Top-60-Vorschläge der Chemie für bessere Verkehrswege

Die wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte für die chemische Industrie

Die chemische Industrie zeigt für das ganze Bundesgebiet konkret auf, wo und für welche Verkehrsträger welche Maßnahmen vordringlich notwendig sind. Das Papier hat die VCI-Initiative „Verkehrsinfrastruktur“ erarbeitet, um der Politik eine Orientierungshilfe zu geben, welche Verkehrsprojekte aus Sicht der Chemie so rasch wie möglich umgesetzt werden sollten. Rund 60 Maßnahmen schlägt die Branche vor, unterteilt nach Regionen und Verkehrsträger. Zusätzlich wurde auf Basis des Entwurfs des Bundesverkehrswegeplans jedem Engpass ein Ampel-Symbol zugeteilt, um Handlungsbedarf optisch zu untermauern.

Die chemische Industrie zählt zu den transportintensivsten Branchen in Deutschland. Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist eine grundlegende Voraussetzung für sichere Chemietransporte. - Foto: © © Oliver Hoffmann - Thinkstock
Die chemische Industrie zählt zu den transportintensivsten Branchen in Deutschland. Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist eine grundlegende Voraussetzung für sichere Chemietransporte. - Foto: © © Oliver Hoffmann - Thinkstock

Das vorliegende Positionspapier enthält eine Übersicht der ermittelten Engpässe und unterteilt diese nach Regionen. Den Regionen untergeordnet sind die für den Standort relevanten Verkehrsträger, deren jeweiliger Verschleiß oder nicht voran getriebener Ausbau für die Wirtschaft zu Infrastruktur-Engpässen führt. Die einzelnen Engpässe wurden um eine geografische Ausrichtung sowie um notwendige Maßnahmen und Lösungsansätze zur Behebung ergänzt. Zusätzlich wurde auf Baiss des Entwurfs des Bundesverkehrswegeplanes jedem Infrastruktur-Engpass ein Ampel-Symbol zugeteilt, um den Handlungsbedarf optisch zu untermauern.


Die Chemieindustrie ist eine besonders transportintensive Branche

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland etwa 245,7 Mio. Tonnen chemischer Erzeugnisse (mit Pipeline) transportiert. Damit ist die chemische Industrie hierzulande eine der transportintensivsten Branchen. Sie verantwortet 6,2 Prozent des gesamten Güterverkehrsaufkommens. Bundesweit ist sie der zweitgrößte Auftraggeber von Transportdienstleistungen, denn ein Großteil der Chemieproduktion geht an industrielle Weiterverarbeiter. Die Branche ist somit besonders auf sichere Transportwege angewiesen.Sie bekommt die Folgen mangelnder Investitionen in den Erhalt der hiesigen Infrastruktur besonders zu spüren. Funktionsfähige Verkehrswege sind ein wichtiger Standortfaktor und stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.

Alle Verkehrsträger, Straße, Schiene, Binnenschiff und Seeverkehr (auch Pipelines), sind für die chemische Industrie notwendig, um ihre Rohstoffversorgung zu sichern und Kunden beliefern zu können. Dabei sind Eisenbahnen und Binnenschiffe das bevor¬zugte Transportmittel der Branche. Sogenannte Listengüter, darunter fallen besondere Gefahrgüter, dürfen nur auf der Schiene oder auf Binnenwasserstraßen befördert werden. Schienentransporte sind für die chemische Industrie die einzige wirtschaftliche Alternative, wenn die Binnenwasserstraßen ausfallen. Und versagen die Schienenwege, dann ist der Wareneingang und -ausgang massiv betroffen.

Übersicht: Die größten Chemiestandorte und Infrastruktur-Engpässe in Deutschland - vergrößern mit Klick auf's Bild!
Übersicht: Die größten Chemiestandorte und Infrastruktur-Engpässe in Deutschland - vergrößern mit Klick auf's Bild! © VCI

Die Vorschläge des VCI an die Politik in der Zusammenfassung

Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland muss in einem leistungsfähigen Zustand erhalten werden, um das Premium-Prädikat "Made in Germany" nicht durch unzuverlässige Transporte zu gefährden. Langfristig muss die Politik daher den Ausbau aller Verkehrsträger vorantreiben − und zwar entsprechend dem Sanierungsbedarf und dem Verkehrsaufkommen. Dabei dürfen nicht einzelne Verkehrsmittel oder Einzelmaßnahmen im Fokus stehen, sondern alle Verkehrswege müssen gleichberechtigt gefördert und intelligent miteinander verknüpft werden. Sinnvoll wäre auch die Einrichtung eines Planungs-Kompetenzzentrums.

