Treibhausgasneutralität

Die Suche nach Lösungen für 2050 beginnt heute

Für den Finanzsektor spielen der Klimaschutz und dessen Finanzierung eine immer größere Rolle. Die Weltbank hat daher Ende Mai in Frankfurt die Fachmesse „Innovate4Climate“ organisiert. Hier stellte sich auch die deutsche Chemie in einer Diskussionsveranstaltung den Experten vor – als Branche, die viel für den Klimaschutz tun kann, aber auch vor großen Herausforderungen steht.

Chancen und Herausforderungen – bei der Weltbank diskutierten (von links): Ralph Kleinschmidt (ThyssenKrupp), Utz Tillmann (VCI), Claus Beckmann (BASF) und Russel Mills (CIFF). - Foto: © VCI/Kreth
Chancen und Herausforderungen – bei der Weltbank diskutierten (von links): Ralph Kleinschmidt (ThyssenKrupp), Utz Tillmann (VCI), Claus Beckmann (BASF) und Russel Mills (CIFF). - Foto: © VCI/Kreth

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann leitete auf der Fachmesse die Diskussion, die unter dem Titel „Chemistry 4 Climate“ lief, mit dem Hinweis auf die Anstrengungen der Branche ein: „Wir arbeiten in unseren Betrieben kontinuierlich an der Verbesserung der Energieeffizienz. Und wir setzen unsere klügsten Köpfe ein, um transformative Technologien zu entwickeln, die eine nachhaltige Zukunft ermöglichen.“

Claus Beckmann, Leiter Energie- und Klimapolitik bei BASF, nannte den Energieeinsatz als wichtigsten Hebel für Fortschritte, der im BASF-Werk Ludwigshafen 75 Prozent der Treibhausgasemissionen verursacht. Ein langfristiger Umstieg auf emissionsfreie erneuerbare Energien sei daher wichtig. Beckmann: „Hier stellt sich aber auch die Frage der Kosten und der Versorgungssicherheit. Schließlich benötigt unser Standort etwa ein Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs.“

Neue Technologien gesucht

Laut Ralph Kleinschmidt, Thyssen-Krupp Industrial Solutions, ist für die globale Chemie die Lachgasreduktion ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld, da Lachgas eine 300-Mal so große Treibhausgaswirkung wie CO2 habe. Auch die Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff und von erneuerbarem Wasserstoff erforsche ThyssenKrupp, teilweise gemeinsam mit deutschen Chemiefirmen. So lasse sich CO2 aus den Abgasen von Stahl- und Kraftwerken extrahieren. Rechtliche Hürden erschwerten Fortschritte aber, sagte Kleinschmidt: „In Europa sind neue Technologien auch aufgrund von Vorschriften schwierig durchzusetzen.“

Claus Beckmann ergänzte, dass es bei Zukunftsprojekten häufig eine Kluft zwischen Machbarkeit und Bezahlbarkeit gebe. So erprobe die BASF eine Produktionslinie basierend auf Methan, eine entsprechende Pilotanlage sei aber noch nicht gebaut. Beckmann: „Die Investitionszyklen für solche Technologien sind sehr lang. Die Suche nach der Lösung für 2050 beginnt schon heute.“

Dritter Teilnehmer auf dem Podium war Russel Mills, Berater der Stiftung Children’s Investment Fund Foundation (CIFF), der die Niedrig-Emissionsstrategien und Transformationsprozesse von Industrien in Entwicklungsländern mit Projekten unterstützt. In seinen Augen ist der Weg zu einer Treibhausgasneutralität der Industrie noch nicht vorherzusagen und gerade für Betriebe in Schwellenländern eine große Herausforderung. Es zeichne sich ab, dass fast alle Industriezweige auf die Sektorkopplung durch den stärkeren Einsatz von Strom setzen, um den Einsatz von fossilen Rohstoffen zu begrenzen.

Eine Publikumsfrage betraf die Chancen für eine Umstellung der Rohstoffbasis der europäischen Chemie. Utz Tillmann wies darauf hin, dass die deutsche Branche durch ihr bewährtes und höchst effizientes Verbundsystem stark an die heutige Rohstoffbasis gebunden sei. Der Einsatz von Biomasse, die Methoden der Digitalisierung sowie ganz neue Prozesse und Verfahren würden aber zur weiteren Emissionssenkung beitragen, so Tillmann.


Dieser Artikel ist im chemie report 06/2018 erschienen.

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