Stakeholder-Dialog zur Dekarbonisierung

Diskussionen über Wege zur Treibhausgasneutralität

2017 hatte der VCI einen „Stakeholder-Dialog Dekarbonisierung“ initiiert. Mit Experten aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft fanden seitdem mehrere Gesprächsrunden statt, in denen Positionen und Lösungsansätze zur CO2-Reduktion diskutiert wurden. Nach fünf Workshops haben die Teilnehmer nun ein Zwischenfazit gezogen.

Strom aus erneuerbaren Energien spielt für die Dekarbonisierung der Wirtschaft eine wichtige Rolle. - Foto: © Kara/stock.adobe.com
Strom aus erneuerbaren Energien spielt für die Dekarbonisierung der Wirtschaft eine wichtige Rolle. - Foto: © Kara/stock.adobe.com

Für die energieintensive chemische Industrie hat der Prozess der Dekarbonisierung in Form von CO2-Reduktion besondere Relevanz: Die Branche wird auch in Zukunft große Mengen an Energie benötigen. Gefragt sind daher Lösungen, wie diese Energie treibhausgasneutral erzeugt und bereitgestellt werden kann. Außerdem benötigt die Chemie als einzige Industriebranche für einen großen Teil ihrer Produkte Kohlenstoff, aus dem am Ende des Lebenszyklus‘ eines Produktes ebenfalls das Treibhausgas CO2 entsteht.

Im Mittelpunkt des Austauschs zwischen Experten des VCI, der Chemieunternehmen und der verschiedenen Interessengruppen (siehe INFO am Ende dieser Seite) standen daher unter anderem folgende Fragen: Kann es überhaupt eine Dekarbonisierung der Chemie geben, und wie soll sie gestaltet werden? Was erwartet die Gesellschaft von der Chemieindustrie? Und welche Rahmenbedingungen sind erforderlich, um den Klimazielen gerecht zu werden und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien zu erhalten?

Erste Ergebnisse

Trotz teilweise unterschiedlicher Interessenslagen ist es gelungen, zu bestimmten Aspekten einen gemeinsamen Nenner zu finden. So bekennen sich alle Akteure zum Pariser Klimaschutzabkommen: Der weltweite Temperaturanstieg soll auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzt werden. Außerdem herrschte Einigkeit, dass der Begriff der Dekarbonisierung nicht so verstanden werden darf, dass Produkte der Chemie keinen Kohlenstoff mehr enthalten dürfen. Vielmehr soll nach technischen Möglichkeiten gesucht werden, die Entstehung von Treibhausgasen zu vermeiden oder zu reduzieren. Deswegen beschreibe auch der Begriff der „Treibhausgasneutralität“ am besten die Herausforderung, der die chemische Industrie gegenübersteht.

Die Dialoggruppe plädiert zudem für einen regulativen Rahmen, der eine Umsetzung der Dekarbonisierung wirtschaftlich möglich macht. Sie spricht sich zudem dafür aus, Vertrauen in die Innovationsfähigkeit der Chemiebranche zu haben: Die chemische Industrie solle eine Vorreiterrolle einnehmen und den Pfad zu einer möglichst treibhausgasneutralen Gesellschaft mitgestalten.

Der Stakeholder-Dialog wird von der unabhängigen Dialog-Organisation „DIALOG BASIS" organisiert und mit allen Teilnehmern auch nach Erstellung des Berichts weitergeführt.

Stimmen aus der Dialoggruppe

Jörg Rothermel
Jörg Rothermel
Jörg Rothermel, Leiter der Abteilung Energie, Klima, und Rohstoffe im VCI:
„Wir freuen uns über den offenen und fairen Austausch mit den Stakeholdern. Er ermöglicht es allen Teilnehmern, die jeweiligen Positionen und Lösungsansätze noch besser verstehen zu lernen. Schon allein deswegen ist der Dialog sehr wertvoll. Darüber hinaus bleibt es das Ziel der Gruppe, gemeinsame Handlungsempfehlungen für die Politik zu entwickeln."
Reinhold von Eben-Worlée - Foto:
Reinhold von Eben-Worlée - Foto: © Jenner Egberts Fotografie
Reinhold von Eben-Worlée, Geschäftsführer, Worlée-Chemie GmbH:
„Die Auswirkungen des Klimawandels bergen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen der chemischen Industrie erhebliche Risiken, wie z.B. Rohstoffverfügbarkeit und -preise, Energiebezahlbarkeit und Stromnetzstabilität. Nur marktnahe Steuerungselemente, wie ein international abgestimmter und sektorübergreifender Emissionshandel, sind probate Mittel, mit denen unsere Klimaschutzziele zu möglichst geringen Kosten erreicht werden können. Der Dialog mit zahlreichen Stakeholdern war ein wichtiger Impuls in diese Richtung."

Der Dialogbericht

Der Zwischenbericht zum Dialog - Cover:
Der Zwischenbericht zum Dialog - Cover: © DIALOG BASIS
Hier gibt es den Zwischenbericht zum „Stakeholder-Dialog Dekarbonisierung" zum Download.













INFO: Teilnehmer des Dialogs

Agora Energiewende; BASF SE; Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – BUND e. V.; Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI); Covestro Deutschland AG; Dow Deutschland Inc.; DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V.; Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V. (DIW); Evonik Industries AG; Germanwatch e. V.; IG BCE Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie; Infraserv GmbH & Co. Höchst KG; Kommissariat der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro Berlin; KfW Bankengruppe; LANXESS Deutschland GmbH; Mainsite GmbH & Co. KG Industrie Center Obernburg; Mineralwirtschaftsölverband e. V.; Munich Re; Naturschutzbund Deutschland – NABU e. V.; Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI); Verbraucherzentrale NRW e. V.; Vinnolit GmbH & Co. KG; Wacker Chemie AG; Worlée-Chemie GmbH; Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH; WWF Deutschland


Dieser Artikel ist in modifizeirter Form im chemie report 08/2019 erschienen.

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Ansprechpartner

Dr. Jörg Rothermel

E-Mail: rothermel@vci.de