Vorschläge des VCI zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Verkehrsträgers Schiene

Bedeutung des Schienengüterverkehrs für die chemische Industrie

Der Schienengüterverkehr spielt für die chemische Industrie als umweltfreundliches und sicheres Transportmittel eine wichtige Rolle. Er ist besonders geeignet für größere Ladungseinheiten wie Massengüter, die über längere Distanzen transportiert werden. Daneben hat er verkehrsträgerspezifische Vorteile, speziell für die sensiblen Produkte der Branche. Damit der Schienengüterverkehr optimal genutzt werden kann, muss er leistungsfähig und zuverlässig sein. Hier sieht der VCI Verbesserungsbedarf - auch, um dem steigenden Verkehrsaufkommen der nächsten Jahre gerecht zu werden.

Die Schiene spielt als umweltfreundliches und sicheres Verkehrsmittel eine wichtige Rolle für die chemische Industrie. Aus Sicht des VCI muss der Schienengüterverkehr daher gestärkt und durch geeignete Maßnahmen attraktiv gemacht werden - sowohl gegenüber anderen Verkehrsträgern als auch im europäischen Umfeld. - Foto: © Marco2811 - Fotolia.com
Die Schiene spielt als umweltfreundliches und sicheres Verkehrsmittel eine wichtige Rolle für die chemische Industrie. Aus Sicht des VCI muss der Schienengüterverkehr daher gestärkt und durch geeignete Maßnahmen attraktiv gemacht werden - sowohl gegenüber anderen Verkehrsträgern als auch im europäischen Umfeld. - Foto: © Marco2811 - Fotolia.com

Mobilität im Güterverkehr ist eine wesentliche Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Industrie und wirtschaftliches Wachstum. Dazu ist ein starkes logistisches System erforderlich. In diesem spielt die Bahn als umweltfreundliches und sicheres Transportmittel für die chemische Industrie eine wichtige Rolle: Im Jahr 2017 wurden allein in Deutschland 26,5 Millionen Tonnen chemische Erzeugnisse mit der Bahn transportiert. Damit verantwortet unsere Branche 7,6 Prozent der gesamten Beförderungsmenge im Schienengüterverkehr (= 348,5 Mio. Tonnen).[1]

Dieser hohe Anteil besteht, weil der Bahntransport für chemische Erzeugnisse häufig prädestiniert ist: Der Schienengüterverkehr ist besonders geeignet für größere Ladungseinheiten, insbesondere für Massengüter, die über längere Distanzen transportiert werden müssen. Daneben hat er, speziell für die sensiblen Produkte der chemischen Industrie, verkehrsträgerspezifische Vorteile.

Die Struktur der Bahntransporte in der chemischen Industrie ist vorwiegend gekennzeichnet durch:

  • Versand und Empfang in privaten Bahnkesselwagen,
  • den Transport unserer Produkte in geeigneten Ladeeinheiten des Kombinierten Verkehrs Straße/Schiene,
  • Einzelwagen- und Wagengruppentransporte im Direktverkehr zwischen Gleisanschlüssen ohne Umladungen im Versandgeschäft sowie zur Produktionsversorgung und
  • Ganzzüge, primär für die Versorgung der Chemiestandorte mit aufkommensstarken Rohstoffen und Zwischenwerkverkehren der Verbundchemie.

Damit wir die Vorteile des Schienengüterverkehrs voll nutzen können, haben wir ein großes Interesse an seiner Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. Diese muss für die Zukunft nicht nur sichergestellt, sondern auch verbessert werden, um

  • der zu erwartenden deutlichen Steigerung des Verkehrsaufkommens in den nächsten Jahren gerecht zur werden[2],
  • die Voraussetzungen für eine politisch gewollte Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene[3] zur schaffen,
  • bei der chemischen Industrie Investitionssicherheit zu gewährleisten (Anlagenbau mit speziellen Be- und Entladeeinrichtungen für Kesselwagen und Tankcontainer, Schienenanlagen in den großen Chemiewerken) und
  • durch die Nutzung des Schienengüterverkehrs einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können
Dazu sollten beispielsweise

