Neue Verfahren der Pflanzenzüchtung in der Analyse

Bedeutung von Genome Editing für die Biotechnologie

Momentan läuft in Europa eine Debatte über neue Verfahren der Pflanzenzüchtung. Im Kern geht es um die Frage, wie diese durch den Gesetzgeber zu bewerten sind. Im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung spielen diese Methoden nicht nur in der Pflanzenzüchtung, sondern auch in der Medizin und bei der Herstellung von bio-basierten Produkten eine essenzielle Rolle.

Sehr genaue Methode: Beim Genome Editing führt eine molekulare „Sonde“ ihre molekulare „Schere“ punktgenau an die Stelle in der DNA, die verändert werden soll. - Foto: © Mopic - Fotolia.com
Sehr genaue Methode: Beim Genome Editing führt eine molekulare „Sonde“ ihre molekulare „Schere“ punktgenau an die Stelle in der DNA, die verändert werden soll. - Foto: © Mopic - Fotolia.com

Die neuen Verfahren der Pflanzenzüchtung werden unter dem Fachbegriff „Genome Editing“ zusammengefasst. Darunter versteht man eine Reihe von molekularbiologischen Methoden, die als hochpräzises Allzweckwerkzeug in der Forschung und Entwicklung unter anderem in der Chemie, in Pharma und Diagnostika, in der Pflanzenzüchtung und im Pflanzenschutz genutzt werden. Die bekannteste Methode, CRISPRCas9, entdeckte man in den Abwehrsystemen von Bakterien, die sich damit gezielt gegen Viren schützen. Sie funktioniert nicht nur bei Bakterien, sondern universell bei allen Zellen. Ihre aktuellen und potenziellen Anwendungsbereiche reichen von gezielten Mutationen in Moskitos, um Malaria effektiv zu bekämpfen, über die selektive Eliminierung antibiotikaresistenter Keime bis hin zu klimaresistenteren Pflanzen. In der Bioökonomie wird beispielsweise mit Produktionsorganismen zur Gewinnung von Terpenen und Alkaloiden gearbeitet.

So päzise wie noch nie

Die neuen Methoden gleichen einem mikrochirurgischen Eingriff: Eine molekulare „Sonde“ führt ihre molekulare „Schere“ punktgenau an die Stelle in der DNA, die verändert werden soll. Diese Schnittstellen in der DNA werden wieder repariert, indem sie entweder direkt miteinander verbunden werden, ohne dass Erbmaterial dazwischen eingesetzt wird oder indem ein definiertes Stück DNA in die Schnittstelle eingesetzt wird. Diese Reparaturmechanismen sind in jeder Zelle natürlicherweise vorhanden. Gene können so an- oder ausgeschaltet, eingefügt oder entfernt werden. Die Erbinformation wird so präzise bearbeitet, als wäre sie ein Text in einem Schreibprogramm – Buchstabe für Buchstabe.

Differenzierte Bewertung nötig

Ob Genome Editing und weitere zukünftige molekularbiologische Methoden sich in Europa und Deutschland langfristig etablieren, hängt entscheidend davon ab, ob die damit entwickelten Organismen und Produkte innovationsfördernd oder innovationsverhindernd geregelt werden. Dies wird zurzeit auf EU-Ebene diskutiert. Die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) ist der Ansicht, dass die rechtliche Einordnung aller Methoden und zukünftiger Verfahren im Rahmen des aktuellen EU-Gentechnikrechts und der nationalen Umsetzungen problemlos möglich ist: Organismen fallen dann nicht in den Geltungsbereich des Gentechnikrechts, wenn das Endprodukt keine fremde DNA enthält.

Sie fallen nur dann in den Geltungsbereich des Gentechnikrechts, wenn nachweisbar und damit identifizierbar auch genetisches Material von nicht miteinander kreuzbaren Organismen eingeführt wird. Jede Methode aus rein politisch-ideologischen Gründen einfach als Gentechnik einzustufen wäre unsachgemäß und würde insbesondere die Forschung, Entwicklung und Produktion kleiner und mittelständischer Unternehmen in Europa und Deutschland existenzgefährdend treffen.

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Ansprechpartner

Dr. Ricardo Gent

E-Mail: gent@vci.de