Endokrine Disruptoren

Bitte sinnvoll regulieren

Die Europäische Kommission hat Mitte letzten Jahres einen Vorschlag vorgelegt, mit welchen Kriterien sie hormonell schädliche Stoffe identifizieren will. Bislang gab es im Gesetzgebungsprozess noch keine Mehrheit für den Vorschlag. Der VCI hat bei einer Veranstaltung im Europaparlament im April über seine Sicht auf die aktuellen Entwicklungen informiert.

Würde man die geplanten Kriterien für hormonell schädliche Stoffe auf natürlich vorkommende Stoffen wie Soja anwenden, so würden auch diese als endokrine Disruptoren eingestuft. - Foto: © Piyaset - Fotolia.com
Würde man die geplanten Kriterien für hormonell schädliche Stoffe auf natürlich vorkommende Stoffen wie Soja anwenden, so würden auch diese als endokrine Disruptoren eingestuft. - Foto: © Piyaset - Fotolia.com

Der Kommissionsvorschlag wurde im Laufe des letzten Jahres im politischen Prozess auf Betreiben einiger Mitgliedsstaaten weiter verschärft. Eine Einigung im zuständigen Kommissionsausschuss konnte bisher jedoch nicht erreicht werden. Danach muss auch noch das Europäische Parlament über den Vorschlag abstimmen. Sollten die Kriterien in der derzeitigen Ausgestaltung verabschiedet werden, könnten in Zukunft wichtige Wirkstoffe in Pflanzenschutz- und Biozidprodukten automatisch verboten werden.

In dieser Situation suchte der VCI den Dialog mit Europaparlamentariern und deren Mitarbeitern. Wie in der Öffentlichkeit wird auch unter den Europaabgeordneten das Thema endokrine Disruptoren kontrovers diskutiert. Bei einigen finden die Argumente der chemischen Industrie bereits Gehör. Jens Gieseke (CDU) etwa sagte zur Begrüßung bei der VCI-Veranstaltung im Europaparlament: „Es gibt bei diesem Thema keine einfachen Antworten, wie einige Kritiker glauben machen wollen. Wir brauchen sichere Schwellenwerte, keine Pauschallösungen.“ Susanne Melior (SPD) wiederum betonte, dass ihr die Diskussion zwar zu schwarz-weiß geführt werde, das Problem aber auch nicht kleingeredet werden dürfe: „Es gibt auch gefährliche Substanzen, die verboten werden müssen. Hier sehe ich die Industrie in der Verantwortung, auch nach alternativen Substanzen zu suchen.“

Friedrich Dechet vom Industrieverband Agrar versicherte, dass die Industrie bereits intensiv nach neuen Substanzen für Pflanzenschutzmittel suche: „Die Möglichkeiten sind aber begrenzt. Die Palette der Chemie ist hier endlich.“ Daher sei es folgenschwer, wenn durch die Einschätzung als endokrine Disruptoren viele Substanzen im Pflanzenschutz verloren gingen. Dechet: „Dann fallen ganze Wirkstoffklassen weg und damit in einigen Fällen die Grundlage für das Resistenzmanagement und somit für einen wirksamen Pflanzenschutz – etwa im Bereich der Pilzbekämpfungsmittel im Getreide- und Kartoffelanbau. Und das, obwohl durch eine risikobasierte Bewertung Sicherheit für Mensch und Umwelt geschaffen werden kann.“ VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann betonte in diesem Zusammenhang, dass die Industrie nachhaltig handle und mit ihren Pflanzenschutzmitteln zur Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln beitrage.

Ellen Dhein (Bayer AG) machte deutlich, dass endokrin schädliche Stoffe ihrer Meinung nach durchaus sinnvoll regulierbar sind: „Die Kriterien müssen aber so ausgestaltet werden, dass nur diejenigen Substanzen erfasst und reguliert werden, die wirklich gefährlich sind. Wir brauchen eine Unterscheidung zwischen regulierungsbedürftigen und nicht regulierungsbedürftigen hormonell aktiven Stoffen. Der aktuelle Kommissionsvorschlag ist aber nicht geeignet, dieses Ziel zu erreichen.“ Würde man die Kriterien auf natürlich vorkommende Stoffe wie Koffein oder Soja anwenden, so würden auch diese als endokrine Disruptoren eingestuft, so Dhein.

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Ansprechpartner

Dr. Michael Lulei

E-Mail: lulei@vci.de