Rohstoff der Zukunft

Wasserstoff macht mobil und hilft der Industrie

In der politischen Diskussion über die weitere Umsetzung der Energiewende wird Wasserstoff immer wichtiger. Das Gas ermöglicht saubere Mobilität und spielt auch in vielen industriellen Prozessen eine wichtige Rolle. Es gibt jedoch noch einige Hürden für eine breite Nutzung.

Am Standort Leuna produziert Linde grünen Wasserstoff auf Basis von Rohglycerin. - Foto: © Linde AG
Am Standort Leuna produziert Linde grünen Wasserstoff auf Basis von Rohglycerin. - Foto: © Linde AG

Gegenwärtig basiert die Wasserstoffproduktion in der chemischen Industrie überwiegend auf Erdgasreformierung. Dabei wird Erdgas in Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid überführt. Neue, innovative Verfahren sind in der Erprobung. Dazu gehört zum Beispiel die Methanpyrolyse, die eine energieeffiziente Wasserstoffherstellung ermöglicht. Dabei wird Erdgas direkt in die Bestandteile Wasserstoff und Kohlenstoff gespalten. Kommt die für die Pyrolyse benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen, kann Wasserstoff CO2-frei produziert werden.

Einige Unternehmen der chemischen Industrie betreiben oder planen den Bau von sogenannten Elektrolyseuren, mit denen Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt werden kann. Vorhandene Anlagen für Chlor-Alkali-Elektrolyse können ebenfalls zur Produktion von „grünem“ Wasserstoff beitragen, wenn sie mit regenerativ erzeugtem Strom betrieben werden. Die verschiedenen Anwendungen haben einen unterschiedlichen technologischen Stand. Einige befinden sich in der Forschung, andere werden bereits seit Längerem oder erst seit Kurzem angewandt.

Die chemisch-pharmazeutische Industrie verbraucht jährlich rund 137 TWh Erdgas, wovon rund ein Viertel in der Produktion und der Rest weitgehend thermisch verwendet wird. Würde man dieses Erdgas durch „grünen“ Wasserstoff ersetzen, könnten die Treibhausgasemissionen der Branche stark verringert werden.

Noch läuft nicht alles rund

Eine emissionsarme Wasserstoffwirtschaft umfasst etwa den Bereich Mobilität in Form von alternativ betriebenen Autos, Lkw und Zügen. In der chemischen Industrie wird Wasserstoff zum Beispiel für die Ammoniak- und Methanolherstellung gebraucht. Beide Chemikalien sind die Ausgangsbasis für Düngemittel, Essigsäure und vielfältige andere Stoffe. Größtes Hemmnis für eine breite Nutzung sind die Kosten. Grüner Wasserstoff ist im Vergleich zu Alternativen deutlich teurer. Ein weiteres Problem ist, dass Wasserstoffbeimischungen in Erdgas Probleme bei bestimmten industriellen Anlagen verursachen. Um diese Herausforderung zu meistern, müssen die Einschränkungen im Gasnetzbetrieb berücksichtigt werden. Weiterhin sollte Forschung und Entwicklung für eine Wasserstoffwirtschaft gefördert werden. Außerdem muss die Abgaben- und Umlagesystematik für Strom im Energiewirtschaftsrecht geändert werden, um die Produktion von grünem Wasserstoff zu fördern.

Wasserstoff als VCI-Thema

Die Bundesregierung hat die Wichtigkeit von Wasserstoff erkannt und den Dialogprozess „Gas 2030“ begonnen, in den sich der VCI einbringt. Thema ist hier die Zukunft der Gasversorgung, insbesondere mit grünen Gasen. Um der Politik die Bedeutung von Wasserstoff zu verdeutlichen, hat der VCI Mitte Mai ein politisches Frühstück mit fünf Praxisbeispielen durchgeführt. Der VCI hat außerdem einen Verbände-Roundtable angestoßen, bei dem sich die Teilnehmer darüber austauschen, wie das Thema stärker im politischen Berlin verankert werden kann.

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Ansprechpartner

M.A. Jenna Juliane Schulte

E-Mail: j.schulte@vci.de