Aktueller Report zur medizinischen Biotechnologie in Deutschland

Biopharmazeutika weiter im Aufschwung

Der 2018er-Report zur aktuellen Lage der medizinischen Biotechnologie in Deutschland ist erschienen. Die Interessengruppe Biotechnologie im Verband der forschenden Pharma-Unternehmen, vfa bio, und The Boston Consulting Group (BCG) haben den Bericht erstellt. Er umfasst die wichtigsten Wirtschaftsdaten der medizinischen Biotechnologie für 2017 und legt in diesem Jahr den Fokus unter anderem auf Biopharmazeutika für Patienten mit Stoffwechselerkrankungen.

Zellvermehrung in der biopharmazeutischen Produktion: Die Wirtschaftsdaten zeigen einen anhaltenden Aufschwung der medizinischen Biotechnologie in Deutschland seit 2005. - Foto: © Boehringer Ingelheim
Zellvermehrung in der biopharmazeutischen Produktion: Die Wirtschaftsdaten zeigen einen anhaltenden Aufschwung der medizinischen Biotechnologie in Deutschland seit 2005. - Foto: © Boehringer Ingelheim

Die Wirtschaftsdaten belegen im Langzeitvergleich seit 2005 den anhaltenden Aufschwung der medizinischen Biotechnologie in Deutschland. Die Umsätze mit Biopharmazeutika haben sich von 2005 bis 2017 von 2,6 Milliarden Euro auf 10,2 Milliarden Euro fast vervierfacht. Der Umsatzanteil von Biopharmazeutika am Gesamtpharmamarkt hat sich innerhalb der letzten 12 Jahre mehr als verdoppelt. Die zunehmende Bedeutung der Biopharmazeutika spiegelt sich auch im deutlichen Anstieg der Pipeline-Projekte wider, die von 256 im Jahr 2005 auf 639 im Jahr 2017 auf das fast Zweieinhalbfache angewachsen sind. Fast verdoppelt hat sich im selben Zeitraum die Zahl der zugelassenen Biopharmazeutika (inklusive biotechnologisch hergestellter Impfstoffe) von insgesamt 155 auf 274 Zulassungen. Dieser positive Trend schlägt sich ebenfalls in der Zahl der Arbeitnehmer nieder. Von 26.420 Beschäftigten im Jahr 2005 ist die Zahl der Angestellten in der biopharmazeutischen Industrie auf mehr als 47.000 im Jahr 2017 gestiegen.

Biopharmazeutika-Produktion stärken

1982 wurde mit Insulin das erste mittels Gentechnik hergestellte Biopharmazeutikum zugelassen. Es wurde mit gentechnisch veränderten Darmbakterien (E. coli) erzeugt. Insuline konnten bis dahin nur aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen und Rindern gewonnen werden. Ohne den Einsatz der Gentechnik hätte jedoch schon ab Mitte der 1990er-Jahre die herkömmliche Insulinproduktion den Bedarf nicht mehr decken können.

Die gentechnische Produktion von Proteinwirkstoffen für Biopharmazeutika ist aufwendig, zeit- und kostenintensiv. Sie ermöglicht aber die Produktion von Proteinen mit völlig neuen Struktureigenschaften, die mittels herkömmlicher chemischer Verfahren nicht herstellbar sind. Zudem ermöglichen Biopharmazeutika Versorgungssicherheit und erhöhen die Sicherheit vor Krankheitserregern. So ersetzten gentechnische Wachstumshormone das natürliche, vormals aus Leichenhirnen gewonnene Hormon, das in einigen Fällen zur Übertragung der tödlichen Krankheit „CJD“ (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) geführt hatte. Bei der Herstellung von Hepatitis-B-Impfstoffen machte Gentechnik die Aufarbeitung des Bluts von Infizierten obsolet.

Stoffwechselerkrankte behandeln

Ende 2017 waren 51 Biopharmazeutika zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen zugelassen, davon mehr als die Hälfte (27 Zulassungen) zur Behandlung von Diabetes und 11 Biopharmazeutika zur Behandlung lysosomaler Speicherkrankheiten. Bei Stoffwechselerkrankungen liegen gestörte Verteilungs- und Umwandlungsprozesse für Stoffe wie Kohlenhydrate, Lipide und Proteine im Körper vor.

Den Innovationszyklus stärken

Um in Deutschland weiterhin erfolgreich neue Biopharmazeutika entwickeln, produzieren und den Patienten verfügbar machen zu können, sollten alle Beteiligten im Gesundheitssystem Hand in Hand arbeiten, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen, Biopharmazeutika angemessen bewerten und die Patientenversorgung verbessern.

Autoren: Dr. Sabine Sydow ( s.sydow@vfa.de ), Elina Fecher ( elina.fecher@dib.org )

Service

Report Medizinische Biotechnologie - Cover:
Report Medizinische Biotechnologie - Cover: © BCG / vfa bio
„Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2018 - Biopharmazeutika: Wirtschaftsdaten, Produktion und Nutzen für Patienten mit Stoffwechselerkrankungen" (Report von BCG und vfa bio mit einem Umfang von 61 Seiten)













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Dieser Artikel ist im chemie report 07+08/2018 erschienen.

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Ansprechpartner

Elina Fecher

E-Mail: elina.fecher@dib.org