Vorschläge des VCI zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Verkehrsträgers Schiene

Bedeutung des Schienengüterverkehrs für die chemische Industrie

Mobilität im Güterverkehr ist eine wesentliche Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Industrie und wirtschaftliches Wachstum. Dazu ist ein starkes logistisches System erforderlich. In diesem spielt der Schienengüterverkehr für die chemische Industrie eine wichtige Rolle, da er grundsätzlich ein umweltfreundliches und sicheres Transportmittel ist. Im vorliegenden Positionspapier skizziert der VCI die Bedeutung des Verkehrsträgers Schiene für die Branche und macht Vorschläge zur Verbesserung seiner Leistungsfähigkeit.

Die Schiene spielt als umweltfreundliches und sicheres Verkehrsmittel eine wichtige Rolle für die chemische Industrie. Aus Sicht des VCI muss der Schienengüterverkehr daher gestärkt und durch geeignete Maßnahmen attraktiv gemacht werden - sowohl gegenüber anderen Verkehrsträgern als auch im europäischen Umfeld. - Foto: © Marco2811 - Fotolia.com
Die Schiene spielt als umweltfreundliches und sicheres Verkehrsmittel eine wichtige Rolle für die chemische Industrie. Aus Sicht des VCI muss der Schienengüterverkehr daher gestärkt und durch geeignete Maßnahmen attraktiv gemacht werden - sowohl gegenüber anderen Verkehrsträgern als auch im europäischen Umfeld. - Foto: © Marco2811 - Fotolia.com

Mobilität im Güterverkehr ist eine wesentliche Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Industrie und wirtschaftliches Wachstum. Dazu ist ein starkes logistisches System erforderlich. In diesem spielt der Schienengüterverkehr für uns eine wichtige Rolle, da er grundsätzlich ein umweltfreundliches und sicheres Transportmittel ist. Im Jahr 2014 wurden allein in Deutschland knapp 30 Millionen Tonnen chemische Erzeugnisse mit der Bahn transportiert. Damit verantwortet unsere Branche mehr als 8 Prozent der gesamten Beförderungsmenge im Schienengüterverkehr (= 365 Mio. Tonnen). [1]

Dieser hohe Anteil besteht, weil der Bahntransport für chemische Erzeugnisse häufig prädestiniert ist: Der Schienengüterverkehr ist besonders geeignet für größere Ladungseinheiten, insbesondere für Massengüter, die über längere Distanzen transportiert werden müssen. Daneben hat er, speziell für die sensiblen Produkte der chemischen Industrie, verkehrsträgerspezifische Vorteile. Die Struktur der Bahntransporte in der chemischen Industrie ist vorwiegend gekennzeichnet durch:

  • Einzelwagen- und Wagengruppenverkehre (Versandgeschäft),
  • Ganzzüge mit bis zu 1.300 Nettotonnen für die Versorgung der Chemiestandorte mit Rohstoffen,
  • Zwischenwerksverkehre (Verbundchemie),
  • Direktverkehre zwischen Gleisanschlüssen ohne Umladungen,
  • Versand in privaten Bahnkesselwagen, die speziell auf die Chemieprodukte abgestimmt sind.
Damit wir die Vorteile des Schienengüterverkehrs voll nutzen können, haben wir ein großes Interesse an seiner Leistungsfähigkeit. Diese muss für die Zukunft nicht nur sichergestellt, sondern auch verbessert werden, um
  • der zu erwartenden deutlichen Steigerung des Verkehrsaufkommens in den nächsten Jahren gerecht zur werden [2],
  • die Voraussetzungen für eine politisch gewollte Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene [3] zur schaffen,
  • bei der chemischen Industrie Investitionssicherheit zu gewährleisten (Anlagenbau mit speziellen Be- und Entladeeinrichtungen für Kesselwagen, Schienenanlagen in den großen Chemiewerken).
Dazu sollten beispielsweise
  • die Transportkapazitäten erhöht und zusätzliche Schienenverkehrswege geschaffen werden (auch um bestimmte Strecken zu entlasten),
  • die durchschnittliche Geschwindigkeit der Züge erhöht werden,
  • deutlich längere Züge auf dafür geeigneten Strecken zum Einsatz kommen.
Darüber hinaus gilt es, die europaweite Schrumpfung des Einzelwagenverkehrs aufzuhalten: Der Einzelwagenverkehr, an dem unsere Branche einen hohen Aufkommensanteil hat, steht in direkter Konkurrenz zum Straßengüterverkehr, Einschränkungen führen zu mehr Transporten auf der Straße. Um jedoch eine Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene voranzubringen, muss der Einzelwagenverkehr – in ganz Europa – wieder deutlich gestärkt werden. Gleichzeitig muss den negativen Aspekten des Verkehrsträgers entgegengewirkt werden: Insbesondere an stark befahrenen Strecken bringt der Schienengüterverkehr erhebliche Lärmbelästigungen für die Anwohner mit sich. Es ist für uns sehr wichtig, dass es durch geeignete Lärmschutzmaßnahmen zu ihrer Entlastung kommt. Hier leistet die chemische Industrie durch eigene innovative Lösungen Beiträge zur Schallminderung: Entwickelt wurden beispielsweise ein System zur Verschäumung der Schotterschicht und eine Spezialbeschichtung für die Räder und Achsen der Güterzüge. Für einen effektiven Lärmschutz ist es notwendig, verschiedene Maßnahmen (aktiver und passiver Lärmschutz, Maßnahmen am Fahrzeug und sonstige innovative Maßnahmen) zu kombinieren. Eine besonders wichtige, weil effektive Rolle kommt dabei der Ausrüstung der Güterwagen mit lärmreduzierten Bremssystemen zu. Damit diese schnellstmöglich und lückenlos erfolgt, müssten stärkere Anreize geschaffen werden. So könnte zum einen das Ziel einer Beseitigung der Lärmquelle Güterwagen tatsächlich schneller erreicht werden. Aber auch höhere Betriebskosten, die von den Bahnnutzern zu tragen sind, könnten abgefangen und Nachteile, die der Schienenverkehr im Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern befürchten muss, abgemildert werden. – Ordnungspolitische Maßnahmen (z. B. Nachtfahrverbote, Langsamfahrten) halten wird dagegen für den falschen Weg: Sie tragen nicht dazu bei, dass der Schienengüterverkehr gestärkt und durch geeignete Maßnahmen attraktiv und sowohl gegenüber anderen Verkehrsträgern als auch im europäischen Umfeld wettbewerbsfähig gemacht wird.


[1] [Beförderungsleistung chemische Erzeugnisse = 9.500 Millionen Tonnen-Kilometer von 112.629 Millionen Tonnen-Kilometern insgesamt im Jahr 2014] Quelle: Statistisches Bundesamt
[2] Vgl. z. B. Progtrans-Studie im Auftrag des BMVBS „Abschätzung der langfristigen Entwicklung des Güterverkehrs in Deutschland bis 2050“
[3] Vgl. Weißbuch Verkehr der Europäischen Kommission

Hinweis:
Eine druckfreundliche Version dieses Positionspapieres finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (sog. „Langfassung")

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Andrea Heid

E-Mail: heid@vci.de