Streckensperrung: VCI fordert Konsequenzen

Aus Rastatt lernen

Seit Anfang Oktober ist die Sperrung der Eisenbahnstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden aufgehoben. Personen- und Güterzüge können wieder ungehindert fahren. Welche Konsequenzen müssen aus diesem Vorfall gezogen werden? Der VCI erwartet ein besseres Baustellen- und Krisenmanagement der Deutschen Bahn. Gefragt ist auch ein Ausbau der „740-Meter-Netze“.

Sieben Wochen war die Rheintalbahn gesperrt: Sie ist eine der meistbefahrenen Verbindungen und eine der wichtigsten Gütertrassen in Deutschland. - Foto: © dpa
Sieben Wochen war die Rheintalbahn gesperrt: Sie ist eine der meistbefahrenen Verbindungen und eine der wichtigsten Gütertrassen in Deutschland. - Foto: © dpa

Sieben Wochen lang stand im Spätsommer der Personen- und Güterverkehr auf der Eisenbahnstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden still. Aufgrund von Tunnelarbeiten hatte sich der Boden gesenkt und die Gleise der Rheintalbahn verschoben sich. Von der Sperrung war auch die chemisch-pharmazeutische Industrie massiv betroffen. Denn sie ist auf die sogenannte Rheinschiene, eine der wichtigsten und meistbefahrenen Schienentrassen in Europa, angewiesen. Die Strecke verbindet die Häfen Rotterdam, Bremerhaven und Hamburg mit Italien.

Die Chemie- und Pharmaunternehmen mussten mit erheblichen Problemen, vor allem bei der Kundenbelieferung, aber auch bei der Rohstoffversorgung, kämpfen: Nur durchschnittlich 50 Prozent der betroffenen Transporte konnten die Firmen beispielsweise durch Nutzung von Umleitungsstrecken bewältigen. Für die anderen 50 Prozent mussten sie andere Lösungen finden. Sofern möglich, wichen die Firmen auf Binnenschiffe oder Lkws aus. Doch gerade die Verlagerung auf Lkws war nicht immer möglich, da Fahrzeuge fehlten und Engpässe bei Spezial-Ausstattung, wie Tankcontainern und Kühlfahrzeugen, bestanden. Hinzu kommt: Diese kurzfristigen Alternativlösungen bedeuteten einen enormen Logistikaufwand, verbunden mit hohen Kosten. So sind beispielsweise statt fest vereinbarter Preise für den Schienentransport die aktuellen Marktpreise für die Beförderung mit Lkws angefallen.

Akzeptanz für Schienenverkehr droht verloren zu gehen

Auch wenn die Sperrung seit Anfang Oktober wieder aufgehoben ist: Der VCI befürchtet, dass dieser Vorfall zu einem weiteren Akzeptanzverlust für den schienengebundenen Transport führt. Dadurch wird das Verkehrsmittel Bahn weiter geschwächt. Und dies ist aus verkehrspolitischer Sicht eine schlechte Entwicklung. Denn die Branche ist auf einen leistungsfähigen, verlässlichen Schienengüterverkehr angewiesen, machte der Chemieverband gegenüber der Deutschen Bahn (DB) deutlich. Dem Unternehmen bestätigte der VCI zwar ein großes Engagement, um Alternativen zur Unfallstrecke anzubieten. Doch von der DB wird künftig ein deutlich besseres Baustellen- und Risikomanagement erwartet. Auch mit den anderen europäischen Bahnen müsse man enger zusammenarbeiten, um in Krisensituationen besser gewappnet zu sein.

Gegenüber der DB setzt sich der VCI für Premium-Bahntrassen ein, die für 740 Meter lange Züge ausgelegt sind. So könnte man das prognostizierte steigende Transportvolumen in Zukunft besser bewältigen. Auch die Verwendung automatischer Kupplungen könnte Bahntransporte schneller machen, ist der VCI überzeugt. Die Anregungen aus der Chemie sind bei der Deutschen Bahn offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen: Es wird eine Gesprächsrunde mit Vertretern der Branche und der DB geben.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Andrea Heid

E-Mail: heid@vci.de