Nachhaltige Nutzung nachwachsender Rohstoffe

VCI-Faktenpapier zur Nutzung von Palm(kern)öl in der chemischen Industrie

Palmöl ist ein wichtiges Pflanzenöl, das sich durch sehr hohe Erträge auszeichnet. Auch für die chemische Industrie sind Palmöl und Palmkernöl wichtige nachwachsende Rohstoffe. Der Anbau von Ölpalmen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, mit den bekannten negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Die Herausforderung ist daher, den Anbau von Ölpalmen nachhaltig zu gestalten. Das Faktenpapier zeigt Wege auf, mit denen Unternehmen dieser Herausforderung begegnen können, etwa durch den Bezug nachhaltigkeitszertifizierter Öle oder Derivate.

Die chemische Industrie setzt sich für eine nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Palmöl bzw. Palmkernöl ein. - Foto. © ThKatz - Fotolia.com
Die chemische Industrie setzt sich für eine nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Palmöl bzw. Palmkernöl ein. - Foto. © ThKatz - Fotolia.com

Beschrieben wird darüber hinaus die Nutzung von Palm(kern)öl in der chemischen Industrie. Damit will das Papier einen faktenbasierten Beitrag zu der nach wie intensiven und kritischen Diskussion um die Nachhaltigkeit der Nutzung von Palm(kern)öl leisten. Auch eine kompakte Zahlen-Übersicht zur weltweiten Produktion der Pflanzenöle bzw. zum Anbau von Ölpalmen sind ergänzt.

Hintergrund

Aus der Frucht der Ölpalme können zwei unterschiedliche Öle gewonnen werden: Palmöl aus dem Fruchtfleisch und Palmkernöl aus den Kernen der Früchte. Weltweit wurden 2016 ca. 59 Millionen Tonnen Palmöl und ca. 6 Millionen Tonnen Palmkernöl produziert (1). Die beiden größten Anbaugebiete sind Indonesien und Malaysia. Beide Öle – hier zusammengefasst als Palm(kern)öl bezeichnet – sind für die chemische Industrie wichtige nachwachsende Rohstoffe. Dieses Papier soll einen faktenbasierten Beitrag zur Diskussion leisten.

(1) Quelle: OVID auf Basis Oil World: https://www.ovid-verband.de/positionen-und-fakten/ovid-diagramme/#gallery-24

Nutzung von Palm(kern)öl

Von den ca. 150.000 Tonnen Palmöl, die in der chemischen Industrie für den Markt in Deutschland im Jahr 2015 zum Einsatz kamen, gingen allein 70 Prozent in die Herstellung von Kerzen. Weitere Einsatzfelder waren u. a. die Seifen- und Tensidproduktion sowie die Bioschmierstoff-, Pharmazeutika- und Gummiherstellung.

Die Nutzung von Palm(kern)öl in Deutschland, 2015 - Grafik: VCI
Die Nutzung von Palm(kern)öl in Deutschland, 2015 - Grafik: VCI

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis: Der Palmölmarkt in Deutschland im Jahr 2015, Endbericht. Meo Carbon Solutions Team im Auftrag des Forum Nachhaltiges Palmöl, 2016. https://www.forumpalmoel.org/imglib/downloads/20160927_Palmoel-in-Deutschland_Endbericht.pdf Weitere Daten aus der Studie sind in der Tabelle "Fakten" am Ende dieser Seite angegeben.

Von den 94.000 Tonnen Palmkernöl für die chemische Industrie in Deutschland wurden im Jahr 2015 78.000 Tonnen als Ausgangsstoff zur Herstellung von Seifen und Tensiden (waschaktiven Substanzen) verwendet. Die restlichen Tonnagen für die chemische Industrie kamen u. a. für Bioschmierstoffe und Pharmazeutika zur Anwendung.

