Open-Source-Ansatz schützen

Digitale Sequenzinformationen schaffen Wissen

Immer effizientere und günstigere Hochdurchsatz-Sequenziertechniken führen zu immer größeren biologischen Datenmengen. Die digitalen Sequenzinformationen (DSI) werden in unterschiedlichen Datenbanken gespeichert. Insbesondere die USA, die EU und Japan haben es sich zum Ziel gesetzt, einen freien und unbegrenzten Zugriff auf diese Daten zu ermöglichen.

Digitale Sequenzinformationen sollten nach Ansicht der DIB nicht stärker reguliert werden. - Foto: © Mopic/stock.adobe.com
Digitale Sequenzinformationen sollten nach Ansicht der DIB nicht stärker reguliert werden. - Foto: © Mopic/stock.adobe.com

Der Open-Source-Ansatz beim Umgang mit DSI ermöglicht ungeheure Fortschritte in der Gesundheits- und Naturschutzforschung sowie in der Entwicklung neuer Lösungen für Nahrungsmittelsicherheit und Klimaschutz. Dieser Ansatz ist allerdings in Gefahr, wenn die Nutzung von DSI in das Nagoya-Protokoll aufgenommen werden sollte.

Der rasante Fortschritt in den Life Sciences, wie beispielsweise „Next Generation Sequencing", Metagenomstudien, die Metatranskriptomforschung oder die Synthese von Nukleinsäuren, hat zu effizienteren und günstigeren Verfahren geführt. Damit kann die genetische Vielfalt umfassend charakterisiert werden. Außerdem kann genetisches Material ohne physischen Transfer genutzt werden. Zur Synthese reicht die digitale Information über das Material aus. Die Bedeutung dieser virtuellen genetischen und biologischen Ressourcen nimmt in jüngster Zeit stark zu. Die Vertragsstaaten des Nagoya-Protokolls diskutieren über eine mögliche Einbeziehung von DSI in das Vertragswerk.

Forschung in Gefahr

Aus Sicht der DIB sprechen wichtige Argumente gegen die Aufnahme von DSI in den Text des Nagoya-Protokolls. Dieser internationale Vertrag reguliert genetische Ressourcen, die physisch und damit greifbar sind. Weiterhin sagt das Nagoya-Protokoll, dass eine genetische Ressource funktionelle Erbeinheiten enthalten muss. Immaterielle DSI erfüllen beide Kriterien nicht. Diese Ansicht teilen die EU-Kommission, die Bundesregierung und die International Chamber of Commerce.

Sollten DSI dem Nagoya-Protokoll unterworfen werden, ginge das zulasten des wissenschaftlichen Fortschritts. So analysiert beispielsweise die Wirkstoffforschung große Datensätze von DNA-Sequenzen.

Außerdem wären umfangreiche Rückverfolgungs- und Kontrollmaßnahmen notwendig, wodurch die Kosten für Forschung und Entwicklung deutlich steigen würden. Analysen digitaler Datensätze dürften nur noch nach vorheriger Zustimmung durch das Ursprungsland durchgeführt werden, wobei diese für jede konkrete DSI eingeholt werden müsste.

Rechtsrahmen ausreichend

Eine Einbeziehung von DSI in den Geltungsbereich des Nagoya-Protokolls würde neue Verhandlungen durch die Vertragsparteien sowie eine notwendige Änderung der Definition einer „genetischen Ressource“ mit sich bringen, was Jahre dauern würde.

DSI können aber in bilateralen Verträgen zwischen den Bereitstellern und Nutzern einer genetischen Ressource direkt geregelt werden. Diese Möglichkeit bietet das Protokoll schon heute. DSI müssen also nicht extra in das Nagoya-Protokoll aufgenommen werden.

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Dieser Artikel ist im chemie report 12/2018 erschienen.

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Ansprechpartner

Dr. Ricardo Gent

E-Mail: gent@dib.org