Initiativen zur Zertifizierung sollten freiwillig bleiben

Palmöl: Ein nachhaltiger Rohstoff?

Palmöl – damit verbinden viele die Rodung von Regenwald und die Vertreibung bedrohter Arten. Tatsächlich hatte die Ausweitung der Flächennutzung für den Anbau von Ölpalmen in den vergangenen Jahren etwa in Indonesien auch negative Folgen für die Umwelt. Andererseits ist die Ölpalme im Vergleich zu allen anderen Ölpflanzen mit Abstand am ertragreichsten und damit am sparsamsten im Flächenverbrauch.

Eine Palmölplantage: Die deutsche Chemie setzte 2015 93.500 t Palmkernöl (davon 45 Prozent zertifiziert) und 152.000 t Palmöl (25 Prozent zertifiziert) ein. Die beiden Produkte werden vor allem für Wasch- und Reinigungsmittel, kosmetische Mittel, Seifen, Kerzen, Bioschmierstoffe, Gummi, Pharmazeutika, Kunststoffe und Farben eingesetzt. - Foto: © ThKatz - Fotolia.com
Eine Palmölplantage: Die deutsche Chemie setzte 2015 93.500 t Palmkernöl (davon 45 Prozent zertifiziert) und 152.000 t Palmöl (25 Prozent zertifiziert) ein. Die beiden Produkte werden vor allem für Wasch- und Reinigungsmittel, kosmetische Mittel, Seifen, Kerzen, Bioschmierstoffe, Gummi, Pharmazeutika, Kunststoffe und Farben eingesetzt. - Foto: © ThKatz - Fotolia.com

Das geht auch aus der kürzlich erschienenen Studie des WWF hervor. Darin schätzt der Umweltverband, dass ein vollständiger Ersatz von Palmöl und Palmkernöl durch einen Mix aus anderen Pflanzenölen den Flächenbedarf verfünffachen würde. Hinzu kommt, dass vor allem das aus den Kernen der Ölfrucht gewonnene Palmkernöl Eigenschaften hat, die für die Nutzung in der chemischen Industrie benötigt werden. Für die Herstellung von Tensiden für Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemittel eignen sich heimische Pflanzenöle nicht. Nur Kokosnussöl ist eine Alternative – und ebenfalls ein tropisches Öl. Für den WWF gilt daher: Kein Palmöl ist auch keine Lösung. Von Unternehmen fordert der WWF, nur noch auf Nachhaltigkeit zertifiziertes Palmöl zu beziehen, dabei hohe Anforderungen an die Zertifizierung zu stellen und bei Initiativen mitzuarbeiten, die strengere Nachhaltigkeitskriterien fordern.

Eine solche Initiative ist das Forum für nachhaltiges Palmöl (FONAP). Die Unternehmen Henkel, REWE und Unilever hatten das FONAP zusammen mit dem WWF 2013 gegründet. Finanziell gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, ist FONAP seit 2015 ein eingetragener Verein. Derzeit hat er 42 Mitglieder, vorwiegend Unternehmen aus den Bereichen Lebensmittel, Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemittel sowie dem Einzelhandel. Das Sekretariat stellt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Mehr zertifiziertes Palmöl

Ziel des FONAP ist es, den Anteil von segregiertem, zertifiziertem Palmöl und Palmkernöl oder entsprechender Derivate in Deutschland, Österreich und der Schweiz signifikant zu erhöhen und möglichst schnell zertifiziertes Palmöl und Palmkernöl für diese Märkte verfügbar zu machen. Die Mitglieder verpflichten sich, seit 1. Januar 2016 zu 100 Prozent nachhaltig zertifiziertes Palmöl und Palmkernöl einzukaufen. Für Palmöl gilt, dass das zertifizierte Öl in der Lieferkette getrennt transportiert und gelagert werden muss („Segregation“). Bei Palmkernöl muss diese Trennung ab dem 1. Januar 2018 eingehalten werden, bis dahin reicht eine rechnerische Nachverfolgung des zertifizierten Öls entlang der Lieferkette aus („Mass Balance“). Derivate und Fraktionen müssen im Jahr 2020 in „Mass Balance“ zertifiziert bezogen werden. Neben der dadurch bewirkten Beeinflussung des Marktes ist die Verbesserung der Zertifizierungssysteme ein Schwerpunkt der Arbeit des FONAP. Das Forum sieht sich außerdem als Informations- und Austauschplattform.

Der VCI begleitet die Nachhaltigkeitsdiskussion um nachwachsende Rohstoffe seit vielen Jahren intensiv. Wichtig ist aus Sicht der Chemie, dass den Unternehmen die Entscheidung überlassen bleibt, ob sie zertifizierte Ware beziehen, und wenn ja, nach welchem System. Dabei muss anerkannt werden, dass es ohne Nachfrage auch keinen „Business case“ gibt – was vor allem bei Produkten, die sich nicht an Endkunden richten, oft der Fall ist. Für die Sitzung des Arbeitskreises Nachwachsende Rohstoffe im Frühjahr 2017 ist die Fortsetzung des Dialogs mit dem Forum Nachhaltiges Palmöl geplant.

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Ansprechpartner

Dipl.-Kfm. Tilman Benzing

E-Mail: tbenzing@vci.de