Europäische Wasserstoff-Strategie vorgestellt

EU zieht beim Wasserstoff nach

Selten ist ein chemisches Element so in aller Munde wie in diesen Tagen: Nachdem die deutsche Bundesregierung im Juni ihre Wasserstoffstrategie vorgestellt hat, zog einen Monat später auch die Europäische Kommission nach und stellte ihre Sicht der Dinge vor. Für den VCI ist die europäische Ausrichtung mindestens ebenso wichtig wie die deutsche.

Ein Element, viele Begehrlichkeiten: Die deutsche Chemie braucht für Treibhausgasneutralität 2050 sieben Mal so viel Wasserstoff wie heute. - Bild: © Thomas/stock.adobe.com
Ein Element, viele Begehrlichkeiten: Die deutsche Chemie braucht für Treibhausgasneutralität 2050 sieben Mal so viel Wasserstoff wie heute. - Bild: © Thomas/stock.adobe.com

Wasserstoff bildet den Ausgangspunkt wichtiger chemischer Wertschöpfungsketten, die auf den Basischemikalien Ammoniak und Methanol basieren. Hierfür kommen jährlich ca. 12,5 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff in Deutschland zum Einsatz. Sofern Wasserstoff treibhausgasarm hergestellt wird, trägt dieser auch zu Dekarbonisierung chemischer Wertschöpfungsketten bei. Bei Verwendung von erneuerbarem Strom für die Herstellung von Wasserstoff wird der Stromsektor mit dem produzierenden Sektor gekoppelt. Eine solche Sektorkopplung wird auch im Wärme- und Mobilitätssektor angestrebt, wo Wasserstoff fossile Brennstoffe ersetzen soll. Dies bedeutet auch, dass sich ein potenzieller Wettbewerb um den Rohstoff „Wasserstoff“ entwickeln kann.

Wasserstoffanteil im Energiemix soll steigen

Mit der Verabschiedung der Nationalen Wasserstoffstrategie hat die Bundesregierung hierzulande einen ersten politischen Rahmen für die Entwicklung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft geschaffen. Die EU-Kommission hat nun mit ihrer eigenen Wasserstoff-Strategie den europäischen Rahmen vorgelegt, der bis 2050 eine Steigerung des Wasserstoffanteils im Energiemix von heute weniger als 2 Prozent auf bis zu 14 Prozent vorsieht. Die Strategie setzt – wie auch die nationale Wasserstoffstrategie – auf „grünen“ Wasserstoff, der elektrolytisch mit erneuerbarem Strom hergestellt wird. Um die Anbindung an einen künftigen internationalen Wasserstoffmarkt zu ermöglichen und den Markthochlauf zu beschleunigen, berücksichtigt die EU-Strategie vorübergehend allerdings auch treibhausgasarmen Wasserstoff. Dieser wird zwar auf fossiler Grundlage hergestellt, das dabei entstehende CO2 wird jedoch abgetrennt und dauerhaft gespeichert bzw. verwertet (CCU/S).

Technologieoffenheit entscheidend

Der VCI spricht sich für eine dauerhafte Technologieoffenheit aus: Die Nachhaltigkeit von Wasserstoff sollte ausschließlich auf der Grundlage seines CO2-Fußabdrucks bewertet werden und nicht aufgrund des Herstellungsverfahrens. Damit wird die Bereitstellung ausreichender Erzeugungskapazitäten für die großen künftig benötigten Wasserstoffmengen wahrscheinlicher und kostengünstiger. Zur Umsetzung ihrer Strategie sieht die Kommission bis 2030 Investitionen von bis zu 450 Milliarden Euro, inklusive des zusätzlich notwendigen Erneuerbaren-Energien-Ausbaus vor. Die Koordinierung der Förderprojekte erfolgt in der „Clean Hydrogen Alliance“, einem Zusammenschluss der öffentlichen Hand und betroffenen Stakeholdern.

Grundsätzlich ist der Weg in eine Wasserstoffwirtschaft begrüßenswert, da dies eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der VCI Roadmap 2050 ist. Der europäische und internationale Ansatz, der mit einer europäischen Wasserstoffstrategie gewählt wird, ist richtig. Gleichwohl sind noch einige Aspekte zu diskutieren, darunter insbesondere die angesprochene Technologieneutralität. Der VCI wird sich auf diesem Weg weiter konstruktiv einbringen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Alexander Kronimus

E-Mail: kronimus@vci.de