Neues Faktenpapier zur nachhaltigen Nutzung von Palm(kern)öl

Verzicht ist keine Lösung

Palmöl ist ein ebenso wichtiges wie umstrittenes tropisches Pflanzenöl. Die Ölpalme zeichnet sich durch sehr hohe Erträge aus. Aus ihren Früchten kann Palmöl aus dem Fruchtfleisch und Palmkernöl aus den Kernen gewonnen werden. Beide lassen sich für vielfältige Anwendungen nutzen: für Lebens- und Futtermittel, aber auch für die Herstellung von Biokraftstoff. Der VCI hat dazu nun ein neues Faktenpapier veröffentlicht.

Wichtiger Nutzer – die deutsche Chemie setzt 14 Prozent des Palmöls und 76 Prozent des Palmkernöls ein, das in Deutschland verbraucht wird. - Foto: © ThKatz - Fotolia.com
Wichtiger Nutzer – die deutsche Chemie setzt 14 Prozent des Palmöls und 76 Prozent des Palmkernöls ein, das in Deutschland verbraucht wird. - Foto: © ThKatz - Fotolia.com

Für die chemische Industrie in Deutschland sind Palmöl und Palmkernöl wichtige nachwachsende Rohstoffe. Palmöl wird zu einem großen Teil für die Herstellung von Kerzen verwendet, Palmkernöl dagegen vor allem als Ausgangsstoff zur Herstellung von Seifen und Tensiden (waschaktiven Substanzen).

Aufgrund der großen Nachfrage und der niedrigen Produktionskosten wurden in den vergangenen Jahrzehnten in großem Umfang neue Ölpalm-Plantagen angelegt. In der Vergangenheit war es gängige Praxis, dafür Regenwälder zu roden und damit Lebensräume von Tieren und Pflanzen zu zerstören. Dies hat zu einer grundsätzlichen Kritik an der Nutzung von Palm(kern)öl geführt.

Der VCI bringt sich seit vielen Jahren in die Diskussion um die Nachhaltigkeit der Nutzung nachwachsender Rohstoffe ein. Zu Palm(kern)öl hat der Arbeitskreis „Nachwachsende Rohstoffe“ nun ein Faktenpapier erstellt. Es soll einen faktenbasierten Beitrag zur Diskussion leisten und Wege aufzeigen, mit denen Unternehmen den Herausforderungen begegnen können.

Ein Verzicht auf Palm(kern)öl ist dabei keine Lösung, denn andere pflanzliche Öle für einen Ersatz würden wegen der geringeren Erträge noch mehr Anbaufläche benötigen. Dagegen ist die Zertifizierung der Lieferkette von Palm(kern)öl ein starker Hebel für Unternehmen, um die ökologischen und sozialen Probleme, die durch die Ausweitung von Ölpalm-Plantagen entstehen, anzugehen.

Verschiedene Zertifizierungssysteme, von denen das des „Roundtable on Sustainable Palmoil“ (RSPO) das bekannteste ist, werden in dem Papier vorgestellt, ebenso die unterschiedlichen Handelsoptionen innerhalb der Lieferketten. Sie unterscheiden sich darin, ob und wie strikt das nachhaltig zertifizierte Palm- oder Palmkernöl getrennt von anderen Ölen transportiert und verarbeitet wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Mitarbeit in Initiativen, die sich für eine verstärkte Nutzung nachhaltig zertifizierten Palm(kern)öls einsetzen, wie beispielsweise das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP).

Neben diesen praktischen Handreichungen geht das Papier auch auf die Herausforderungen ein, denen sich die chemische Industrie in der Produktion gegenübersieht. Das für die Chemie besonders wichtige Palmkernöl ist in zertifizierter Form bislang nur eingeschränkt verfügbar, weil seine Lieferkette durch die vom Fruchtfleisch getrennte Verarbeitung der Kerne deutlich komplexer ist als bei Palmöl.

Bei der chemischen Verarbeitung wiederum liegt die Komplexität in den zahlreichen aufeinanderfolgenden Produktionsschritten und der Verknüpfung von Produktionsanlagen. Für den Nachweis, dass die Produkte die zertifizierten Öle oder Derivate physisch enthalten, müssen die Anlagen physisch getrennt werden. Um die damit einhergehenden Ineffizienzen und Kosten zu vermeiden, wird in der Regel das Verfahren der Massenbilanzierung angewandt. Dabei werden die eingesetzten Mengen an zertifiziertem Öl und Derivaten buchhalterisch erfasst und über alle Liefer- und Produktionsschritte hinweg weitergegeben. Mit der Massenbilanzierung können die zertifizierten Mengen an Ölen und Derivaten Schritt für Schritt erhöht werden – im Einklang mit Nachfrage und Angebot.


Dieser Artikel ist im chemie report 05/2018 erschienen.

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