Standpunkt

Klima schützen und Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Klimaschutz ist für die chemische Industrie ein wichtiges Thema. Die Branche leistet mit vielen innovativen Produkten einen erheblichen Beitrag für mehr Klimaschutz und reduziert auch in ihrer eigenen Produktion den Ausstoß von Treibhausgasen. Für eine wirkliche Trendwende beim globalen Klimaschutz braucht es aber internationale Vereinbarungen. Ein nationaler Alleingang in Deutschland, der auch noch die Industrie hierzulande zusätzlich belastet, ist nicht der richtige Weg.

VCI-Präsident Hans Van Bylen - Foto: © Henkel AG & Co. KGaA
VCI-Präsident Hans Van Bylen - Foto: © Henkel AG & Co. KGaA

Klimaschutz hat für die chemische Industrie eine hohe Bedeutung. Wir sehen darin nicht nur eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft und künftigen Generationen, sondern auch große Chancen für die Zukunft. Denn unsere Branche leistet mit vielen innovativen Produkten einen erheblichen Beitrag für mehr Klimaschutz.

So wird etwa durch den Einsatz von Kunststoffen der Treibstoffbedarf aller Fahrzeuge in Deutschland um ein halbe Milliarde Liter pro Jahr verringert. Neue Werkstoffe aus der Chemie sind für den Leichtbau unverzichtbar, um den Verbrauch weiter zu senken und die Reichweite elektrisch angetriebener Fahrzeuge zu erhöhen. Und mit innovativen Beschichtungen und Fasern für leistungsfähigere Windkraftanlagen trägt die Chemie auch dazu bei, dass die Windenergie im vergangenen Jahr den zweitgrößten Anteil zur deutschen Stromproduktion liefern konnte.

Auch in unserer eigenen Produktion ist die Bilanz positiv: Der Ausstoß von Treibhausgasen der Branche hat sich seit 1990 annähernd halbiert. Dazu hat auch der europäische Handel mit Zertifikaten für CO2-Emissionen einen wichtigen Beitrag geleistet. Er hat das für 2020 vorgegebene Ziel von minus 21 Prozent schon übertroffen. Der Emissionshandel gewährleistet, dass der Ausstoß von Treibhausgasen in Industrie und Energiewirtschaft bis 2030 um mindestens 43 Prozent sinken wird.

Es gibt nun Überlegungen in Deutschland, dieses System auf andere Sektoren wie Verkehr und Gebäude zu erweitern. Auch eine CO2-Steuer ist in der Diskussion. Angesichts der unbestreitbaren, globalen Herausforderungen im Klimaschutz ist es sicher richtig, über neue Instrumente oder Wege zu diskutieren. Doch sollten dabei die möglichen Auswirkungen – auch im internationalen Wettbewerb – ebenfalls genau betrachtet werden. Zusätzliche Kostenbelastungen für die Industrie müssen vermieden werden.

Eine Reihe von Regulierungen hat dazu geführt, dass sich die Energiekosten inzwischen zu einem kritischen Standortfaktor für viele Unternehmen unserer Branche entwickelt haben. Schon heute zahlen Gewerbe und Industrie in Deutschland die höchsten Strompreise in der EU. Auch das Preisniveau unserer Wettbewerber in Asien und den USA liegt deutlich niedriger.

Bei aller Notwendigkeit, zum Schutz des Klimas zu handeln: Deutschland steht aktuell für rund 2 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Ein nationaler Alleingang in Deutschland würde daher für die globale CO2-Bilanz wenig bewirken. Wir brauchen internationale Vereinbarungen für eine nachhaltige Trendwende beim Klimaschutz. Ein gemeinsamer Emissionshandel der G20-Staaten könnte ein wichtiger Schritt sein.

Hans Van Bylen,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de