Neuauflage der Studie zur medizinischen Biotechnologie in Deutschland

Biopharmazeutika gewinnen weiter an Bedeutung

Der aktuelle Report zur Lage der medizinischen Biotechnologie in Deutschland liegt vor. Die Neuauflage ist von „The Boston Consulting Group“ (BCG) für vfa bio im Verband forschender Pharma-Unternehmen erstellt worden. Sie umfasst alle Aktivitäten in der medizinischen Biotechnologie von Start-ups bis zu Großunternehmen.

Die Fermentation von Mikroorganismen ist ein wichtiger Schritt bei der Herstellung von Biopharmazeutika. - Foto: © Boehringer Ingelheim
Die Fermentation von Mikroorganismen ist ein wichtiger Schritt bei der Herstellung von Biopharmazeutika. - Foto: © Boehringer Ingelheim

Die medizinische Biotechnologie in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr erneut positiv entwickelt. 2016 wurde in Deutschland mit Biopharmazeutika ein Umsatz von rund 9,3 Milliarden Euro erzielt, was einem Wachstum von 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Umsatzanteil am Gesamtpharmamarkt beträgt 24,8 Prozent und verdeutlicht den wachsenden Stellenwert von Arzneimitteln, die mit Biotechnologie erzeugt werden.

Wachstum gab es vergangenes Jahr in fast allen Anwendungsgebieten, insbesondere bei Mitteln gegen Krebs und immunologische Erkrankungen. Die umsatzstärksten Sparten sind erneut die Immunologie, die Onkologie sowie die Therapie von Stoffwechselerkrankungen, die zusammen knapp 74 Prozent des Gesamtumsatzes mit Biopharmazeutika ausmachen. Innerhalb dieser Gruppe zeigte die Onkologie mit 24 Prozent das stärkste Wachstum.

Die Umsatzsteigerung hat mit dazu beigetragen, dass die Firmen neue Mitarbeiter einstellen konnten. Die Zahl der Beschäftigten in der medizinischen Biotechnologie stieg 2016 um 8,1 Prozent auf den neuen Rekordwert von rund 44.100.

Insgesamt wurden vergangenes Jahr 38 neue Arzneimittel in Deutschland und der EU zugelassen – darunter 14 Biopharmazeutika. Ihr Anteil am Gesamtmarkt ist mit rund 37 Prozent der höchste Wert seit der ersten Zulassung eines Biopharmazeutikums. Ende 2016 waren damit insgesamt 252 Biopharmazeutika (inkl. biotechnologisch hergestellter Impfstoffe) für den deutschen Markt zugelassen. Das entspricht einem Zuwachs von 5 Prozent.

Wert innovativer Krebstherapien

Im Mittelpunkt der diesjährigen BCG-Studie stehen neue biopharmazeutische Therapiekonzepte in der Onkologie. Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Hier werden jährlich über eine halbe Million Neuerkrankungen diagnostiziert. Weltweit sind es circa 14 Millionen pro Jahr. Jedoch ist die Diagnose Krebs immer häufiger kein Todesurteil mehr, sondern Krebs wird zunehmend zu einer behandelbaren chronischen Erkrankung. Heute können Patienten nach der Diagnose wesentlich länger überleben. Immer häufiger kann Krebs auch dank innovativer Biopharmazeutika sogar vollständig besiegt werden.

Hand in Hand

Dennoch gibt es noch viel zu tun. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird Krebs vorerst aller Voraussicht nach weiter die Todesursache Nr. 2 in Deutschland bleiben.

Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten im Gesundheitssystem an einem Strang ziehen, Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion in Deutschland sicherstellen und die Grundlagenforschung weiter ausbauen. Außerdem sollte das System innovationsoffen und verlässlich gestaltet werden, wobei der Fokus auf dem Wert von Arzneimitteln (Value-based Health Care) liegt.

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Dr. Sabine Sydow (s.sydow@vfa.de) und Stanislaus Koch (s.koch@dib.org)
Dieser Artikel ist im chemie report 07+08/2017 erschienen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Stanislaus Koch

E-Mail: s.koch@dib.org