Utz Tillmann auf Expertenpanel im Industrieausschuss des Europäischen Parlaments

„Wir haben höhere Preise als unsere Wettbewerber“

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann trat am 23. Februar vor dem Industrieausschuss des Europäischen Parlaments auf. Er nahm dort als Teilnehmer eines Expertenpanels Stellung zu den aktuellen Energie- und Rohstoffpreisen. Im internationalen Vergleich habe die deutsche und europäische Industrie erhebliche Nachteile.

Tillmann gab den Europaabgeordneten zunächst einen Einblick, welche zentrale Rolle Energie für die Chemie einnimmt. So habe die deutsche Chemie einen Stromverbrauch, der zehn Millionen 4-Personen-Haushalten entspricht. Dieser Energieaufwand sei nötig, damit die Unternehmen wichtige Vorprodukte herstellen können, die andere zu hochwertigen Produkten weiterverarbeiten.

Tillmann wies darauf hin, dass die Branche in Deutschland sehr effizient mit Energie umgehe und ihre Energieeffizienz seit 1990 verdoppelt habe. Allerdings ließen sich weitere Effizienzsteigerungen aufgrund physikalischer Grenzen nur noch begrenzt realisieren.

Den Großteil seiner Stellungnahme widmete der VCI-Hauptgeschäftsführer den Nachteilen europäischer Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Diese sind laut Tillmann auf die immer höheren staatlichen Umlagen und Aufschläge auf Energiepreise zurückzuführen, verursacht durch energie- und klimaschutzpolitische Maßnahmen. Tillmann sagte: „Dadurch haben wir deutlich höhere Energie- und Rohstoffpreise als unsere Wettbewerber. Das hat auch Auswirkungen auf die Investitionen. Die gehen zunehmend in die USA, weil die Energie dort so günstig ist. Carbon Leakage findet in Form eines „Investmentleakage“ also bereits statt.“

Dass deutsche Standorte international benachteiligt seien, konnte Tillmann an offiziellen Zahlen belegen, die er um die Ergebnisse einer Umfrage unter VCI-Unternehmen ergänzte. Danach müssen deutsche Chemie-Standorte Strompreise zahlen, die teils doppelt so hoch sind wie in wichtigen Wettbewerbsregionen, zum Beispiel in den USA. Daran änderten auch Entlastungsregeln nichts, die bei der Expertenanhörung immer wieder im Mittelpunkt standen.

Tillmann widersprach Forderungen anderer Panel-Teilnehmer, wonach die Industrie mit der An- und Abschaltung von Anlagen in Zukunft zur Versorgungssicherheit des Energiesystems beitragen könne. Dies, so Tillmann, würde einen erheblichen Dämpfer für die Energieeffizienz bedeuten: „Wir sind umso effizienter, je stärker wir unsere Anlagen auslasten. Zwangsabschaltungen können nicht die Lösung sein.“

Der EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, Miguel Arias Cañete, bestätigte in seinem Eingangsstatement die von Tillmann skizzierte nachteilige Situation bei den Energiepreisen. Zwar habe sich die Situation in jüngster Zeit durch gesunkene Rohstoffpreise verbessert, darauf könne sich Europa aber nicht ausruhen. Bis zum Sommer 2016 stellte Cañete einen ausführlichen Bericht zu den Energie- und Strompreisen in der EU in Aussicht.

Hinweis:
Die Vortragsfolien von VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann anlässlich der öffentlichen Anhörung des Industrieausschusses enthalten eine Reihe von erläuternden Grafiken. Sie finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite (in englischer Sprache).

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