Chemieverband veröffentlicht Empfehlungen

Gute Praxis für Industriepromotionen

Es gibt Doktoranden, die bereits einen Arbeitsplatz in der Industrie haben, wenn sie an ihrer Promotion arbeiten. Für diese sogenannten Industriepromotionen hat der VCI vor kurzem Empfehlungen formuliert. Der Hintergrund: Die Hochschulrektorenkonferenz sieht hier Fehlentwicklungen, die es zu beheben gelte.

Industriepromotionen machen etwa 5 Prozent der rund 200.000 Promotionen im Jahr aus. © kasto/stock.adobe.com
Industriepromotionen machen etwa 5 Prozent der rund 200.000 Promotionen im Jahr aus. © kasto/stock.adobe.com

In letzter Zeit häufen sich Klagen von Universitäten, dass Firmen auf ihren Internetseiten Promotionsmöglichkeiten bewerben, ohne auf die essenzielle Rolle der Hochschulen zu verweisen. „So werden Promotionsinteressierte durch unternehmenseigene ‚Promotionsprogramme‘ angeworben, obwohl Unternehmen weder über einen Doktortitel, noch über die Annahme eines bestimmten Kandidatin oder Kandidaten an einer Universität entscheiden können“, kritisiert Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Dabei sind die Verantwortlichkeiten in Deutschland klar geregelt: Das Promotionsrecht ist an den Hochschulen verankert. Sie sind verantwortlich für das Promotionsverfahren: Das beginnt bei der Auswahl des Promotionswilligen, der gemeinsamen Formulierung des Promotionsthemas durch den Promovierenden und seinen Mentor, umfasst die wissenschaftliche Betreuung während des Forschungsprozesses durch den Doktorvater oder die -mutter und endet schließlich mit der Bewertung der Dissertation durch die Universität. Diese Vorgehensweise gilt im Prinzip auch für „Industriepromotionen“. Sie machen etwa 5 Prozent der rund 200.000 Promotionen im Jahr aus.

Die chemische Industrie pflegt traditionell gute Beziehungen zur Wissenschaft: über die zahlreichen Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen sowie über den Fonds der Chemischen Industrie. Um die hohe wissenschaftliche Qualität von Dissertationen zu halten, hat der VCI Empfehlungen für Industriepromotionen formuliert:

  • Auf der Grundlage von Vereinbarungen zwischen Hochschule und Unternehmen ist sicherzustellen, dass die Partnerhochschule in die Auswahl der Bewerber auf „externe Promotionsstellen“ eingebunden wird. Von einseitigen Zusagen gegenüber Bewerbern sollten die Unternehmen daher Abstand nehmen.
  • Die Themenauswahl für die Dissertation muss mit dem an der Hochschule für die fachliche Betreuung (Begutachtung) der Arbeit zuständigen Hochschullehrer abgestimmt werden. So können etwaige eigene Forschungsinteressen des Hochschulpartners berücksichtigt werden.

Umgang mit Betriebsgeheimnissen

Die Universitäten bemängeln außerdem, dass bei vielen Industriepromotionen Verträge zu weitgehende Geheimhaltungsverpflichtungen enthalten. Doch für Promotionsverfahren gilt aufgrund prüfungsrechtlicher Regelungen, dass die Erfordernisse der Veröffentlichung der Ergebnisse zu erfüllen sind. Um diesen Interessenkonflikt zu entschärfen, schlägt der VCI vor, bereits im Vorfeld der Kooperation klare Regeln zwischen Firmen und Partnerhochschule zum Umgang mit Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen zu vereinbaren, zu denen der Doktorand als „Unternehmensmitarbeiter“ Zugang erhält. Das gilt auch für die wissenschaftlichen Ergebnisse, die der Doktorand im Rahmen der Industriepromotion erarbeitet. Sofern Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse betroffen sind, empfiehlt der VCI weiter, dass der die Industriepromotion betreuende (begutachtende) Hochschullehrer nach Abschluss einer Geheimhaltungsvereinbarung vollen Einblick in die wissenschaftlichen Arbeiten erhält.

Der Chemieverband ist überzeugt: Wenn sich die Unternehmen an den Empfehlungen orientieren, werden die Industriepromotionen für alle attraktiv: Doktoranden, Hochschulen und Firmen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Hans-Jürgen Klockner

E-Mail: klockner@vci.de