Exkurs: Nutzung von Palmkernöl zur Herstellung von Tensiden

  • Palmkernöl wird für die Tensidherstellung genauso wie Kokosöl aufgrund seines hohen Anteils an Fettsäuren mit mittlerer Kohlenstoffkettenlänge (C12-14) eingesetzt. Palmöl hingegen besitzt einen hohen Anteil an Fettsäuren mit höherer Kettenlänge (C16-18). Ein hieraus hergestelltes Tensid eignet sich daher nur für spezielle Anwendungen.
  • Auch Öle aus heimischen Pflanzen, z. B. Sonnenblumen oder Rapspflanzen, eignen sich prinzipiell zur Herstellung von Tensiden. Diese Tenside besitzen jedoch ein anderes Leistungsspektrum. Für die Herstellung solcher Tenside und deren Einsatz in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln besteht noch Forschungsbedarf.
  • Die Öle als nachwachsende Rohstoffe für die Herstellung von Tensiden stehen in Konkurrenz zu fossilen Ausgangsmaterialien (z. B. auf der Basis von Erdöl).

Herausforderungen

Aufgrund der großen Nachfrage und der niedrigen Produktionskosten nahm der Anbau von Ölpalmen in den vergangenen Jahrzehnten stark zu. Und auch heute werden neue Plantagen angelegt. In der Vergangenheit war es gängige Praxis, dafür Regenwälder zu roden und damit Lebensräume von Tieren und Pflanzen zu zerstören. Häufig sogar durch Brandrodungen, die zu erheblicher Luftverschmutzung und Treibhausgas-emissionen führen. Auch die Trockenlegung von Torfböden führt zu weiteren Treibhausgasemissionen. Kritisiert werden außerdem Menschenrechtsverletzungen auf den Plantagen.

Derartige Praktiken und Missstände wurden und werden von Umweltschutz-organisationen angeprangert. Dies hat auch zu einer grundsätzlichen Kritik an der Nutzung von Palm(kern)öl geführt. Forderungen aus der Gesellschaft, die genannten Missstände abzustellen, richten sich an alle Nutzer.

Dafür werden zwei Handlungsoptionen genannt:

1. Nachhaltiger Anbau, der durch Zertifizierung nachgewiesen werden kann

Um wirksam zu sein, d. h. vor allem umweltschädliche Landnutzungsänderungen auszuschließen, sollte eine Nachhaltigkeitszertifizierung möglichst alle Nutzungen umfassen und weltweit angewendet werden, denn alle Nutzungen greifen auf dieselben Flächen zu. Damit soll dem Öl, das nicht nachhaltig produziert wird, die Nachfrage entzogen werden.

In Europa ist die Nachhaltigkeitszertifizierung teilweise gesetzlich vorgeschrieben, teilweise erfolgt sie auf freiwilliger Basis. Als Reaktion auf die stark steigende Nachfrage nach Palmöl als Brenn- und Kraftstoff wurde für die energetische Nutzung eine verpflichtende Nachhaltigkeitszertifizierung als Bedingung für die staatliche Förderung erneuerbarer Energien eingeführt.

Für die schon seit langem etablierte Nutzung in anderen Bereichen – chemische Industrie, Lebens- und Futtermittel – gibt es keine staatliche Förderung, keine dadurch ausgelöste Nachfragesteigerung und daher auch keine gesetzliche Verpflichtung zur Nachhaltigkeitszertifizierung. Viele Akteure in der Lieferkette haben sich aber inzwischen freiwillig Ziele hinsichtlich des Einsatzes von zertifizierten Ölpalmprodukten gesetzt.

Das Problem umweltschädlicher Landnutzungsänderungen ist bei nachwachsenden Rohstoffen wie Palm(kern)öl besonders relevant. Andere Aspekte wie etwa schlechte Arbeitsbedingungen sind auch bei anderen Rohstoffen zu beklagen. Sie treten in der Regel dort auf, wo Umweltschutz- und Sozialgesetzgebung fehlen oder nicht umgesetzt werden. Freiwillige Initiativen der Nutzer der Rohstoffe können eine wichtige Basis für eine nachhaltige Rohstoffbeschaffung bilden und politische Aktivitäten ergänzen, etwa im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit, aber auch bilateralen Rohstoffabkommen und Rohstoffpartnerschaften.

