Jahresgutachten der EFI-Kommission

Agilere Forschungspolitik nötig

Die Expertenkommission Forschung und Innovation hat kürzlich ihr 12. Jahresgutachten vorgelegt. Darin zeigt sie sich zwar grundsätzlich zufrieden mit der deutschen Forschungspolitik, ist aber besorgt, dass die Prozesse und Strukturen der Politik derzeit mit der externen Dynamik nicht mithalten können.

Kernthemen des EFI-Jahresgutachtens 2019 sind die Rolle von Start-ups im Innovationssystem, Innovationen für die Energiewende, Blockchain und Digitalisierung der Hochschulen. - Foto: © Gorodenkoff/stock.adobe.com
Kernthemen des EFI-Jahresgutachtens 2019 sind die Rolle von Start-ups im Innovationssystem, Innovationen für die Energiewende, Blockchain und Digitalisierung der Hochschulen. - Foto: © Gorodenkoff/stock.adobe.com

„Wir erneuern daher auch unsere Beobachtung, dass die Forschungs- und Innovationspolitik agiler werden muss, um neue Entwicklungen frühzeitig aufgreifen und zum Wohle der Bürger gestalten zu können“, sagte der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), Dietmar Harhoff, bei der Übergabe des Gutachtens an die Bundeskanzlerin.

So weisen die sechs EFI-Mitglieder auf die wichtige Rolle von Start-ups im Innovationssystem hin: Start-ups verfolgen neue Geschäftsmodelle, erweitern und modernisieren mit ihren Innovationen das Angebot an Produkten und Dienstleistungen. Darüber hinaus seien sie Impulsgeber für Innovationen in etablierten Unternehmen. Außerdem spielten Start-ups eine wichtige Rolle beim Erkenntnis- und Technologie-Transfer aus der Wissenschaft in die Praxis. Diese Auffassung teilt auch der VCI: „Chemie-Start-ups stärken die Innovationskraft unserer Branche und sind wichtig, um die Nachhaltigkeitsziele der UN zu erreichen“, betont Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt im VCI.

Wagniskapital fördern

Mit Blick auf die vielfältigen Funktionen kritisiert die EFI-Kommission jedoch, dass „Start-ups in Deutschland – besonders in der Wachstumsphase – immer noch Probleme haben, Wagniskapital zu bekommen“. Daher empfehle man, Anreize für institutionelle Anleger zu setzen, stärker in Venture Capital zu investieren und die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapitalfonds weiter zu verbessern. Diese Forderungen unterstützt der Chemieverband nachdrücklich: „Die Finanzierung innovativer Unternehmen und Start-ups muss vor allem durch Risikokapital weiter verbessert werden“, unterstreicht Romanowski.

Die Rahmenbedingungen für Innovationen sollen nach Meinung der EFI-Experten mit einer steuerlichen Forschungsförderung, wenn auch nur für kleine und mittlere Unternehmen bis 249 Beschäftigte, weiter verbessert werden. Die Experten verweisen auf Studien, denen zufolge jedem Euro Steuermindereinnahmen im Mittel zusätzlich mobilisierte private FuE-Aufwendungen von 1,33 Euro als positive Wirkung gegenüberstehen.

Empfehlungen der Kommission gibt es auch zur Digitalisierung der Hochschulen. Hier spiegele sich der hohe Stellenwert nicht im bisher erreichten Digitalisierungsstand wider, heißt es in dem Gutachten. Daher sollten die Bildungspolitiker von Bund und Ländern die Hochschulen mit einer Digitalisierungspauschale unterstützen. „Die Digitalisierung des strukturell unterfinanzierten deutschen Hochschulsystems ist eine Daueraufgabe, die einer nachhaltigen Finanzierung bedarf“, so die Kommission.


Dieser Artikel ist im chemie report 03/2019 erschienen.

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Dr. Martin Reuter

E-Mail: reuter@vci.de