Folgen der Energiewende für Unternehmen

Bewegte Debatte auf CDU-Wirtschaftstag

Das Thema Energiewende spaltet die deutsche Öffentlichkeit. Ein Großteil der Bevölkerung ist für ein Umschwenken auf erneuerbare Energien. Unternehmer beklagen jedoch wachsende finanzielle Lasten. Auf einem von Jörg Rothermel, Abteilungsleiter Energie, Klimaschutz und Rohstoffe beim VCI, moderierten Podium beim CDU-Wirtschaftstag in Berlin schlug die Debatte einmal mehr hohe Wellen.

Diskutierten über Implikationen der Energiewende: (v.l.) Karl-Peter Thelen (ENGIE), Katherina Reiche (CDU), Johannes Lambertz (RWE), Herbert Reul (CDU), Jörg Rothermel (VCI), Klaus Engel (Evonik), Willem Huisman (Dow) und Julien Mounier (Veolia). - Foto: © CDU-Wirtschaftsrat / Hans-Christian Plambeck
Diskutierten über Implikationen der Energiewende: (v.l.) Karl-Peter Thelen (ENGIE), Katherina Reiche (CDU), Johannes Lambertz (RWE), Herbert Reul (CDU), Jörg Rothermel (VCI), Klaus Engel (Evonik), Willem Huisman (Dow) und Julien Mounier (Veolia). - Foto: © CDU-Wirtschaftsrat / Hans-Christian Plambeck

Es war eine überraschende Quelle, aus der Johannes Lambertz, Bevollmächtigter für die Energiewende bei RWE, zitierte: Er nannte Daten und Zahlen der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Diese hatte untersuchen lassen, welche Bedingungen erfüllt sein müssten, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Demnach müssten 2020 in Deutschland alle Gas- und Ölheizungen verboten werden. Nach weiteren fünf Jahren wäre die Produktion von Benzin- und Dieselfahrzeugen einzustellen und 2030 der Totalausstieg aus der Kohlenutzung zu vollziehen – bisher ohne Alternativen in Sicht. Daran anknüpfend stellte Lambertz zwei Fragen in den Raum: Wissen das die Menschen? Und falls ja, würden dann nicht die enormen Zustimmungswerte zur Energiewende „wie Schnee in der Sonne schmelzen“?

Zuvor hatte die ehemalige CDU-Politikerin Katherina Reiche, heute Geschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen, ein „grünes Paradox“ beklagt: Obwohl die Energiewende in einem steten „Reparaturmodus“ verharre, bleibe der Anteil der Befürworter in Umfragen stabil bei 93 Prozent. 55 Prozent der Befragten fanden gar, dass es nicht schnell genug gehe. 70 Prozent erklärten sich mit höheren Energiekosten einverstanden. Zunehmende Skepsis herrsche dagegen bei Energieverbrauchern in der Wirtschaft, die „mit den Folgen kämpfen“.

Bedenken der Wirtschaft

Zwar sei der Umstieg richtig, räumte Evonik-Vorstandschef Klaus Engel ein. Dabei mache die Politik Vorgaben, die die Unternehmen „als überzeugte Mitwirkende in der Demokratie am Ende zu tragen haben“. Dennoch müsse auch die Stimme der Wirtschaft Gehör finden: „Wir brauchen dringend eine schlüssig durchdachte Gesamtstrategie für das Megaprojekt Energiewende.“ Der gleichzeitige Ausstieg aus der Nutzung sowohl der Atomkraft als auch fossiler Energieträger lasse die deutsche Energiewende als „Projekt mit unüberschaubaren Risiken“ erscheinen.

Als warnendes Exempel nannte Moderator Rothermel die Chemie: Seit Jahren stagnierten in Deutschland und Europa die Investitionen, während sie in der übrigen Welt „dramatisch“ stiegen. Dies habe auch mit der hierzulande „nicht mehr planbaren Energie- und Klimapolitik“ zu tun. Ähnlich sah es Willem Huisman, Präsident von Dow Deutschland: „Die Industrie verschwindet nicht schlagartig. Nur wird hier Beschäftigung abgebaut, dort auf Investition verzichtet, anderswo ein Betrieb dichtgemacht.“ Für Huisman ist die Entwicklung ein schleichender, wenig beachteter Prozess. Ob der deutsche Mittelstand seinen Modellcharakter behalten werde, bezweifelte er: „Wir sind dabei, das Ding abzumurksen.“

Auch CDU-Politiker Herbert Reul, im Jahr 2012 Berichterstatter für erneuerbare Energien im Europaparlament, war skeptisch: „Marktwirtschaftliche Überlegungen spielen keine Rolle. Es gibt keinen Sektor, der so verkompliziert, verplant und verreglementiert ist wie der Energiemarkt.“ Ein Problem sei die Diskussionskultur: „Eine kleine Truppe bringt mit Falschmeldungen die öffentliche Meinung so auf die Palme, dass sie die Debatte bestimmt.“

Bericht: Dr. Winfried Dolderer

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