2. Forderung nach Verzicht auf von Palm(kern)öl durch Substitution

Die Ölpalme zeichnet sich durch einen sehr hohen Ertrag, bezogen auf die Anbaufläche, aus. Ein Verzicht auf Palm(kern)öl mit Ersatz durch andere Öle wäre daher ökologisch und ökonomisch nicht zielführend.

Der WWF Deutschland hat in einer Studie berechnet, welche ökologischen Folgen ein vollständiger Ersatz von Palm(kern)öl bei allen Verwendungen in Deutschland hätte. Für die Gewinnung der „Ersatz-Pflanzenöle“ durch einen Mix aus Kokos-, Soja-, Sonnenblumen- und Rapsöl wäre ein Mehrfaches der Fläche notwendig, die in den ostasiatischen Erzeugerländern bisher für die Ölpalm-Plantagen zur Verfügung stehen. Die dafür erforderlichen Landnutzungsänderungen würden zu erhöhten Treibhausgasemissionen und Biodiversitätsverlusten führen.

Herausforderungen für die Nutzer von Palm(kern)öl in der Chemie

Um den nachhaltigen Anbau von Ölpalmen konkret und kurzfristig voranzubringen, ist eine Nachfrage nach nachhaltig angebautem Palm(kern)öl erforderlich. Entsprechend zertifiziertes Palmöl und Palmkernöl ist bereits heute auf dem Markt verfügbar. Zertifiziertes Palmkernöl ist bislang im Unterschied zu Palmöl jedoch nur eingeschränkt verfügbar. Die Palmkernöl-Lieferkette ist bereits zwischen Plantage, Ölmühle und den Anlagen für die Kernzerkleinerung, den sogenannten Crushern, komplexer und damit ist die Rückverfolgbarkeit schwieriger als beim Palmöl, da die Kerne getrennt von den Früchten verarbeitet werden.

Die Palmkerne als „Koppelprodukt“ der Ölpalme sind bis zu drei Wochen haltbar und müssen daher nicht sofort in den örtlichen Ölmühlen verarbeitet werden, wie das bei den Früchten der Fall ist, aus denen Palmöl hergestellt wird. Die Kerne werden gesammelt und zu separaten Verarbeitungsstätten gebracht, oft über mehrere hundert Kilometer, wo sie dann zusammen mit Kernen aus anderen Ölmühlen gemischt verarbeitet werden. Wenn Kerne aus zertifizierten Ölmühlen mit nicht zertifizierten Kernen gemischt werden, kann nachhaltig zertifiziertes Material verloren gehen. Entsprechend ist die Lieferkette bei Palmkernöl sehr viel komplexer und die Zertifizierung schwieriger, weshalb zertifiziertes Palmkernöl bislang nur eingeschränkt verfügbar ist.

Bei der Verarbeitung in der chemischen Industrie liegt die Komplexität in den zahlreichen aufeinanderfolgenden Produktionsschritten und der Verknüpfung von Produktionsanlagen. Die Lieferkettenoption „Mass Balance“ ist daher die gängige Variante (siehe „Handelsoptionen in der Lieferkette“). Eine physische Trennung der Produktionsanlagen wäre mit hoher Komplexität, Ineffizienzen und Kosten verbunden.

Die Akteure in der Liefer- und Verarbeitungskette – von der Plantage über die Ölmühle, die Verarbeitung in der Industrie bis zum Konsumenten – müssen einen Weg finden, die Lieferkette des Öls aus nachhaltig angebauten Ölpalmen nachzuverfolgen und zu zertifizieren. Dies ist vergleichsweise einfach möglich, wenn das Palm(kern)öl als solches im Endprodukt enthalten ist. Schwieriger wird eine zertifizierte Lieferkette bei der chemischen Weiterverarbeitung zu Derivaten, die in den unterschiedlichsten Produkten Verwendung finden.

