VCI-Position zum Schienengüterverkehr

Lärmminderung beschleunigen, Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Die chemische Industrie unterstützt alle Maßnahmen, die dazu beitragen, den umweltfreundlichen und sicheren Verkehrsträger Schiene weiter zu fördern und die Lärmbelastung zu reduzieren. Um den Schienengüterverkehr attraktiv zu halten, müssen aber auch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass er sowohl im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern als auch innerhalb Europas wettbewerbsfähig bleibt.

VCI appelliert: Die Umrüstung von Güterwaggons auf lärmarme Sohlen braucht die richtigen Anreize. © Deutsche Bahn AG
VCI appelliert: Die Umrüstung von Güterwaggons auf lärmarme Sohlen braucht die richtigen Anreize. © Deutsche Bahn AG

Auf die chemische Industrie entfallen fast 9 Prozent (= rund 32 Millionen Tonnen) des gesam­ten Schienengüterverkehrs in Deutschland (= 366 Millionen Tonnen). Dabei haben die Bedeutung und der Anteil des Verkehrsträgers in den vergangenen Jahren kontinuier­lich zugenommen. Dieser Trend hält unvermindert an.

Volldampf für Nachhaltigkeit: Chemie forciert Transport auf der Schiene

Eine Ursache dafür ist darin zu sehen, dass der Eisenbahntransport eine im Vergleich mit dem Straßengüterverkehr positive CO2-Bilanz aufweist. Vor dem Hintergrund, dass sich die chemische Industrie für das Thema Nachhaltigkeit einsetzt, ist dies bei der Entschei­dung für einen Verkehrsträger ein wichtiges Kriterium geworden.

Gerade beim Gefahrguttransport hat die Schiene gegenüber der Straße Systemvorteile. Unabhängig von gesetzlichen Bestimmungen (die bei sogenannten Listengütern den Schienen- bzw. Binnenschifftransport vorschreiben), wird daher regelmäßig in den Unternehmen der chemischen Industrie geprüft, ob insbesondere gefährliche Güter weiter auf die Schiene verlagert werden können.

Auch bei anderen Chemikalienbeförderungen findet eine solche Überprüfung statt. Würden die Voraussetzungen geschaffen (mehr Bahntrassen und Kapazitäten), könnten noch mehr Transporte auf die Schiene verlagert werden.

Binnenwasserstraßen werden von der chemischen Industrie ebenfalls stark genutzt. Dieser Verkehrsweg ist allerdings anfällig. Kommt es hier zu Ausfällen (z. B. wegen Niedrigwassers), sind Schienentransporte die einzig sinnvolle Alternative. Sie sind dann zur Aufrechterhaltung der Produktion und für den Industriestandort Deutschland unverzichtbar.

Der Einzelwagenverkehr – aus Sicht der chemischen Industrie der direkte Konkurrent zum LKW – macht dort etwa 60 bis 65 Prozent aus. Für die chemische Industrie stellt er das „Herzstück“ des Schienengüterverkehrs dar.

Mehr Schiene, weniger Lärm – klares Ziel auch für die Chemie

Dem Thema „Lärm“ kommt beim Schienentransport eine große Bedeutung zu. Im Koa­litionsvertrag ist das Ziel verankert, die Lärmbelastung durch Schienenverkehr bis zum Jahr 2020 zu halbieren. Die chemische Industrie unterstützt ausdrücklich Maßnahmen, die zur Lärmminderung beitragen.

Durch die Zulassung der LL-Sohle (Low noise low friction) und die damit mögliche Umrüstung der eingesetzten Bahnwagen besteht die technische Möglichkeit, die angestrebte Lärmreduzierung zu erreichen. Die Umrüstung auf die neuen LL-Sohlen ist relativ einfach; die Auswirkungen auf Betrieb und Instandhaltung europaweit verkeh­render Güterwagen sind dagegen komplex.

Umrüstung im Einzelwagenverkehr braucht die richtigen Anreize

Aus Sicht der chemischen Industrie weist das derzeitige deutsche Fördersystem für die Umrüstung Systemfehler auf, die eine zügige Modernisierung im Einzelwagenverkehr eher erschweren als erleichtern. Diese Tatsache sowie die zusätzliche Androhung ordnungspolitischer Maßnahmen sind keine Anreize zur Umrüstung, sondern schrecken vor weiteren Investitionen in den Schienengüterverkehr ab.

Die Forderung der chemischen Industrie lautet daher: Es ist eine Lösung zu finden, mit der schnellstmöglich alle Wagen für die Beförderung in Europa auf lärmarme Sohlen umgerüstet werden.

Der Appell an die Politik in der Zusammenfassung:

Der Schienengüterverkehr muss im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern und innerhalb Europas wettbewerbsfähig erhalten werden, und zwar durch folgende Maßnahmen:

  • Voraussetzungen für die Verlagerung von Transporten auf die Schiene schaffen (mehr Kapazitäten);
  • Anreize für Investitionen in lärmarme Wagen geben;
  • europaweite Lösung zur Forcierung der Umrüstung finden.
Solange es zu keiner sachgerechten Lösung kommt, stellt sich der Schienengüterverkehr dadurch, dass er mehr (zusätzliche) Kosten verursacht (ohne dass dies kurzfristig zu Lärmminderung führt) und keine bedarfsgerechten Kapazitäten anbietet, selbst immer weiter ins Abseits und wird für die Verlader unattraktiv. Eine solche Entwicklung würden wir außerordentlich bedauern.

Die detaillierte Argumentation der chemischen Industrie zum Thema Schienengüterverkehr und Lärmminderung finden Sie im Positionspapier des VCI zum Thema (Umfang: 3 Seiten). Es steht im Downloadbereich dieser Seite zum Herunterladen bereit.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Andrea Heid

E-Mail: heid@vci.de