VCI-Hintergrundpapier

Grundlagen zur Markteinführung von Stromspeichern aus Sicht der chemischen Industrie

Experten aus der Chemie forschen an leistungsstarken Stromspeichern. Doch einige Vorschriften wirken sich hemmend auf die Markteinführung von Stromspeichern aus, wie aus einem Hintergrundpapier des VCI hervorgeht. Das Papier formuliert Eckpunkte für die Regulierung von Stromspeichern ohne Sektorübergang („Strom zu Strom“) als ersten Schritt einer umfassenden Analyse.

Die Kapazität verfügbarer Stromspeicher ist heute sehr knapp. Aus Sicht der chemischen Industrie ist es daher notwendig, Anreize für eine bessere Markteinführung von Stromspeichern zu schaffen. - Foto: © lekcets - stock.adobe.com
Die Kapazität verfügbarer Stromspeicher ist heute sehr knapp. Aus Sicht der chemischen Industrie ist es daher notwendig, Anreize für eine bessere Markteinführung von Stromspeichern zu schaffen. - Foto: © lekcets - stock.adobe.com

Über die zahlreichen Wind- und Photovoltaik-Parks wird an wind- und sonnenreichen Tagen mehr Strom produziert, als das Strom- und Energienetz aufnehmen kann. Dies ist trotz der Pläne zum Ausbau der Stromnetze heute schon regional und lokal ein ernsthaftes Problem.

Wie kann dieser über Bedarf produzierte Strom genutzt werden? Analysen von Fachleuten aus VCI-Mitgliedsunternehmen zeigen, dass Stromspeicher eine gute und wichtige Option zur Einspeisung erneuerbarer Energien in das deutsche Stromnetz sind: Sie schaffen die nötige Flexibilität an Wind- und Sonnentagen, indem sie Strom aufnehmen, und diesen bei Dunkelheit oder Flaute wieder abgeben. Doch die Kapazität verfügbarer Stromspeicher ist heute sehr knapp. Dieses Problem wird aufgrund des weiteren Ausbaus erneuerbarer Energien verschärft.

Mögliche Lösungen wären, künftig Strom auch zum Heizen in Industrieprozessen, in Wohnhäusern und für Mobilität zu nutzen. Experten aus der Chemie forschen daher intensiv an Lösungen für leistungsfähige Stromspeicher. Diese können allerdings nur auf den Markt gebracht werden, wenn keine gesetzlichen Regelungen entgegenstehen. Dies ist jedoch in der Praxis teilweise der Fall.

Der VCI hat daher seine zentralen Anforderungen an einen Regulierungsrahmen für eine erfolgreiche Markteinführung von Stromspeichern formuliert: Ihre Bedeutung für die Versorgungssicherheit muss erkannt und Investitionsanreize für weitere Speicher müssen gesetzt werden. Letzteres kann man erreichen, indem der Speicherstrom von Preisaufschlägen wie Netzentgelten, Umlagen und der Stromsteuer befreit wird. Zum Teil ist der Gesetzgeber dieser Idee bereits gefolgt und hat mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 die Doppelbelastung von Speicherstrom mit der EEG-Umlage aufgehoben: Die Umlage wird nicht mehr auf die Speicherung und auf den Verbrauch des zwischengespeicherten Stroms erhoben. Doch dieser durchaus sinnvolle Ansatz der Politik kann erweitert werden: Aus Sicht des VCI sind Stromspeicher nur eine von mehreren technischen Optionen für die Flexibilisierung des Strommarktes. Eine Alternative ist beispielsweise eine „lastflexible“ Produktion, das heißt, eine Produktion „unter Volldampf“ beziehungsweise mit „begrenzter“ Kapazität. Stromspeicher und alternative Optionen sollten deshalb bei einer Belastung mit Umlagen gleich behandelt werden. Denn nur Technologieneutralität führe langfristig zu volkswirtschaftlich optimierten Kosten und zu möglichst vielen Anbietern von Stromspeichern und flexiblen Stromnutzern, heißt es in dem Hintergrundpapier.

Funktionierender Strommarkt nötig

Schwankende Strompreise bilden die ökonomische Grundlage für einen flexiblen Strombezug in der Industrie und für die Integration von Speichern in den Markt: So würde Strom bei niedrigen Strompreisen gespeichert und bei erhöhten Strompreisen abgegeben werden. Deshalb brauchen Speicher zur Integration erneuerbarer Energien einen funktionierenden Strommarkt, der Knappheit und Angebotsüberschuss durch Preissignale ohne politische Eingriffe anzeigt.

Regulierung in Forschung beachten

Der VCI tritt weiter dafür ein, Anforderungen an einen Regulierungsrahmen für Stromspeicher bereits in Forschung und Entwicklung zu berücksichtigen. Jede Regulierung, die Investitionen in Speicherkapazitäten begünstigt, stimuliert die Forschung. Eine Möglichkeit, Anreize zur technischen Entwicklung zu setzen, besteht darin, mehr Effizienz zu erreichen: Jede Stromspeicherung erzeugt Speicherverluste. Sinnvoll wäre es daher, nur auf diese Verluste Entgelte, Umlagen und Stromsteuer zu erheben.

Inhalt des VCI-Hintergrundpapiers

  1. Einleitung und Zielsetzung
  2. Stromspeicher als Flexibilisierungsoption
    1. Flexibilisierungsoptionen
    2. Abgrenzung von Stromspeichern
    3. Anwendung von Stromspeichern
    4. Optionen der Stromspeicherung
  3. Strukturierung regulatorischer Vorgaben für die Stromspeicherung
    1. Regulierungsstruktur nach Speicherphasen
    2. Identifizierung von Regulierungsbedarfen
  4. Empfehlungen für Eckpunkte einer Stromspeicherregulierung
    1. Stromspeicherdefinition
    2. Definition Speicherstrom
    3. Marktrolle
    4. Netz- und Systemdienstleistungen
    5. Netznutzungsentgelte
    6. Umlagebelastung
    7. Strommärkte
    8. Netzzugang
    9. Strombesteuerung
    10. Netzausbaualternative

Das vollständige Hintergrundpapier des VCI mit einem Umfang von 26 Seiten finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (sog. „Langfassung").


Dieser Bericht zum HIntergrundpapier ist in modifizierter Fassung im chemie report 09/2017 erschienen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Alexander Kronimus

E-Mail: kronimus@vci.de

Dr. Martin Reuter

E-Mail: reuter@vci.de