Die Bundesregierung sollte einen Verkehrsinfrastrukturbericht als Entscheidungsgrundlage für Investitionen erarbeiten, in dem konkrete Schwachstellen offengelegt werden und das den realistischen Bedarf aufgezeigt. Sinnvoll wäre auch, wenn der Bund, unter Mitarbeit der Länder, bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur federführend ist und einen solide finanzierten Bundesverkehrswegeplan vorlegt. Höhere Belastungen der Verkehrsnutzer für den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur lehnt der VCI ab. Es sind ausreichend staatliche Mittel vorhanden, wenn die Prioritäten richtig gesetzt werden.

Der VCI zur aktuellen politischen Entwicklung

Bundesregierung erhöht Investitionsmittel für Infrastruktur

Bereits im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung angekündigt, durch eine grundlegende Reform die Planung und Finanzierung der Verkehrswege auf eine neue Grundlage zu stellen, Investitionen zu priorisieren und die Investitionsmittel aufzustocken. Zwischenzeitlich gibt es Vorschläge für eine Bundesfernstraßengesellschaft, der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 wurde vorgelegt und im Verkehrsetat 2016 sind Investitionen von rund 13 Mrd. € vorgesehen - deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Darüber hinaus sind ehrgeizige Ziele geplant, um den Lärmschutz (Schiene) zu verbessern; dazu soll eine Innovationsprämie für leise Güterwagen Anreize setzen. Außerdem möchte die Bundesregierung Verkehrsmittel besser vernetzen und so mehr Verkehr auf Schiene und Wasserstraßen ermöglichen. Auch die Anbindung von Wasserstraßen und Häfen an das Hinterland will sie stärken. Vorgesehen ist auch, die Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen auszuweiten sowie Maut-Einnahmen für Pkw zu prüfen.

Pläne der Großen Koalition auf einem guten Weg, aber weiterhin nicht ausreichend

Die Pläne der Bundesregierung zur Verkehrsinfrastruktur sind zwar grundsätzlich positiv, kritisch sieht der VCI aber:

  • Die vorgesehenen Finanzmittel für die Verkehrsinfrastruktur reichen - trotz deutlicher Erhöhung - nicht aus. Eine bessere Investitionsplanung setzt klare verkehrspolitische Ziele sowie eine Priorisierung des Einsatzes der notwendigen Mittel an Hand des Verkehrsaufkommens und des Schadensausmaßes der vorhandenen Infrastruktur voraus. Die Gelder müssen dahin fließen, wo sie wirklich gebraucht werden – und dies über alle Verkehrsträger hinweg.
  • Es fehlt ein praxisorientierter Infrastrukturbericht, der Schwachstellen aufdeckt, den tatsächlichen Bedarf aufzeigt und damit als Entscheidungsgrundlage dienen kann.
  • Die Investitionsmittel müssen über mehrere Jahre hinweg und projektbezogen festgeschrieben werden, damit die Bundesländer Infrastrukturprojekte kontinuierlich durchführen können. Zu unterstützen ist die Bündelung aller Kompetenzen in einer bundesweit agierenden Infrastrukturgesellschaft, zunächst mit Fokus auf Bundesautobahnen, um knappe Planungsressourcen besser nutzen zu können.
  • Wird die Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen ausgeweitet, werden Transporte teurer.
  • Eine Vereinheitlichung der Nutzungsgebühren im Binnenschiffsverkehr bedeutet höhere Kosten für Verlader.
  • Die Ziele, um den Lärmschutz (Schiene) zu verbessern, sind zu begrüßen, aber in der Praxis kurzfristig nicht vollständig umsetzbar. Eine einheitliche Lösung auf europäischer Ebene ist notwendig.

Aus dem Inhalt des Positionspapiers:

  • Verkehrsinfrastruktur und die chemische Industrie
  • Die größten Chemiestandorte und Infrastrukturengpässe in Deutschland
  • Aktuelle politische Entwicklung
  • VCI-Forderungen
  • Priorisierung der Infrastruktur-Engpässe allgemein und nach Regionen

Das vollständige Positionspapier mit einem Umfang von 30 Seiten finden Sie im Downloadbereich im Kopf dieser Seite.

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