Bericht von Ellen MacArthur Foundation und McKinsey Center for Business and Environment:

Potenziale der Kreislaufwirtschaft - Kernaussagen eines Gutachtens und VCI-Schlussfolgerungen

Der Bericht "Growth Within: A Circular Economy Vision for a Competitive Europe" hat die Diskussion um die Kreislaufwirtschaft auf europäischer Ebene neu entfacht. Der VCI hat den Freiburger Umweltökonomen Professor Günther Schulze beauftragt, den Bericht aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten. Zwei Fragen standen dabei im Fokus: Wie belastbar sind die im Bericht aufgezeigten ökonomischen und sozialen Potenziale einer Kreislaufwirtschaft in Europa? Und welche Handlungsempfehlungen ergeben sich aus den Ergebnissen für Entscheider in Politik und Wirtschaft?

So sieht das Idealmodell einer Kreislaufwirtschaft in Europa aus. Der Weg dahin ist noch lang. Der VCI sieht in der Kreislaufwirtschaft grundsätzilch Chancen für die Branche, befürchtet aber Nachteile durch eine falsche politische Weichenstellung. - Illustration: © petovarga - Fotolia.com
So sieht das Idealmodell einer Kreislaufwirtschaft in Europa aus. Der Weg dahin ist noch lang. Der VCI sieht in der Kreislaufwirtschaft grundsätzilch Chancen für die Branche, befürchtet aber Nachteile durch eine falsche politische Weichenstellung. - Illustration: © petovarga - Fotolia.com

Inhalt des Berichts

Der Bericht "Growth Within: A Circular Economy Vision for a Competitive Europe" der Ellen MacArthur Foundation und des McKinsey Center for Business and Environment zeigt die Vision einer beschleunigten Umstellung der europäischen Wirtschaft in Richtung geschlossener Stoffkreisläufe auf.

Die Botschaft: Neue Technologien wie beispielsweise die Digitalisierung ermöglichen eine ressourcenschonende Produktion und eine ressourcenschonenden Konsum. Hemmnisse können, so die Autoren, durch smarte Regulierungen beseitigt und Anreize durch eine zielgerichtete Industriepolitik gesetzt werden. Wenn dann noch Abfälle nahezu vollständig recycelt werden, ergibt sich ein neues Wirtschaftsmodell für Europa, das nicht nur natürliche Ressourcen schont, sondern zusätzliche Wertschöpfungspotenziale bietet und Arbeitsplätze schafft.

Gutachten im Auftrag des VCI zum Bericht

Der Ellen MacArthur Bericht hat die Diskussion um die Kreislaufwirtschaft auf europäischer Ebene neu entfacht. Grund genug für den VCI, sich mit den Inhalten des Berichtes zu befassen. Der VCI hat daher den Freiburger Umweltökonomen Professor Günther Schulze beauftragt, den Bericht aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten.Insbesondere ging es um zwei Fragestellungen. Erstens: Wie belastbar sind die im Bericht aufgezeigten ökonomischen und sozialen Potenziale einer Kreislaufwirtschaftin Europa. Und zweitens: Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich aus den Ergebnissen für Entscheider in Politik und Wirtschaft?

Das Gutachten von Professor Schulze kommt zu dem Schluss, dass die aufgezeigten ökonomischen Potenziale viel zu optimistisch sind. Insbesondere bezweifelt er, dass die Wettbewerbsfähigkeit durch Regulierung gesteigert wird, denn dies sei, so der Ökonom, mit zusätzlichen Kosten für die Unternehmen und daher mit Nachteilen im internationalen Wettbewerb verbunden. Die wesentlichen Annahmen für die im Bericht aufgezeigten Entwicklungspfade werden im Bericht nicht benannt. Dies erschwert die Nachvollziehbarkeit der Berechnungen. Eine Analyse ausgewählter Originalstudien ergab zudem, dass die Darstellung im Ellen-MacArthur-Bericht teilweise nicht durch die Originalstudien gedeckt sind.

Professor Schulze kritisiert ferner, dass der Bericht kaum Anhaltspunkte für eine politische Weichenstellung liefert, mit der die Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft gelingen kann. Er vermisst insbesondere eine grundlegende Analyse der regulatorischen und ökonomischen Hemmnisse, ohne die sich keine konkreten Politikempfehlungen geben lassen.

Fazit des Gutachtens

Unter dem Strich sieht Professor Schulze den Bericht „Growth Within“ zwar als einen notwendigen und hilfreichen Denkanstoß, um die Diskussion um die Potenziale der Kreislaufwirtschaft zu befeuern. Der Bericht sei aber eben keine wissenschaftliche Studie. Vielmehr werden wissenschaftliche Ergebnisse anderer Studien zu einem Gesamtbild verdichtet, ohne dass sich im Detail mit den Ergebnissen der Primärstudien auseinandergesetzt oder die „Ergebnisse“ kritisch hinterfragt worden wären. Daher handelt es sich um eine „Vision“ und keine wissenschaftlich untermauerte Studie. Umfangreiche Analysen, weitere Studien und Gesetzesfolgenabschätzungen seien notwendig, um konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft abzuleiten.


Das Gutachten von Professor Günther Schulze (in englischer Sprache) hat einen Umfang von 22 Seiten und steht im Download-Bereich im Kopf dieser Seite unter "Ergänzende Downloads" bereit. Dort finden Sie auch einen Bericht aus dem chemie report 10/2016 zum Thema.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dipl.-Kfm. Tilman Benzing

E-Mail: tbenzing@vci.de

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