Die Unternehmen der chemischen Industrie, die Stoffe herstellen, stehen in der Mitte der Palm-Wertschöpfungskette: Sie verarbeiten das über den Anbau von Ölpalmen auf Plantagen in Ölmühlen sowie Palmkernzerkleinerungsanlagen gewonnene Öl zu chemischen Derivaten. Diese Derivate gelangen schließlich als Bestandteil von Konsumgütern über den Einzelhandel zum Konsumenten. Konsumenten und Handel erwarten von den Unternehmen der Konsumgüterindustrie in zunehmendem Maße, nur nachhaltig zertifiziertes Palm(kern)öl bzw. Derivate einzusetzen oder auf Palm(kern)öl ganz zu verzichten. Derartige konkrete Anforderungen von Konsumenten gehen einher mit den Forderungen an Unternehmen, allgemein Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten zu übernehmen, beispielsweise bei Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben oder der Gewinnung von Rohstoffen. Insbesondere kleinen und mittelgroßen Herstellern von Derivaten (z. B. Tenside) dürfte es kaum möglich sein, eine erhöhte Nachfrage nach zertifizierten Rohstoffen im Markt zu generieren, da sie in der Wertschöpfungsstufe, in der sie sich befinden, auf Marktsignale lediglich reagieren, diese aber nicht selbst aussenden können.

Nachhaltigkeitszertifizierung als Weg

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Zertifizierungssysteme entwickelt, um eine nachhaltige Produktion und Herstellung von Palm(kern)öl zu fördern und nicht zuletzt auch der weltweiten Kritik an den Praktiken im Anbau zu begegnen. Sie alle verfolgen das Ziel, den Anbau von Ölpalmen nachhaltiger zu gestalten. Die Zertifizierung der Palm(kern)öllieferkette- vom Anbau bis zur stofflichen Nutzung ist ein starker Hebel, um die ökologischen und sozialen Probleme, die durch die Ausweitung von Ölpalm-Plantagen entstehen, anzugehen. Zertifizierungssysteme sind ein elementarer Teil der Lösung zu einer nachhaltigeren Palm(kern)ölproduktion. Sie allein können die Probleme jedoch nicht lösen. Dazu braucht es auch die Unterstützung der Politik und Gesetzgebung in den Anbauländern, die Durchsetzung bereits bestehender Gesetze sowie verantwortungsvolle Produzenten und Händler.

Nachfolgend werden sind einige Zertifizierungssysteme aufgeführt, die für den Bezug nachhaltig zertifizierten Palm(kern)öls genutzt werden können:

  • Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)
  • International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) Standard
  • Rainforest Alliance / Sustainable Agriculture Network (SAN) Standard
  • Roundtable on Sustainable Biomaterials (RSB)

Diese Systeme werden im Anhang des Papieres ausführlich vorgestellt.

Bei der Beschaffung von nachhaltig zertifiziertem Palm(kern)öl gibt es verschiedene Handelsoptionen innerhalb der Lieferketten. Sie unterscheiden sich darin, ob und wie strikt das nachhaltig zertifizierte Palm- oder Palmkernöl getrennt von anderen Ölen transportiert und verarbeitet wird. Die Zertifizierung und Auditierung der Plantagen ist immer erforderlich. Nicht alle Handelsoptionen werden von den vier beschriebenen Zertifizierungssystemen angeboten. In Klammern ist vermerkt, welche Systeme die jeweilige Handelsoption anbieten:

  • IP – Identity preserved (RSPO, RSB)
  • SG – Segregation (RSPO, ISCC, RSB)
  • MB – Mass Balance / Massenbilanz (RSPO, ISCC, RSB)
  • B&C – Book and Claim (RSPO)

Die Handelsoptionen werden im Anhang des Faktenpapiers ausführlich dargestellt.

Beispielhaft für Initiativen, die sich für eine verstärkte Nutzung nachhaltig zertifizierten Palm(kern)öls einsetzen, sei hier das Forum nachhaltiges Palmöl (FONAP) genannt:

Forum nachhaltiges Palmöl (FONAP)

