Standpunkt

Infrastruktur erhalten und Ausbau vorantreiben

Für die Exportnation Deutschland ist eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar. Nur mit leistungsfähigen Straßen, Schienen und Wasserwegen bleibt das Industrieland Deutschland wettbewerbsfähig. Die Chemie liefert rund 80 Prozent ihrer Produktion an industrielle Weiterverarbeiter und bekommt die Defizite der Infrastruktur unmittelbar zu spüren. Der VCI wird mit seiner neuen „Initiative Infrastruktur“ die Politik darauf aufmerksam machen, wo sie Handlungsbedarf sieht.

VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley © © Merck KGaA Darmstadt Deutschland
VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley © © Merck KGaA Darmstadt Deutschland

Deutschlands Verkehrsnetz genießt einen ausgezeichneten Ruf in der Welt. Unsere Infrastruktur zählt nicht zuletzt für ausländische Unternehmen zu den Standortfaktoren, die eine Investition hierzulande attraktiv machen. Die zentrale geografische Lage ermöglicht kurze Transportzeiten für Kunden und Zulieferer im europäischen Markt. Schiene, Straße und Binnenschifffahrt sind verzahnt. Leistungsfähige Häfen garantieren die Anbindung an den globalen Warenhandel.

Der Summe dieser Vorteile steht aber eine Tatsache gegenüber: Unsere Infrastruktur lebt von der Substanz. Der Investitionsstau ist beträchtlich. Allein bei 1.400 Eisenbahnbrücken besteht dringender Sanierungsbedarf. Schlechte Straßen, marode Brücken, störanfällige Schleusen und überlastete Bahntrassen sind zwar nicht die Regel, aber auch keine Seltenheit. Von Kiel bis Passau sind wichtige Elemente unserer Infrastruktur sanierungsbedürftig.

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beginnt unter den Rissen in Asphalt und Beton zu leiden. Die Chemie liefert rund 80 Prozent ihrer Produktion an industrielle Weiterverarbeiter und bekommt die Defizite der Infrastruktur unmittelbar zu spüren. Ein sehr eindrückliches Beispiel: Die monatelange Teilsperrung der Rheinbrücke der Autobahn A1 bei Leverkusen bedeutete einen Verlust von rund 10.000 Euro pro Tag für den dort ansässigen Chemiepark. Ein Langzeitproblem: Dem südostbayrischen Chemiedreieck fehlt eine leistungsfähige Anbindung an überregionale Verkehrsnetze. Der geplante zweigleisige Ausbau einer Teilstrecke des Schienennetzes wird die logistischen Nachteile für die betroffenen Unternehmen nur zum Teil lösen.

Deshalb hat der VCI die „Initiative Infrastruktur“ ins Leben gerufen. Sie wird der Politik die Dringlichkeit des Problems vor Augen führen und Entscheidungsträger dort beraten, wo die Chemie Handlungsprioritäten sieht. Übergeordnetes Ziel muss eine maximale und umweltverträgliche Vernetzung aller Verkehrsträger sein, damit sich die deutsche Wirtschaft weiterhin auf eine leistungsfähige Infrastruktur verlassen kann.

Die neue Bundesregierung hat die Probleme erkannt und will zusätzlich 5 Milliarden Euro ins Verkehrswesen investieren. Das ist gut, wird aber nicht ausreichen. Zur weiteren Finanzierung sollte deshalb eine Zweckbindung von Mineralölsteuer, Maut oder Bahn-Dividende Pflicht werden. Außerdem muss Berlin beim Einsatz der Mittel Prioritäten setzen. Ein Bericht zur Verkehrsinfrastruktur, der Schwachstellen offen legt und den Handlungsbedarf benennt, würde die nötige Transparenz schaffen. Überfällig ist zudem, die Bundesmittel nicht weiter nach starren Länderquoten, sondern nach konkreten Aufgaben oder Engpässen zu vergeben.

Für eine Exportnation ist ein funktionierendes Verkehrssystem unverzichtbar. Nur wenn wir unsere Straßen, Schienen und Wasserwege leistungsfähig erhalten und weiterentwickeln, bleibt das Industrieland Deutschland auf Dauer wettbewerbsfähig.

Karl-Ludwig Kley,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner
dialog@vci.de

Zum chemie report 1/2 2014