Vorbereitungen zum 7. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung laufen

Mehr forschen für die Energiewende

Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei der gegenwärtigen Diskussion über die Energiewende zunehmend auseinander. Denn vieles, was wünschenswert ist, ist noch nicht machbar. Mehr Forschung ist also notwendig. Das will die Bundesregierung mit ihrem 7. Energieforschungsprogramm erreichen.

Eine erfolgreiche Energiewende braucht mehr Forschung. - Foto: © Pixelmixel - Fotolia.com
Eine erfolgreiche Energiewende braucht mehr Forschung. - Foto: © Pixelmixel - Fotolia.com

Woran mangelt es bei der Energiewende? Beispielsweise an geeigneten Speichern, intelligenten Netzen und besonders effizienten Produktionsverfahren, um alternative Rohstoffe wirtschaftlich zu nutzen. Um diese Schlüsselprobleme zu bewältigen, muss zunächst intensiver geforscht werden. Und weil vieles noch nicht gelöst ist, ist auch noch offen, welche technischen Möglichkeiten die Energiewende in Deutschland wirklich voranbringen können. Ganz klar ist aber: Es wird nur mit Innovationen aus der Chemie gehen.

Diskutiert werden zurzeit folgende zentrale Fragen, wie der Umbau der Energieversorgung gelingen kann:

  • Wie kann erneuerbarer Strom zuverlässig in die bestehende Energieversorgung integriert werden? So könnten beispielsweise chemische Prozesse zur Herstellung von Plattform-Chemikalien genutzt werden, um die fluktuierend anfallenden, erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne für alle nutzbar zu machen.
  • Welche Bedeutung wird Elektrizität in der Energieversorgung in Zukunft haben?
  • Wie müssen Technologien in neu komponierten Energiesystemen zusammenwirken?
  • Welche Rolle spielen künftig Energieträger wie Mais, Holz oder Reststoffe?

Starke politische Initiativen

Politische Treiber für Forschung und Innovationen rund um den Bereich Energie sind beispielsweise der deutsche Klimaschutzplan und das derzeit in Arbeit befindliche Grünbuch „Energieeffizienz“ der Bundesregierung. Das 7. Energieforschungsprogramm, das stark auf die Energiewende ausgerichtet wird, soll Anfang 2018 starten. Daher hat die Bundesregierung mit ihren Vorbereitungen hierzu bereits begonnen. Die zentrale Koordinierung für die Energieforschung liegt beim Bundeswirtschaftsministerium.

Über eine Online-Umfrage haben Stakeholder jetzt die Möglichkeit, Vorschläge einzureichen, wie das 7. Energieforschungsprogramm gestaltet werden könnte. Darauf aufbauend sollen bereits im April Experten Empfehlungen erarbeiten, die dann auf einer Fachkonferenz am 2. Mai 2017 erörtert werden.

Der VCI wirbt dafür, Demonstrations-und Modellprojekte möglichst frühzeitig aufzusetzen sowie Forschung und Entwicklung technologieoffen zu fördern. Wichtig ist auch, dass die Effizienz der Förderung sowie die Wirtschaftlichkeit der unterschiedlichen technischen Möglichkeiten angemessen berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollte das Energieforschungsprogramm auf die Anforderungen einer exportorientierten Industrie langfristig ausgerichtet sein. Notwendig sind aus Sicht des VCI auch ein international wettbewerbsfähiges Budget und eine bessere Abstimmung unter den zuständigen Ministerien.

Die Entwicklung einer nachhaltigeren Energieversorgung für eine weiter wachsende Weltbevölkerung bietet große wirtschaftliche Chancen. Dementsprechend intensiv ist der internationale Wettbewerb um die besten Forschungsstandorte und Lösungen. Das setzt adäquate Rahmenbedingungen in Deutschland voraus. Auch das sollte in der politischen Diskussion deutlich werden.

INFO: Förderprogramme des Bundeswirtschaftsministeriums

Das Bundeswirtschaftsministerium hat im Februar neue Förderungen im Rahmen der Forschungsinitiative „Energiewende im Verkehrs- und Transportsektor“ ausgeschrieben. Dafür stehen voraussichtlich 40 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Es sollen vor allem Forschungsprojekte unterstützt wer den, die sich mit den Themen strombasierte Kraftstoffe, Untersuchung unterschiedlicher Technologiepfade und neue Antriebskonzepte beschäftigen.

Das Forschungsfeld „Energie in Industrie und Gewerbe“ befasst sich mit Themen wie flexible Industrieprozesse oder die energieeffiziente Modell-Fabrik ETA.

Das ehemalige Netzwerk COORETEC findet sich jetzt im Forschungsnetzwerk „Flexible Energiewandlung“ wieder. Dort beschäftigt man sich mit Solarkraftwerken, flexiblen Energieträgern und -speichern, CO2-Technologien sowie dezentralen Energiesystemen.

Im Forschungsnetzwerk „Stromnetze“ wird die Frage diskutiert, wie aus Stromnetzen Energienetze werden können, die vor allem den Wärmebereich einbeziehen.

Wer sich über weitere Fördermöglichkeiten informieren möchte, findet im Internet Hinweise unter: https://forschungsnetzwerke-energie.de


Dieser Artikel ist im chemie report 03/2017 auf Seite 11 erschienen. Im Original-Layout finden Sie ihn im Download-Bereich im Kopf dieser Seite.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Martin Reuter

E-Mail: reuter@vci.de