  • Das Forum nachhaltiges Palmöl ist ein Zusammenschluss von derzeit 46 Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Verbänden und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Mitglieder haben sich das Ziel gesetzt, 100 % nachhaltig zertifiziertes Palmöl auf den deutschen, österreichischen und Schweizer Markt zu bringen und dabei sowohl die Bedingungen in den Anbauländern zu verbessern wie auch Verantwortung in den globalen Lieferketten zu übernehmen.
  • Konkret umgesetzt werden diese Ziele zum einen in Selbstverpflichtungen der Mitglieder. Zum anderen setzt sich das FONAP für Verbesserungen durch Zusatzkriterien in den Zertifizierungssystemen ein. Im RSPO nehmen die FONAP-Mitglieder gebündelt Einfluss und haben sich so bereits erfolgreich für mehr Transparenz eingesetzt. FONAP versucht auch, die anderen anerkannten Zertifizierungssysteme (ISCC plus, Rainforest Alliance und RSB) hinsichtlich der Zusatzkriterien zu verbessern.
  • Seit September 2017 gibt es im FONAP eine neue Mitglieder-Kategorie „Supporter“ mit angepassten Zielen, die es insbesondere Unternehmen der chemischen Industrie eine Mitgliedschaft ermöglichen soll. Aufgrund der Komplexität in den langen Verarbeitungswegen können die Hersteller von Derivaten die aktuelle Selbstverpflichtung der FONAP-Mitglieder nicht oder nur teilweise erfüllen. Mit der Einführung der neuen Kategorie und der Erarbeitung einer spezifischen, ambitionierten Selbstverpflichtung für Supporter soll nun ein Weg eröffnet werden, dem FONAP in einer anderen Form beizutreten. So können Unternehmen an der Erfüllung einer spezifisch auf sie zugeschnittenen Selbstverpflichtung arbeiten und ihre Verantwortung in der Lieferkette wahrnehmen.

Nachhaltigkeit als Lösung

Für die chemische Industrie ist Nachhaltigkeit die Balance zwischen wirtschaftlichemErfolg, sozialer Verantwortung und dem Schutz der Umwelt.

Beim Rohstoffeinsatz steht für die Chemie größtmögliche Ressourceneffizienz im Vordergrund, d. h. jeweils aus der Gesamtsicht bestmögliche Lösungen zu entwickeln, um die verschiedenen Rohstoffe so effizient und wirtschaftlich wie möglich einzusetzen. Nachwachsenden Rohstoffen kommt bei der Verbreiterung der Rohstoffbasis eine Schlüsselrolle zu, da sie neben der Nutzung von CO2 die einzige erneuerbare Kohlenstoffquelle für die stoffliche Nutzung in der chemischen Industrie darstellen. Um im Einzelfall entscheiden zu können, ob ein Einsatz nachwachsender Rohstoffe nachhaltig ist, sind vergleichende Analysen über den gesamten Lebenszyklus des jeweiligen Produktes notwendig. Ein besonders wichtiges Kriterium für die Bewertung der Nachhaltigkeit von nachwachsenden Rohstoffen ist die Erzeugung der Biomasse auf den nicht unbegrenzt erweiterbaren Ackerflächen. Der Anbau von Rohstoffpflanzen darf insbesondere nicht zu Lasten der Erzeugung von Nahrungs- oder Futtermitteln gehen. Auch müssen soziale Auswirkungen beachtet werden und es muss sichergestellt sein, dass für eine Ausweitung der Anbauflächen keine schützenswerten Ökosysteme zerstört werden. Hierzu fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft verschiedene Vorhaben.