  • die Transportkapazitäten erhöht und zusätzliche Schienenverkehrswege geschaffen werden für Ausweich- und Entlastungsstrecken (z.B. Überholungskapazitäten entlang stark frequentierter Hauptstrecken);
  • die Schieneninfrastrukturen Reserven vorhalten, um weiteres Wachstum aufnehmen zu können;
  • die Zusammenarbeit von Infrastruktur und Eisenbahnverkehrsunternehmen, vor allen Dingen auch im europäischen Kontext, deutlich verbessert werden;
  • Planungsverfahren beschleunigt werden, so dass Baumaßnahmen schneller umgesetzt werden können;
  • das Informationsmanagement (z.B. hinsichtlich Baustellen) und die Zusammenarbeit der Bahnen (z.B. bei Störfällen) verbessert werden; das gilt vor allen Dingen für die internationale Zusammenarbeit;
  • die Voraussetzungen für durchgängige 740 Meter lange Züge sowie weitere technische TEN-T Parameter zumindest auf den Transeuropäischen Netzen (TEN) schnellstmöglich geschaffen werden[4];
  • die durchschnittliche Geschwindigkeit der Güterzüge erhöht und Konflikte mit dem Personenverkehr durch Vorhalten ausreichender Kapazität vermieden werden (z.B. durch Etablierung von reinen Güterverkehrskorridoren auf strategisch wichtigen Strecken und stark belasteten Verkehrsknoten);
  • Automatisierung und Digitalisierung im Schienengüterverkehr noch stärker vo-rangetrieben werden (z.B. durch automatische Kupplungssysteme, Sensorik für Güterwagen und Ladung, Einführung erster Pilotstrecken für autonomes Fahren);
  • proaktive Verspätungsmeldungen mit zuverlässigen neuen voraussichtlichen Ankunftszeiten an (Chemie-)Verlader übermittelt werden;
  • gezielt Fachkräfte (insbesondere Lokführer) gewonnen werden, um der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken;
  • europaweit Anforderungen z.B. an Lokführer (Sprach- und Streckenkenntnis) harmonisiert und vereinfacht werden (z.B. durch Einführung einer gemeinsamen europäischen Betriebssprache und/oder technologiegestützten Lösung), um Kapazitäten besser nutzen zu können.

Darüber hinaus gilt es, die europaweite Schrumpfung des Einzelwagenverkehrs aufzuhalten: Der Einzelwagenverkehr, an dem unsere Branche einen hohen Aufkommensanteil hat, steht in direkter Konkurrenz zum Straßengüterverkehr, Einschränkungen führen zu einer Verlagerung von Transporten zurück auf die Straße. Um jedoch das Gegenteil, nämlich eine Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene voranzubringen, muss der Einzelwagenverkehr – in ganz Europa – wieder deutlich gestärkt werden.

Gleichzeitig muss den negativen Aspekten des Verkehrsträgers entgegengewirkt werden: Insbesondere an stark befahrenen Strecken bringt der Schienengüterverkehr erhebliche Lärmbelästigungen für die Anwohner mit sich. Es ist für uns sehr wichtig, dass es durch geeignete Lärmschutzmaßnahmen zu ihrer Entlastung kommt. Damit Lärmschutz möglichst effektiv ist, müssen verschiedene Maßnahmen kombiniert werden (aktiver und passiver Lärmschutz, Maßnahmen am Fahrzeug und Umsetzung sonstiger Innovationen). An einer Ausrüstung der Güterwagen mit lärmreduzierten Bremssystemen, der dabei eine besonders effektive Rolle zukommt, wird bereits mit Hochdruck gearbeitet.

Es muss gelingen, den Schienengüterverkehr weiter zu modernisieren und dauerhaft leistungsfähig aufzustellen. Nur dann wird es möglich sein, die Herausforderungen, die der Güterverkehr für die Zukunft bereithält, zu bewältigen.


[1] [Beförderungsleistung chemische Erzeugnisse = 8.121 Millionen Tonnen-Kilometer von 112.232 Millionen Tonnen-Kilometern insgesamt im Jahr 2017; Quelle: Statistisches Bundesamt]

[2] Vgl. z.B. Progtrans-Studie im Auftrag des BMVBS „Abschätzung der langfristigen Entwicklung des Güterverkehrs in Deutschland bis 2050“ aus dem Jahr 2007 (PDF-Datei; Umfang: 146 Seiten)

[3] Vgl. Weißbuch Verkehr der Europäischen Kommission 2011 (PDF-Datei; Umfang: 32 Seiten) sowie Masterplan Schienengüterverkehr BMVI 2017 (PDF-Datei; Umfang: 44 Seiten)


[4] Wichtige Strecken des 740 m-Netzes sind zwischenzeitlich in den vordringlichen Bedarf des Bundesschienenwegeausbaugesetzes aufgenommen worden; sie müssen jetzt zügig realisiert werden [vgl.auch Antwort der Bundesregierung vom 11. April 2018 auf Kleine Anfrage; PDF-Datei; Umfang: 8 Seiten ].

Hinweis:
Eine druckfreundliche Version dieses Positionspapieres finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (sogenannte „Langfassung"; PDF-Datei; Umfang. 4 Seiten)

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Andrea Heid

E-Mail: heid@vci.de