Zukünftige Wasserstoffnetze

Wasserstoffwirtschaft braucht passende Regeln

Um mehr zum Klimaschutz beitragen zu können, braucht die Chemie in Zukunft immer mehr treibhausgasneutral hergestellten Wasserstoff. Derzeit wird diskutiert, welche Regeln es für die nötige Infrastruktur geben soll.

Beim Ausbau der Infrastruktur für Wasserstoff steht auch der Regelrahmen im Fokus. - Bild: © bluedesign/Fotolia.com
Beim Ausbau der Infrastruktur für Wasserstoff steht auch der Regelrahmen im Fokus. - Bild: © bluedesign/Fotolia.com

Mit ihrer nationalen Wasserstoffstrategie hat die Bundesregierung im Juni eine politische Vision für eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft als Teil der Energiewende vorgelegt. Die Chemie nimmt hierbei eine Schlüsselrolle ein, denn sie ist heute mit einem Bedarf von mehr als 12 Milliarden Kubikmetern pro Jahr der größte Wasserstoffnutzer. Für eine Dekarbonisierung der deutschen Chemie bis 2050 wird sich dieser Bedarf nahezu versiebenfachen und muss darüber hinaus auch treibhausgasneutral erzeugt werden.

Die Wasserstofferzeugung wird künftig zu großen Teilen nahe der regenerativen Stromerzeugungsanlagen (beispielsweise Offshore-Windkraft) erfolgen und leitungsgebunden zu den Abnehmern transportiert werden. Dafür sind Wasserstoffnetze nötig.

Netze bilden das Rückgrat

In liberalisierten Energiemärkten dienen Netze als diskriminierungsfreie Plattformen, damit Energieprodukte ohne Barrieren von Erzeugern zu Abnehmern fließen können. Möglich ist das aber nur, wenn ein diskriminierungsfreier Netzzugang besteht, das heißt keinem qualifizierten Marktteilnehmer ein Netzanschluss verweigert wird. Darüber hinaus bedarf es der Regulierung von Entgelten für die Netznutzung, damit einerseits die Netzbetreiber angemessene Erlöse erwirtschaften können, die Netznutzer andererseits aber nicht zu viel bezahlen. Während dies im Strombereich seit langem funktioniert, sind Wasserstoffnetze bislang nicht reguliert. Die Bundesnetzagentur hat unlängst eine Konsultation eingeleitet, um den Bedarf nach Regulierung bei künftigen Wasserstoffnetzen herauszufinden. Der VCI hat sich daran beteiligt.

Anforderungen der Industrie beachten

Aus Sicht des VCI müssen die genannten Grundsätze der Netzregulierung auch für künftige Wasserstoffnetze gelten. Ein entsprechender Rechtsrahmen wäre auch erforderlich, um frühzeitig zu Rechts- und Investitionssicherheit beizutragen. Allerdings müssen hierbei die historisch gewachsenen, bereits bestehenden Wasserstoffinfrastrukturen und -leitungen berücksichtigt werden, die im Bereich der Industriegase genutzt werden. Diese unterscheiden sich bezüglich des Druckniveaus und der Reinheitsanforderungen der Kunden an den angelieferten Wasserstoff wesentlich von den Anforderungen an eine öffentliche Versorgungsinfrastruktur. Gegen eine unmittelbare und sofortige Ausweitung einer Regulierung auf solche bestehenden Netze sprechen auch Vertragsverpflichtungen und Vertrauensschutzgründe. Deshalb sind im Falle der grundsätzlichen Einbeziehung von Wasserstoffnetzen in die Netzregulierung für eine angemessene Übergangszeit Regulierungserleichterungen erforderlich.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Alexander Kronimus

E-Mail: kronimus@vci.de