Herausforderung Klimaschutz

Die Chemie wartet nicht auf die Politik

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 25. 11. 2011 erläutert der Präsident des VCI die Bedeutung der Chemie für den Klimaschutz.

VCI-Päsident Dr. Klaus Engel © VCI
VCI-Päsident Dr. Klaus Engel © VCI

Europa kann die Schuldenkrise nur überwinden, wenn die Wirtschaft weiter wächst - das sagen uns Ökonomen. Die Welt kann der Klimakrise nur begegnen, wenn die Wirtschaft nicht noch weiter wächst – das sagen uns Ökologen. Zwischen beiden Positionen scheint ein unüberbrückbarer Widerspruch zu bestehen. Wenn das so ist, dann ist die deutsche chemische Industrie ein Brückenbauer. Denn sie hat es geschafft, Wachstum und Klimaschutz auf einen Nenner zu bringen. Wir zeigen mit unserer positiven Klimabilanz, dass die Entkopplung von Produktion und Energieverbrauch machbar ist. Das ist unsere Botschaft für die Welt.

Wie Klimaschutz trotz einer wachsenden Weltwirtschaft gelingen kann, ist auch eine der Fragen, die auf der Klimakonferenz im südafrikanischen Durban mit auf der Agenda stehen. Viele Menschen in Deutschland hoffen, die wenigsten Fachleute erwarten es, dass sich die Staatengemeinschaft zumindest in kleinen Schritten auf ein echtes Klimaschutzabkommen zubewegt und so ansatzweise weltweit gleiche Rahmenbedingungen beschließt.

Die Industrie wartet nicht auf die Politik, um für messbare Fortschritte zu sorgen. Sie geht vom Grundsatz aus, dass Klimaschutz am besten funktioniert, wenn Kohlendioxid erst gar nicht entsteht. Schon aus wirtschaftlichen Gründen. Wie das zu bewerkstelligen ist, hat die deutsche Chemie in ihren eigenen Werken vorgemacht: Sie hat ihre Treibhausgas-Emissionen seit 1990 um die Hälfte gesenkt und dabei die Produktion sogar fast um 50 Prozent erhöht. Damit arbeitet die deutsche chemische Industrie doppelt so effizient wie 1990 und legt eine hohe Messlatte für andere Länder und Wirtschaftszweige.

Die Bedeutung der Chemie für den Klimaschutz geht aber weit über die eigenen Anstrengungen zur Energieeffizienz hinaus: Unsere Branche ist ein Teil der Lösung, um die Herausforderung Klimaschutz lokal, national und global zu bewältigen. Sie trägt mit einer Vielzahl von Innovationen und Produkten dazu bei, dass private Konsumenten und andere Industriezweige Treibhausgase in erheblichem Maß vermeiden können. Die Chemie liefert mit der Batterietechnologie die Grundlage für die zukünftige Elektromobilität und zur Speicherung von Energie, und sie erhöht mit ihren Innovationen die Stromausbeute bei den erneuerbaren Energien Windkraft und Sonne. Um Energie zu sparen, sind moderne Dämm-Materialien für die Gebäudeisolierung erste Wahl: Sie reduzieren den Heizölverbrauch um bis zu zwei Drittel. Und die Chemie entwickelt neue Ansätze, um mit Hilfe der Biotechnologie und nachwachsenden Rohstoffen den Abschied vom Erdöl zu erleichtern – wann immer er kommt. Zudem kann die Nanotechnologie erheblich zur Verbesserung der Klimabilanz beitragen, etwa bei Leuchtmitteln oder Energiespeichern.

Klimaschutz ist eine weltweite Aufgabe. Das zeigen auch die Zahlen: 2009 machten die Emissionen Deutschlands nur 2,6 Prozent der globalen Emissionen aus; die der EU insgesamt 13 Prozent. Der Anteil der 27 EU-Staaten an den globalen Emissionen ist zu gering, um allein etwas zu bewirken. Nur wenn sich alle Verursacher von Treibhausgasen beim Klimaschutz beteiligen, versprechen auch die europäischen Bemühungen nachhaltigen Erfolg. Deshalb setzt sich die deutsche chemische Industrie für ein verbindliches, internationales Klimaschutzabkommen mit vergleichbaren Bedingungen ein. Wir brauchen eine solche Vereinbarung, damit die Chemie hierzulande wettbewerbsfähig bleibt und neue energiesparende, klimaschonende Produkte entwickeln kann. Klaus Engel ist Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).

Veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.11.2011

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Ansprechpartner

Stud. Ass. Manfred Ritz

E-Mail: ritz@vci.de