Standpunkt

Klima schützen – Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie will und kann ihren Beitrag zum Ziel einer Treibhausgasneutralität im Jahr 2050 leisten. Mit ihren Innovationen ist sie Teil der Lösung für diese globale Herausforderung. Dafür braucht sie aber auch weiter Rahmenbedingungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten: Die Stromversorgung muss bezahlbar bleiben. Und ein nationaler Mindestpreis für Kohlendioxid in der aktuell diskutierten Form würde zu großen Wettbewerbsnachteilen für die Industrie führen, die mit dem EU-Emissionshandel schon einer solchen Bepreisung unterliegt.

VCI-Präsident Hans Van Bylen - Foto: © Henkel AG & Co. KGaA
VCI-Präsident Hans Van Bylen - Foto: © Henkel AG & Co. KGaA

Die Diskussion um den Klimaschutz und eine treibhausgasneutrale Wirtschaft hat seit dem Weltklimagipfel von Paris 2015 deutlich zugenommen. Sie hat inzwischen die ganze Breite der Gesellschaft in Deutschland erreicht.

Derzeit diskutieren Politiker, Ökonomen und Klimaexperten über die Vor- und Nachteile der Einführung eines CO2-Preises. Dieser soll dazu beitragen, die mittel- und langfristigen Ziele Deutschlands bis zur weitgehenden Treibhausgasneutralität im Jahr 2050 zu erreichen. Als chemisch-pharmazeutische Industrie wollen und können wir dazu unseren Beitrag leisten. Mit unseren Innovationen sind wir auch Teil der Lösung für diese globale Herausforderung. Darin sehen wir große Chancen.

Auch für uns hat der Schutz des Klimas hohe Priorität. Dabei müssen aber alle Dimensionen der Nachhaltigkeit angemessen Berücksichtigung finden. Hinter der ökologischen Perspektive sollten die soziale sowie die ökonomische Sicht nicht völlig in den Hintergrund rücken. Die globale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie darf nicht – insbesondere durch Doppelbelastungen – gefährdet werden. Für Industrie und Energiewirtschaft gibt es mit dem EU-Emissionshandel bereits einen CO2-Preis. In der aktuell diskutierten Form würde ein nationaler Mindestpreis für CO2-Zertifikate zu großen Wettbewerbsnachteilen für diese Unternehmen im EU-Binnenmarkt führen. Damit würde auch die Gefahr von Produktionsverlagerungen zunehmen.

Inzwischen zählen die deutschen Strompreise durch die Förderung erneuerbarer Energien und übrige Abgaben zu den höchsten in Europa. Bei ihren Entscheidungen muss die Politik daher darauf achten, dass die Stromversorgung bezahlbar bleibt. Bereits das heutige Strompreisniveau stellt gerade für einkommensschwache Haushalte und mittelständische Unternehmen eine erhebliche Belastung dar. Experten rechnen durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 mit weiter steigenden Preisen. Für diese Mehrbelastung benötigen energieintensive Industriezweige wie die Chemie dringend einen Ausgleich, der auch mit dem EU-Beihilferecht vereinbar ist.

Gemeinsam wollen wir dazu beitragen, die Herausforderungen des Klimaschutzes zu bewältigen und Teil ihrer Lösung sein. Dafür brauchen wir aber auch weiter Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie erhalten und fördern.

Hans Van Bylen,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de