Standpunkt

Herausforderung Klimaschutz

Wie muss eine Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft gestaltet werden, um die Emission von Treibhausgasen so zu senken, dass die für den Klimaschutz nötigen Ziele erreicht werden? Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland beschäftigt sich intensiv mit dieser Frage. Auf Basis einer Analyse vorliegender Studien wird der VCI eine Roadmap erarbeiten, die mögliche Wege für eine Reduktion von Treibhausgasen bis 2050 sowie die damit verbundenen Kosten aufzeigen soll.

VCI-Präsident Hans Van Bylen - Foto: © Henkel AG & Co. KGaA
VCI-Präsident Hans Van Bylen - Foto: © Henkel AG & Co. KGaA

Der Weltklimarat IPCC hat in seinem aktuellen Bericht die Zielmarke für den globalen Klimaschutz höher gelegt: Seine Experten halten eine umfassende Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft für notwendig, um die Erwärmung des Klimas auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dafür müsste die Emission von Treibhausgasen weltweit bis 2050 auf null sinken.

Wie lässt sich diese Erkenntnis aus Sicht der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie einordnen? Unsere Branche hat ihren Ausstoß von Treibhausgasen seit 1990 bereits um knapp die Hälfte reduziert. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, denn die Produktionsmenge ist im gleichen Zeitraum um knapp zwei Drittel gestiegen.

Die in der politischen Diskussion gehandelten Klimaziele – lauten sie nun 80, 95 oder sogar 100 Prozent Reduktion bis Mitte des Jahrhunderts – stellen auch auf dem erreichten Niveau eine große Herausforderung dar. Dies wird durch eine Metastudie des Beratungsunternehmens FutureCamp bestätigt, das für den VCI Studien mit Bezug zur Branche untersucht hat. Ihr Fazit lautet: Es gibt in den nächsten Jahrzehnten noch großes Potenzial für mögliche neue Technologien, die zu mehr Produktions- und Energieeffizienz führen könnten – auch wenn diese heute noch nicht verfügbar sind.

Sicher ist, dass Treibhausgasneutralität eine große Aufgabe für die chemische Industrie ist. Insbesondere dann, wenn der Klimaschutz nicht zu Lasten von sozialen und ökonomischen Zielen gehen soll. Um die Optionen der chemisch-pharmazeutischen Industrie auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität aufzuzeigen, wird der VCI eine Roadmap erarbeiten. Sie soll mögliche Wege bis 2050 sowie damit verbundene Kosten darstellen.

Dabei ist zu beachten, dass der Klimaschutz und der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ohne global einheitliches Vorgehen nicht funktionieren. Deutschland kann hier nur Vorreiter sein, wenn es auch in anderen Teilen der Welt die Bereitschaft zur Veränderung gibt. Nur gemeinsam wird es möglich sein, die vom IPCC gestellte Aufgabe anzupacken.

Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen. Denn unsere Industrie ist prädestiniert, mit ihren innovativen Lösungen eine nachhaltige, klimaverträgliche Zukunft mitzugestalten. Die Produkte und Innovationen der Chemie sind heute und in Zukunft unverzichtbar, wenn es etwa um energiesparendes Wohnen, umweltgerechte individuelle Mobilität oder CO2-freie Energieerzeugung geht.

Hans Van Bylen,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de