Exkurs: Nachhaltigkeit als Leitbild für die chemische Industrie

  • Die chemische Industrie bekennt sich zu nachhaltigem Handeln sowohl was den Rohstoffeinsatz als auch die Produktion selbst betrifft. Ihre Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung dokumentiert sie durch Branchen- und Unternehmensinitiativen wie Chemie³ („Chemie hoch drei“), Responsible Care und Together for Sustainability. Initiativen im Bereich der Wasch- und Reinigungsmittel sind die Dialogplattform „FORUM WASCHEN“ und die Initiative „Nachhaltiges Waschen und Reinigen“ der Europäischen Wasch- und Reinigungsmittelindustrie.
  • Mit der 2013 gestarteten Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ (Chemie hoch drei) wollen die Allianzpartner – neben dem VCI die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) - Nachhaltigkeit als Leitbild in der gesamten Branche verankern und Beiträge der Chemieindustrie zu einer nachhaltigen Entwicklung ausbauen. Im Zentrum der Initiative stehen zwölf „Leitlinien zur Nachhaltigkeit für die chemische Industrie in Deutschland“. Sie dienen der Branche als Leitbild und unterstützen Unternehmen und Beschäftigte dabei, ihre Beiträge zur Nachhaltigkeit auszubauen. Für den Bezug und den Umgang mit Rohstoffen sind die Chemie³-Leitlinien 3, 8 und 9 einschlägig, die im Anhang vorgestellt werden.
  • Um die Leitlinien im betrieblichen Alltag mit Leben zu füllen, werden im Rahmen der Initiative Informations- und Unterstützungsangebote für die Mitglieder entwickelt. Ein Beispiel ist der Chemie³-Nachhaltigkeitscheck. Er unterstützt Unternehmen praxisnah dabei, die Erwartungen von Kunden, Nachbarn, Gesellschaft und Politik zu verstehen, und daraus Handlungsoptionen, Chancen und Risiken für das eigene Unternehmen abzuleiten. Zu den Themenfeldern – u. a. „Nachhaltigkeits-Standards in der Liefer- und/oder Wertschöpfungskette“ und „Partnerschaften mit Geschäftspartnern und/oder Stakeholdern“ – zeigt der Check Stärken und Schwächen auf und ermöglicht es, konkrete Verbesserungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Der Anhang des Papieres stellt Zertifizierungssysteme vor, die für den Bezug nachhaltig zertifizierten Palm(kern)öls genutzt werden könne.

Ergänzende Daten zur Nutzung von Palm(kern)öl in der chemischen Industrie in Deutschland, 2015

  • Nutzung Palmöl: 152.430 Tonnen
    • davon nachhaltigkeitszertifiziert: 38.522 Tonnen
  • Nutzung Palmkernöl: 93.453 Tonnen
    • davon nachhaltigkeitszertifiziert: 41.842 Tonnen
  • Nutzung Palmöl und Palmkernöl insgesamt: 245.883 Tonnen
    • davon nachhaltigkeitszertifiziert: 80.364 Tonnen

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis: Der Palmölmarkt in Deutschland im Jahr 2015, Endbericht. Meo Carbon Solutions Team 2016 https://www.forumpalmoel.org/imglib/downloads/20160927_Palmoel-in-Deutschland_Endbericht.pdf

Fakten kompakt rund um Palmöl und Palmkernöl

Gebiet Jahr Wert
Produktion Palmöl weltweit 2013/2014 53,5 Mio. t
Produktion RSPO-zertifiziertes Palmöl weltweit 2015 ca. 13 Mio. t
Produktion Palmkernöl weltweit 2013/2014 ca. 6,2 Mio. t
Produktion RSPO-zertifiziertes Palmkernöl weltweit 2015 ca. 3 Mio. t
durchschnittliche Produktivität Palmöl / Palmkernöl weltweit 2012-
2015
ca. 3,3 t/ha
Produktivität Palmkernöl weltweit 2007 0,4 – 0,8 t/ha
Laurinsäureanteil im Palmkernöl -- -- ca. 40-52 %
Anbaufläche Ölpalme weltweit 2013 ca. 17 Mio. ha
Anbaufläche Ölpalme Indonesien 2015 ca. 11 Mio. ha
RSPO-zertifizierte Anbaufläche Ölpalme weltweit 2015 ca. 2,8 Mio. ha
Anbaufläche Ölpalme Malaysia 2010 ca. 4,7 Mio. ha

Quellen: Zitiert nach: Faktenpapier zur Verwendung von Palm(kern)ölen in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln in Deutschland: FORUM WASCHEN, 2017: http://www.forum-waschen.de/files/content/Materialien/Faktenpapiere/2017_09_18_Faktenpapier_Palmkernoel.pdf

Das vollständige VCI-Faktenpapier mit einem Umfang von 15 Seiten inklusive ausführlicher Quellen-Angaben und Anhang zu den Zertifizierungssystemen und Handelsoptionen finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (sogenannte „Langfassung")

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