Der mittlerweile vor Ort eingetroffene TUIS-Fachberater stellte zwar fest, dass der Tankcontainer dicht war. Da auch der Tragrahmen stark beschädigt war, musste das Produkt dennoch umgefüllt werden. Hierfür stellte die Spedition einen Ersatzbehälter bereit. Zwischenzeitlich waren die weiteren Werkfeuerwehrleute mit dem Spezialgerät zum Umpumpen eingetroffen und konnten mit dieser Arbeit beginnen. Technisch bedingt mussten sie lediglich eine Restmenge von 1.800 Kilogramm im Container lassen. Unter Begleitung von TUIS fackelte ein versiertes Unternehmen diese Restmenge ab. Erst dann konnte der Behälter geborgen werden.

Die TUIS-Werkfeuerwehr InfraServ Gendorf war zum Umfüllen mit sechs Einsatzkräften, Kommandowagen, Gerätewagen Logistik und Wechselladerfahrzeug mit Abrollbehälter „Notumschlag Ethylenoxid“ fünf Tage im Einsatz. Um das Abfackeln zu begleiten, waren zwei Werkfeuerwehrkräfte noch einmal vier Tage an der Einsatzstelle.

Ethylenoxid (EO) ist ein brennbares, giftiges und unter Druck verflüssigtes Gas. Es wird als Zwischenprodukt für Herstellung verschiedener Stoffe eingesetzt. Aus Ethylenoxid werden auch Frostschutzmittel (Glykol), Flugzeugenteisungsmittel sowie Hilfsstoffe für die Kosmetikindustrie hergestellt.

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